„Haben Sie schon gehört?“, wurde der Bad Überkinger Bürgermeister Matthias Heim am frühen Morgen beim Bäcker gefragt. Etwas habe er sich schon geärgert, berichtet er, dass er erst an der Ladentheke und dann aus unserer Zeitung davon erfahren hat: Die Volksbank-Filiale im Überkinger Teilort Hausen wird künftig nicht mehr mit Personal besetzt. Kunden können sich dort dann nur noch am Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker selbst bedienen.

„Ich find’s sehr schade“, urteilt Heim, denn aus seiner Sicht gehöre die kleine Bankfiliale zur Grundversorgung – nicht nur für die 800 Hausener, sondern auch für die 1000 Einwohner von Unterböhringen, von wo sich die Genossenschaftsbank schon vor Jahren zurückgezogen hat. Heim wundert sich vor allem deshalb, weil die Bank vor wenigen Jahren neu gebaut hat.

Dabei kam die Nachricht gar nicht überraschend: Schon im März kündigten die Volksbank-Vorstände an, ihr Filialnetz zu überdenken. Steigende Kosten, aber vor allem geringere Erträge durch die Niedrigzinskrise sowie die Abwanderung von 90 Prozent der Kunden ins Online-Banking machten dies notwendig. Schon damals war klar: Es wird höchstwahrscheinlich auch die kleinste Filiale treffen, nämlich jene in Aufhausen, die derzeit noch montags, mittwochs und freitags für jeweils zwei Stunden geöffnet ist.

Ortsvorsteher Ludwig Kraus stand deshalb schon in Kontakt mit den Volksbank-Chefs. Auch in Aufhausen hat die Bank vor wenigen Jahren ein eigenes Gebäude in Fertigbauweise errichtet. Bankvorstand Hermann Sonnenschein habe Kraus versichert: In Aufhausen bleibe ein Kontoauszugsdrucker und ein Geldautomat, den nach der Schließung der Sparkassenfiliale vor eineinhalb Jahren auch deren Kunden nutzen dürfen. Die Veränderung werde in Aufhausen nicht sehr groß sein, versichert Sonnenschein auf Nachfrage. Zumal die Bank für ihre Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten Dank eines Dialogcenters im Internet und per Telefon noch besser erreichbar sei. „Wir wollen keine Kunden verlieren und in der Fläche ausgewogen präsent sein“, lautet Sonnenscheins Credo.

Die Sparkasse setzte bei ihrem Rückzug aus den Dörfern nicht auf Selbstbedienungsfilialen, sondern tingelt seit einem Jahr mit einem Sparkassenmobil übers Land. Die Aufhausener, so stellte die Sparkasse fest, steuern für ihre Bankgeschäfte aber nicht die Filiale in Geislingen an, sondern wählen zumeist den kürzeren Weg nach Bad Ditzenbach. Für die Volksbank Göppingen könnte eine solche Abwanderung weniger erfreulich sein: In der Badgemeinde  sitzt die eigenständige Volksbank Deggingen.

Ortsvorsteher Kraus beschäftigt sich mit einer weiteren Frage: Was wird ab Januar 2017 aus der Ortsbücherei? Diese hatten die Aufhausener in den Räumen der Volksbank eingerichtet, weil sie die einzig verbliebene Institution im Ort ist, die geregelte Öffnungszeiten hat. Zwischen Auszahlungen und Beratungsgesprächen kümmert sich bislang die Aufhausener Bankkauffrau Marianne Reichart ehrenamtlich um den Bücherverleih.

„Jetzt muss man schauen, ob es eine Alternative dafür gibt“, sagt Kraus. Das Rathaus sei nicht regelmäßig geöffnet und der dortige Vereinsraum böte kaum mehr Platz. Wichtig ist ihm, dass die Bücherei betreut wird. Womöglich könnten die Räume der Volksbank weiterhin genutzt werden. Sonnenschein jedenfalls kündigt an: „Wir helfen, wo wir können.“

In Kuchen war Bürgermeister Bernd Rößner sehr „überrascht, dass in unserer Gemeinde eine Bank schließt. Ohne dass die Gemeinde es beeinflussen kann, bricht uns nach dem Ausbluten des Gewerbeparks wieder ein Stück Infrastruktur weg.“ Denn Kuchen sei mit 5500 Einwohnern nicht gerade klein. Rößner denkt dabei nicht nur an ältere Kuchener, die den persönlichen Service noch schätzen: „Manches will man eben doch noch im persönlichen Kontakt erledigen.“

Künftige SB-Filialen

Umstellung Im Raum Geislingen werden die bisher noch mit Personal besetzten Filialen in Aufhausen (ab Januar 2017), Hausen, Kuchen und Nenningen (ab 2018) als Selbstbedienungsfilialen mit Kontoauszugsdrucker und Geldautomat weitergeführt. Gingen und Bad Überkingen werden ab 2018 reine Beratungsfilialen mit SB-Service. Schalterservice gibt es weiterhin in Amstetten, Böhmenkirch, Geislingen, Altenstadt und Süßen.