Das vielfache Hämmern ist schon von Weitem zu hören. 160 Kinder sind seit Montag in der ersten Ferienstadtwoche oben auf dem Geiselstein und sägen und nageln an ihren Hütten. Mittendrin: Sven Renken und Kai Hummel.

Mittendrin sind beide eigentlich jedes Jahr, erst als Teilnehmer, dann, seit sie 18 waren, als Betreuer. In diesem Jahr bildet das Duo aber erstmals das hauptamtliche Leitungsteam. Das Chef-Tandem der vergangenen zehn Jahre, Holger Schrag und Thomas Wulf, nutzte die 40. Auflage der Ferienstadt im vergangenen Jahr als „ein gutes Datum, um die Leitung in neue Hände zu legen“, wie Schrag sich ausdrückt.

Sven Renken denkt über Weihnachten und Aliens nach

Renken und Hummel macht die Zeltstadt Spaß – schon immer. „Weil es keine festgelegten Regeln gab und ich tun konnte, worauf ich Lust hatte“, erzählt Hummel. Renken sagt: „Hier kann man total verrückte Sachen machen. Ich kann morgen Weihnachten feiern oder ein Raumschiff mit Aliens landen lassen, alles ist möglich.“ Der einzige feste Termin an einem Ferienstadt-Tag ist das gemeinsame Mittagessen um 13 Uhr. Es ist jedoch mehr als nur Spaß, was die Ferienstadt – ein Kooperationprojekt von Stadtjugendrings und Stadtjugendreferat – auch für die Betreuer zu etwas Besonderem macht.

Die Betreuer, pro Woche etwa 36, übernachten auf dem Geiselstein, sind also noch zusammen, nachdem die Kinder am Abend mit dem Bus nach Hause fahren. „Da sitzen wir abends am Lagerfeuer, es gibt viele tolle Gespräche – und  es entstehen hier Freundschaften“, erzählt Renken. Er und Hummel sind fünf Wochen am Stück Bewohner der Freien Republik, wie sich die Ferienstadt nennt, Auf- und Abbauwoche inklusive. Der 25-jährige Renken verbraucht dafür fast seinen gesamten Jahresurlaub. Der Mann mit den Rasta-Locken und den großen Plugs in den Ohren ist im normalen Leben Erzieher in einer Jugendhilfeeinrichtung. Und der 21-jährige Kai Hummel, der in Weingarten auf Lehramt studiert, opfert einen Großteil seiner Semesterferien.

Planung für die nächste Ferienstadt beginnt schon im Oktober

Wobei beide das gar nicht als Opfer betrachten. Im Gegenteil: „Nach der Ferienstadt bin ich mental entspannter als nach zwei Wochen Urlaub. Weil ich einfach total abschalte und gar nicht an die Arbeit denke“, sagt Renken, sein Kollege sieht das genauso.

Ihnen mache es Spaß, alles rund um die Ferienstadt zu organisieren, erzählt das Duo. Das ist viel – nicht ohne Grund beginnt die Planung immer bereits im Oktober und damit schon kurz nach Ende der vorangegangenen Ferienstadt. Offiziell ist Sven Renken der pädagogische, Kai Hummel der technisch-organisatorische Leiter. „Aber das vermischt sich“, sagt Renken.

Im Januar startet die Suche nach den Betreuern für die kommende Ferienstadt. Alle, die sich bewerben, werden auf zwei Fortbildungs-Wochenenden im Mai und Juni eingeladen. „Damit sie sich kennenlernen und ein Team werden“, erklärt Renken. Die Betreuer lernen darüber hinaus die vier Bereiche Bauen, Kreativität, Spiele und Tiere der Ferienstadt kennen, die rechtlichen Grundlagen etwa zur Aufsichtspflicht und natürlich auch das Prinzip hinter der Zeltstadt. Etwa, dass die Kinder wieder lernen, frei zu spielen und ihre Fantasie zu entwickeln.

Viele Betreuer waren schon als Kind in der Ferienstadt

„Wir geben den Betreuern das Material, das sie dafür brauchen.“ Viele der Betreuer waren bereits als Kind in der Ferienstadt, manche von ihnen blieben ihr im Alter zwischen 14 und 17 als sogenannte Hobbits treu und halfen beim Auf- und Abbau.

Die Organisation für den Aufbau ist aufwendig, berichtet Renken. „Weil die Ferienstadt eine Rieseninfrastruktur hat“. So müssen Stromleitungen vom Geiselsteinhaus der TG zur Zeltstadt gelegt werden. Das notwendige Wasser für die Küche und die Toiletten, 4000 Liter, wird in 600- und 700-Liter-Fässern per Lkw aus Türkheim in die Ferienstadt transportiert und dort in zwei 2000-Liter-Behälter umgefüllt.

Immer weniger Sägewerke setzen auf Schwartenholz

Das Gemeinschaftszelt aufzubauen, ist wegen des felsigen Bodens eine Herausforderung. Damit der Untergrund bei Regen nicht zur Matschsuhle verkommt, müssen Schaltafeln als Fußboden ausgelegt werden. Ans große Zelt kommt ein Küchenbereich, die Betreuer erhalten in der Ferienstadt ihren eigenen „Beauty“-Bereich mit Waschstellen, Spinden und Dusche. Das Holz für den Hüttenbau der Kinder bringt der Bauhof aus einem Gschwender Sägewerk: 70 schwere  Bündel aus je vier Meter langen Schwarten. Was künftig eine der größten Herausforderungen sein wird: „Es wird immer schwieriger, Schwartenholz zu bekommen, weil die meisten Sägewerke inzwischen Pellets daraus herstellen“, sagt Renken.

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