Schulhund Fancy macht gute Laune: Emil-von-Behring-Schule hat einen Schulhund

STEFANIE SCHMIDT 18.04.2016
Etwa 400 deutsche Schulen setzen Hunde im Unterricht ein. Die tiergestützte Pädagogik gibt es seit April auch an der Geislinger Emil-von-Behring Schule: Retriever-Welpe Fancy verzaubert dort alle. <i>Mit Bildergalerie und Umfrage.</i>

Große Augen, Schlappohren und ein weiches Fell: Seit April bekommen die Lehrer und Schüler an der Emil-von-Behring-Schule (EvB) an zwei Tagen in der Woche kuscheligen Besuch. Nämlich dann, wenn Studiendirektorin Nicole Ludwig ihre 14 Wochen alte Hündin Fancy mit in den Unterricht bringt. Kommt die Mathematiklehrerin mit Fancy, die als Hommage an die EvB den Zweitnamen Emily trägt, ins Klassenzimmer, blühen die Schüler regelrecht auf. Wer kann sich dem Charme des kleinen Welpen schon entziehen?

"Möchte ihr jemand Leckerlis geben?", fragt Nicole Ludwig. Sofort melden sich mehrere Schüler und bekommen einen Hundeleckerbissen aus der Tüte, die die Lehrerin immer bei sich hat, wenn sie mit Fancy im Schulhaus unterwegs ist. Der Welpe läuft frei durchs Klassenzimmer, holt seine Leckerlis ab, lässt sich streicheln und rollt sich unter dem Stuhl einer Schülerin zum Schlafen zusammen. "Fancy hat's gut: Sie ist die Einzige, die während meines Unterrichts schlafen und herumlaufen darf, wie sie will", kommentiert Nicole Ludwig das mit einem Lächeln.

Doch hinter Fancys Einsatz als Schulhündin steht ein klares pädagogisches Konzept, und auch die Schüler wissen genau, welche Regeln beim Umgang mit dem Tier einzuhalten sind: Immer nur zwei Hände sollen Fancy gleichzeitig streicheln; die Schüler dürfen aus Rücksicht auf das feine Gehör der Hündin nicht zu laut sein und den Welpen nicht beim Fressen oder Ausruhen stören. Auch ganz wichtig: Abfall gehört in den Mülleimer und nicht auf den Boden - sonst landet womöglich etwas Schädliches im Hundemagen. Nicole Ludwig achtet darauf, dass der Kontakt weder für die Schüler noch für das Tier zu viel wird.

Im regelmäßigen Umgang mit dem Schulhund lernen die Schüler viel. Ganz ohne es zu bemerken, verbessern sie ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten, denn von Fancy bekommen sie sofort eine Rückmeldung auf ihr Verhalten. Die Reaktionen der Hündin zeigen ihnen sofort, ob sie zu aggressiv oder zu laut sind und dem Tier dadurch vielleicht Angst machen oder ob sie die Signale und Bedürfnisse der Hündin richtig gedeutet haben. Das schult die Empathie und hilft, das eigene Verhalten zu reflektieren.

Und noch etwas lernen die Schüler von Fancy: dass sie vorurteilsfrei angenommen werden. Denn die Hündin mag jeden: Egal, ob jemand dick ist oder dünn, die neuesten Markenklamotten trägt oder Kleider vom Discounter. Auf diese Weise sorgt die Schulhündin durch ihre bloße Anwesenheit für eine freundliche Lernatmosphäre.

Noch ist Fancy nicht den ganzen Schultag hindurch mit den Schülern im Kontakt. Schließlich ist sie noch ein Baby und braucht viel Ruhe, um ihre Eindrücke zu verarbeiten und sich zu erholen. Sie soll zwar in der wichtigen Prägungsphase den Schulalltag kennenlernen, aber nicht überfordert werden, erklärt Nicole Ludwig. Darüber hinaus geht die kleine Hündin regelmäßig mit ihrem Frauchen in die Welpenschule. Ist Fancy einmal erwachsen, wird noch die Ausbildung zum Begleithund hinzukommen. Das dafür erforderliche soziale Wesen scheint bei Fancy in der Familie zu liegen: Einer ihrer Wurfbrüder ist ebenfalls als Schulhund im Einsatz.