Totgeprügelt BGH macht Urteil im Fall Raphael öffentlich

Geislingen / Stefanie Schmidt 03.04.2018
Wann das Ulmer Landgericht den Fall eines totgeprügelten Jungen aus Geislingen neu verhandelt, ist noch offen.

Der Prozess um den vierjährigen Raphael aus Geislingen muss neu verhandelt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) bereits im vergangenen Oktober beschlossen. Am Dienstag veröffentlichte der BGH den Volltext des Urteils auf seiner Webseite. Der Junge war im März 2011 totgeprügelt worden. Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Ulm hatte die Mutter und ihren damaligen Lebensgefährten  2016 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von jeweils fünf Jahren verurteilt. Wer dem Kind die tödlichen Kopfverletzungen zugefügt hatte, konnte das Landgericht damals allerdings nicht feststellen. Die Angeklagten beschuldigten sich gegenseitig. Richter und Schöffen sahen es aber als erwiesen an, dass die Mutter und der Ex-Lebensgefährte Mittäter waren.

Die Begründung: Auch dem Angeklagten, der dem Jungen nicht die tödlichen Schläge versetzt hat, sei bewusst gewesen, dass  die Gewalt gegen das Kind in den Wochen vor seinem Tod immer mehr eskaliert sei. Durch den eigenen Erziehungsstil und weil er den Jungen nicht geschützt hätte, habe er die Gewalt gebilligt und den jeweils anderen in seinem Tun bestärkt.

Der BGH sah es anders: Zwar sei der Erziehungsstil beider Angeklagter „harsch, unangemessen und von körperlichen Züchtigungen geprägt“ gewesen. Daraus lasse sich aber nicht ableiten, dass die Ausübung massiver und roher Gewalt auch gegen den Schädel als Erziehungsmittel einvernehmlich geschah. Erst in den letzten drei Wochen vor dem Tod des Jungen hätten sich Ohrfeigen und Klapse auf den Po zu Misshandlungen durch massiven Gewalteinsatz gesteigert. Dass diese Methoden zu einem gemeinsamen Erziehungsstil gehörten, sei im Laufe des Ulmer Prozesses nicht festgestellt worden. Dass keiner der Angeklagten etwas gegen diese Misshandlungen getan habe, sondern die Verletzungen sogar vertuscht wurden, lasse auch nicht auf einen gemeinsamen Tatplan schließen.

Wann der Fall in Ulm neu verhandelt wird, steht noch nicht fest. Die Akte sei bisher noch nicht im Landgericht eingetroffen, erläuterte Pressesprecher  Wolfgang Tresenreiter auf Nachfrage unserer Redaktion.

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