Geislingen an der Steige Extrembergsteiger unter Plagiatverdacht

RODERICH SCHMAUZ 28.11.2012
Nicht nur der ein oder andere Prominente hat für seine Doktorarbeit bei anderen abgekupfert, einen Fall von Plagiat hat der Geislinger Alpenverein nun in einem Expeditionsbericht aufgedeckt.

Der Extrembergsteiger mit Verbindungen in den Raum Geislingen schmückt sich mit einer langen Liste von Erstbesteigungen. In unserer Zeitung wurde der Mittfünfziger, der das Bergsteigen seit Jahrzehnten intensiv als Hobby betreibt, gar zu einem Reinhold Messner der Anden geadelt - just in dem Expeditionsbericht, bei dem vor allem Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg Pate gestanden hat. Den Nachweis, dass dieser Extrembergsteiger Passagen aus den Expeditionsberichten von Vorgängern wörtlich abgeschrieben hat, lieferte Gerhard Dangelmaier, der zweite Vorsitzende der Geislinger Alpenvereinssektion. Eher zufällig stieß er darauf.

Der Extrembergsteiger schrieb über seine Besteigung des Cerro Torre (3128 m) im Sommer 2010 und des Fitz Roy (3406 m) im Sommer 2011, zwei Gipfel in Patagonien, also im südlichen Zipfel Südamerikas, die bergsteigerisch höchst anspruchsvoll sind. Im Dezember 2011 erschien der Expeditionsbericht stark gekürzt und bearbeitet in unserer Zeitung.

Jüngst las Dangelmaier den Bericht in der ursprünglichen Version und vollen Länge. Dem früheren Lehrer stellten sich nach der Lektüre noch ein paar Fragen - er ging ins Internet, gab die entsprechenden Stichworte ein - und stieß auf Expeditionsberichte mit Formulierungen, die ihm sehr vertraut vorkamen. Besagter Extrembergsteiger kupferte nicht zu knapp ab vom Anfang 2005 erschienenen Bericht der beiden Tiroler Hansjörg Auer und Thomas Scheiber, die Ende Dezember 2004 den Cerro Torre bestiegen haben. Bei den Passagen über das Erklimmen des Fitz Roy standen die Ausführungen der beiden Deutschen Ralf Gantzhorn und Dietmar Kastning vom Sommer 2007 Pate.

Dass gleiche Routen zwangsläufig zu Übereinstimmungen in Berichten führen, ist Dangelmaier klar. Aber er wundert sich schon, dass der besagte Extrembergsteiger Jahre später dieselben persönlichen Empfindungen hatte wie seine Vorgänger und mit denselben Wetterumschwüngen zu kämpfen hatte. Eine weitere Ungereimtheit fiel Dangelmaier auf: Die Fotos, die der Extrembergsteiger vorgeblich während seiner beiden Touren geschossen hatte, wiesen andere Aufnahmedaten auf.

Der Ertappte gab gegenüber Dangelmaier und der GZ zu bedenken, er habe aus Zeitknappheit die anderen Expeditionsberichte als "Leitfaden" und Vorlage für seine Niederschrift verwendet, "wenn dadurch auch die Authentizität leidet". Doch das sei in Expeditionsberichten gang und gäbe. An den Fakten ändere das nichts. Und bei den Fotos habe er auf die besten Aufnahmen aus seinem großen Fundus zurückgegriffen. Für Dangelmaier wirft das Plagiat aber ein schiefes Licht auf den Extrembergsteiger und seine Leistungen.

Zum Vergleich: Plagiat ...

Seit drei Tagen harren wir hier schon im Norweger Biwak am Fuß der Ostwand des Torre aus und warten, dass das patagonische Wetter sein Katz-und-Maus-Spiel mit uns beendet.

Doch gegen 3 Uhr prasselt der Regen aufs Zelt. Starker Wind, Regen und Schnee hielten uns zwei Tage hier oben gefangen.

Voller Begeisterung klettern wir simultan den 90-Meter-Quergang, welcher zum Icy Chimney führt.

(Wir) steigen an bizarren Eisskulpturen höher. Plötzlich ein starker, eisiger Wind, der durch und durch geht und die Seile fast gefrieren lässt.

Nach den ersten Klettermetern in der Headwall wird uns aber wieder warm und ich weiß: Wir können es schaffen.

Die langen Abseilstellen hinab ins Nichts sind nichts für schwache Nerven. Mehrmals verheddert sich ein Seil und muss mühsam wieder befreit werden. Ein Stück schneiden wir letztlich ab. Es ist unser Opfer an den Berg.

Und Original ...

Den dritten Tag verbringen wir jetzt schon im Norweger Biwak am Fuß der Cerro Torre Ostwand. Das patagonische Wetter spielt Katz und Maus mit uns!

Um 2:00 hieß es jedoch: "Aus der Traum". Regen prasselt auf unser Zelt. Starker Wind, Regen und schließlich Schnee hielten uns die folgenden 2 Tage hier oben gefangen.

... voller ... Begeisterung klettern wir simultan den 90-Meter-Quergang, welcher uns zum "Icy-Chimney" hinüberleitet.

An bizarren Eisskulpturen vorbei steigen wir höher. Starker, eisiger Wind fährt durch unsere Glieder und lässt die Seile erstarren.

Nach den ersten Klettermetern in der "Headwall" wird uns wieder warm und ich weiß - wir können es schaffen.

Wir haben uns schnell wieder ans Abseilen gemacht ... - Auch hier nichts für schwache Nerven. In der vorletzten Abseillänge hatte sich das Seil hoffnungslos verhängt. Ein Seilstrang musste dem Berg geopfert werden.