Helm Experten empfehlen Kopfschutz beim Radeln

Kreis Göppingen / KATHARINA DEGENFELD 10.03.2014
Das schöne Wetter lockt schon wieder viele Radler an die frische Luft. Die alte Frage bleibt: mit Helm oder ohne? Wir haben uns bei Experten umgehört: Sie befürworten das Tragen eines Helms.

Spätestens seit dem frühlingshaften Wochenende ist die Fahrradsaison 2014 eröffnet. Am Samstag und gestern traten die "Sattelfesten" bereits wieder kräftig in die Pedale. Und während für den "Drahtesel", der heute weniger aus Eisen, sondern teilweise aus teuren Leichtmetallen oder Karbon besteht, sehr viel Geld ausgegeben wird, halten sich die Investitionen bei der Sicherheit bisweilen in Grenzen, obgleich sie finanziell betrachtet, kaum noch ins Budget schlagen. Was oft auffällt: Während Kinder einen Helm tragen, fahren Erwachsene häufig ohne. Das gute Vorbild fehlt.

Der Ansprechpartner des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) für Geislingen, Uli Essig, findet, was Kinder angehe, liege die Verantwortung bei den Eltern. Selbstverständlich sollten alle Radler, auch erwachsene, einen Helm tragen. Eine gesetzliche Regelung ginge ihm aber zu weit. Essig meint: "Das schränkt den Radfahrer zu sehr ein." Jeder sei für sich selbst verantwortlich, unterstreicht er.

Helmpflicht müsste kontrolliert werden

Beim ADFC vertritt man die Position, dass eine Helmpflicht weder durchzusetzen noch zu kontrollieren wäre. Der Verband befürchtet, dass Fahrradfahrer vermehrt aufs Auto umsteigen würden.

Anders sieht das Thomas Kienle von der Radsportgruppe des Turnvereins Altenstadt (TVA), der selbst nur mit Helm fährt. Bei Vereinsausfahrten sei das Helmfahren strikte Pflicht. Verweigerer - das habe es auch schon gegeben - müssen daheim bleiben. In der Gruppe verlange das Anfahren und Bremsen deutlich mehr Konzentration, die Sturzgefahr sei größer. Beim Stürzen seien Kopf und Schulter die gefährdetsten Körperteile, erklärt Kienle. Zudem bestehe immer das Risiko, als Radfahrer auf der Straße von Autofahrern übersehen zu werden. Eine Helmpflicht würde er befürworten: "Der Helm ist der Mindestschutz." Kienle zieht den Vergleich zur Gurtpflicht: Da hätten sich Autofahrer anfangs auch gesträubt, heute sei sie längst akzeptiert. In gleichem Maße sei die Helmpflicht realisierbar.

Auch der Leiter der Abteilung Radsport des Freien Turn- und Sportvereins (FTSV) Kuchen, Reiner Ernst, tritt für das Helmtragen ein: "Bei uns fährt man immer mit Helm - aus Sicherheitsgründen." Der FTSV Kuchen organisiert heuer zum vierten Mal die Stauferland-Rundfahrt.

An Vernunft appellieren

Verpflichten könne man keinen Radler dazu, aber an die Vernunft appellieren, das sei immer möglich, sagt Ernst. Bei den Vereinsausfahrten trügen 99 Prozent der Teilnehmer einen Helm. Ernst ist davon überzeugt, dass es sich auch bei kurzen Fahrten wie zum Einkaufen lohnt, den Helm aufzusetzen.

Das Tragen eines Fahrradhelms empfiehlt der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) auf seiner Homepage ausdrücklich. Der ADAC spricht sich zwar gegen die Helmpflicht aus, setzt sich aber für weitere Aufklärungsarbeit ein.

Dr. Andreas Schuler, ärztlicher Direktor der Geislinger Helfenstein Klinik, ist überzeugter Helmträger, wenn auch nicht gerne. Er sagt entschieden: "Schönheit und Komfort gehen nach Sicherheit." Anders sei das Radfahren absolut riskant. Ohne Helm seien Verletzungsgefahr und Traumafolgen deutlich höher. Durch seine langjährigen Erfahrungen im Rettungsdienst hat Schuler viele Radfahrunfälle gesehen: Gehirnerschütterungen seien da noch das Harmloseste gewesen. Von Schädelfrakturen bis hin zu Hirnblutungen und ernsthaften Behinderungen gebe es schwere Folgen bei einem Sturz ohne Helm. Die Gewalteinwirkungen auf den Kopf seien einfach viel stärker.

Zwar gebe es beim Fahrradhelm keinen Kinnschutz, und Gesichtsverletzungen könnten auch nicht verhindert werden. Dennoch biete der Helm einen wichtigen Schutz. Andreas Schuler schließt: "Eine gesetzliche Helmpflicht wäre wünschenswert - jedes einzelnen Menschen wegen."

Die Rechtslage
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