Geislingen an der Steige Erster VHS-Computerkurs für Menschen mit und ohne Handicap

JOCHEN WEIS 29.11.2012
Dass Computer für Menschen mit Handicap kein Handicap sind, bewies jüngst ein Einsteigerkurs an der Geislinger VHS. Ebenso, dass sich dieser Kurs bestens gemeinsam mit Nichtbehinderten umsetzen lässt.

Die Premiere ist geglückt: An der Geislinger VHS ging jetzt der erste gemeinsame PC-Einsteigerkurs für behinderte und nichtbehinderte Menschen - ein Gemeinschaftsprojekt mit der Lebenshilfe - zu Ende. Gespräche über eine Fortsetzung der Kooperation laufen, "dabei sind auch Angebote geplant wie eine Führung ins Naturschutzgebiet Rohrachtal", sagt Sabine Wettstein, die zusammen mit Benjamin Decker die VHS leitet.

Die Idee, zusammen etwas auf die Beine zu stellen, hatte Bettina Natto. Die Sozialwirtin ist bei der Lebenshilfe in Geislingen zuständig für die Freizeitangebote im Erwachsenenbereich. Bereits im Frühjahr war sie auf die VHS zugegangen, "allerdings noch ohne konkrete Vorstellungen", wie sie erzählt. Der damalige Leiter Dr. Franz Nuber war sofort begeistert von ihrer Idee, "wir haben dann überlegt, welches Projekt ließe sich gemeinsam für Menschen mit und ohne Handicap umsetzen", sagt Natto.

Schnell kam dann die Sprache auf einen Computer-Kurs. Als seinerzeit noch VHS-Dozent und EDV-Experte Hans-Joachim Pöverlein den beiden über den Weg lief, wurde der gleich als Kursleiter gebucht. "Am Anfang hatte ich noch gesagt, das mache ich nicht, ich habe keine Erfahrung mit Sonderpädagogik", erzählt Pöverlein. Allerdings gelang es Natto schnell, diese Bedenken zu zerstreuen, "zumal ja Mitarbeiter von uns als Betreuer beim Kurs dabei sein sollten".

Die besondere Herausforderung war nun, ein Konzept zu entwickeln, das keinen der Teilnehmer überfordert. "Maßgabe war: Es gibt kein Leistungsziel, es geht nur darum, dass alle dabei bleiben", erzählt Natto, "wir mussten also eine Mischung finden zwischen Lerninhalten und dem, was die Leute begeistert". Am Ende stand ein Kurs über insgesamt vier Tage mit je zwei Unterrichtsstunden, "Bedingung für die Teilnehmer aus unseren Werkstätten war, dass sie lesen und schreiben können", erläutert Natto.

"Uns war es wichtig, den Leuten die Scheu vor dem Computer zu nehmen", ergänzt Pöverlein, "sie sollten einfach erste Gehversuche am PC machen, einfach mal den Rechner hochfahren und schauen, was sich damit so anstellen lässt: Spiele, Programme anwenden, im Internet surfen, Mails schreiben und so weiter". Insgesamt zehn Teilnehmer meldeten sich schließlich an, sieben Behinderte aus den drei Lebenshilfe-Werkstätten in Geislingen und Eschenbach sowie drei Nichtbehinderte. Letztere waren vor allem von der "intensiven Betreuung begeistert", wie Wettstein berichtet, "der große Vorteil von solchen gemeinsamen Kursen ist, dass niemand Angst davor haben muss, sich als Anfänger zu blamieren, wenn er oder sie etwas nicht sofort hinbekommt. Es fällt das unangenehme Gefühl weg, dass alle auf einen starren".

Auch Pöverlein möchte die Erfahrung nicht missen, die er auf einem für ihn bislang unbekannten Terrain gemacht hat: "Es war unglaublich, mit welcher Begeisterung und Motivation alle dabei waren, das erlebt man in anderen Kursen nicht." Selbst vor dem Umgang mit dem Textverarbeitungsprogramm Word ("Das ist schon anspruchvoller") scheuten sich die Teilnehmer nicht. Pöverlein: "Wir haben das auf spielerische Weise gemacht, etwa in Textvorlagen Passagen in unterschiedlichen Farben markiert oder die Schriftgrößen verändert. Gerade visuelle Reize spielen bei Behinderten eine große Rolle."

Keine Frage also für ihn, dass es eine Neuauflage dieses Kurses geben muss, "beim nächsten Mal werden wir aber darauf achten, dass wir weniger Lehrinhalte reinpacken, dafür mehr Praxis", sagt Pöverlein, "die Leute wollen nicht etwas lernen, indem sie zuhören, sie wollen etwas lernen, indem sie es ganz einfach tun. Und das haben sie wirklich hervorragend gemacht".

Info Wer sich für die Arbeit der Lebenshilfe im Landkreis Göppingen interessiert, kann sich im Internet unter www.lh-goeppingen.de informieren.