Das Festzelt im Freilichtmuseum in Beuren ist am Dienstagnachmittag voll gefüllt: Etwa 130 geladene Gäste, darunter einige aus Geislingen, sind zur Eröffnung des 25. Gebäudes im Museumsdorf, des Geislinger Gartensaals, gekommen. „Ihr glaubat ja gar et, wie viel Leit middags om viere nix mehr zom doa hen“, wundert sich Sonja Faber-Schrecklein vom SWR-Fernsehen, die die Feier launig moderiert, mit Blick auf die Zuhörerreihen. Der Esslinger Landrat Heinz Eininger verteidigt sogleich den Zeitpunkt der Eröffnungsfeier: „Normalerweise machen wir das samstags. Aber wir haben ein volles Programm, mit dem wir bis Sonntag durchkommen müssen.“

Mit dem vollen Programm meint Eininger die Aktionen zur Eröffnungswoche, die sich unter anderem regionalen Gemüse- und Obstsorten sowie dem Wirtshausleben der 1950er-Jahre widmen. Und genau darum geht es in der neuen alten Errungenschaft des Freilichtmuseums: Der Gartensaal des früheren Geislinger Restaurants „Wilhelmshöhe“, der originalgetreu wieder aufgebaut wurde und der im Zustand der 1950er-Jahre gezeigt wird, ist Mittelpunkt eines Erlebnis-Genuss-Zentrums für regionale Kulturpflanzen.

Zu sehen ist in dem historischen Gebäude eine Dauerausstellung zum Schwerpunktthema „Alte regionale Sorten“. In einer modernen Genuss- und Schauküche wird gekocht und probiert; auch Kochkurse und Schulungen sind geplant. Im Foyer erhalten die Besucher Einblicke in die Geschichte des Gebäudes und im früheren Büfettraum in die schwäbische Gaststättenkultur. Wobei Letzterer mit einer interaktiven, multimedialen Inszenierung aufwartet: Stellt man auf dem Tresen eines der bereitgestellten Gläser in einen Kreis, flimmern unterschiedliche Kurzfilme – zum Beispiel zu den Themen Stammtische, Geselligkeit und Ausflugslokale – über gleich mehrere Bildschirme.

Insgesamt ist die Ausstellung im mehr als 240 Quadratmeter großen Gartensaal, der 1893 von Johannes Hafner auf einer Streuobstwiese mit Blick auf die Fünftälerstadt und die WMF erbaut worden war, luftig gestaltet. Der Koch- und Essbereich mit Sitzgelegenheiten nimmt den hinteren Bereich in Anspruch. Vorne im Foyer kann sich der Besucher Geschichten und Musik zur Wilhelmshöhe anhören, einen Original-Radioschrank entdecken oder einen Auszug einer Speisekarte aus den 50er-Jahren lesen (ein „Tellerschnitzel mit P. Frites“ kostete damals gerade mal 2,90 Mark).

Feiern für bis zu 300 Menschen im Gartensaal

Viele Schwarz-Weiß-Fotografien zeugen von der spannenden Geschichte des Gartensaals: Hier fanden einst bis zu 300 Personen Platz und feierten rauschende Hochzeitsfeste und Silvesterbälle; im zugehörigen Biergarten genossen die Gäste den Ausblick, während sich andere auf den „vollautomatischen Kegelbahnen“ verausgabten. In der Ausstellung lassen sich auch ­Schubladen aufziehen, die viele Exponate und Anekdoten der vergangenen Jahrzehnte preisgeben – zum Beispiel ein Schreiben einer Geislinger Elterninitiative, die in den Gartensaal einlud, um über die Frage zu diskutieren: „Sollen Dreijährige in den Kindergarten?“

Alblinsen und viele weitere alte Pflanzen

Dass alte Obst-, Gemüse- und Getreidesorten Geschichten erzählen, erfahren die Besucher in der Mitte des Gartensaals: Dort sind unter anderem Alblinsen und Körner des Schwäbischen Dickkopflandweizens ausgestellt, genauso wie in Weckgläser eingekochtes Filderspitzkraut sowie eingemachte Ermstäler Knorpelkirschen, Langenauer Stangenbohnen, Luiken-Äpfel, Stuttgarter Geißhirtle und Schwarzer Winterrettich. Es wird erklärt, wie eine Sorte entsteht, warum alte Sorten vom Aussterben bedroht sind und weshalb die Sortenvielfalt wichtig für unsere Zukunft ist. Auch „Gemüse im Märchen“ können sich die Besucher anhören, etwa das Märchen „Die Rübe“ der Gebrüder Grimm.

Um all dies zu inspizieren, machen sich die geladenen Gäste vom Festzelt auf den Weg in Richtung Gartensaal. Dort können sie außerdem in der Schauküche Köchen über die Schulter schauen und Musmehlküchle mit Kichererbsen und gebeizter Forelle kosten. Nach einem Gläschen Prisecco geht’s dann wieder zurück ins Festzelt, wo ein Menü mit schwäbischen Spezialitäten aus regionalen Sorten auf sie wartet.

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Geislingen

Das Eröffnungsprogramm


Donnerstag, 19. September, ab 14 Uhr:
Regionale Obstsorten mit Tradition

Freitag, 20. September, ab 14 Uhr:
Wirtshausleben mit Programm rund um die 1950er-Jahre, abends Wirtshausabend mit Rock ’n‘ Roll

Samstag, 21. September, ab 11 Uhr:
Thementag Stadt Geislingen und Partner des Erlebnis-Genuss-Zentrums, unter anderem mit Bierverkostung der Kaiser-Brauerei sowie mit Auftritten des Salonika-Ensembles der Geislinger Musikschule und der Showtanzgruppe des Turnvereins Eybach

Sonntag, 22. September, ab 11 Uhr:
14. Markt der Arche des Geschmacks

Weitere Infos gibt es auf www.erlebnis-genuss-zentrum.de