Geislingen Neue Gedenktafeln werden enthüllt

Bereits am 8. Mai 2015, dem 70. Jahrestag zum Kriegsende von 1945, gab’s eine große Veranstaltung in Geislingen. Ein Schweigemarsch endete vor den Werkstoren der WMF.  Dort versammelten sich die Menschen (unser Bild).  
Bereits am 8. Mai 2015, dem 70. Jahrestag zum Kriegsende von 1945, gab’s eine große Veranstaltung in Geislingen. Ein Schweigemarsch endete vor den Werkstoren der WMF.  Dort versammelten sich die Menschen (unser Bild).   © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Michael Rahnefeld 10.04.2018
Am Sonntag, dem 29. April, werden in Geislingen zwei Gedenktafeln vor dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers  enthüllt.

Bereits am 8. Mai 2015, exakt 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs,    gab es eine große Gedenkveranstaltung in Geislingen. In diesem Jahr wird es erneut solch eine  Veranstaltung geben, nämlich am Sonntag, dem 29. April. Vor genau 73 Jahren wurden 800 Frauen des KZ-Außenlagers Geislingen von den Amerikanern befreit. Sie waren in einem Güterzug zum Dachauer Außenlager Allach unterwegs, wo sie ermordet werden sollten. Der Zug erreichte allerdings wegen unterbrochener Gleisverbindung sein Ziel nicht und blieb in der Nähe des Starnberger Sees stecken. Dort hatte das Martyrium der Frauen schließlich ein Ende.

Im Kommunikationszentrum der WMF soll am 29. April diesem schlimmsten Abschnitt in der deutschen, aber auch in der Geislinger Stadtgeschichte gedacht werden.

Einer der Initiatoren ist erneut Pastor Matthias Lotz von den Baptisten. Er hatte schon vor drei Jahren an der Spitze der Evangelischen Allianz in Geislingen den großen Schweigemarsch und die Gedenkveranstaltung in der Jahnhalle mitorganisiert und moderiert:

„Wir haben bewusst wieder als besonderen Tag den 29. April gewählt“, sagt Lotz. Denn es bleibt natürlich nicht nur bei dem Gedenktreffen in den Räumen der WMF. Vielmehr wird es anschließend einen gemeinsamen Gang zum Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers geben. Treffpunkt dazu ist der Parkplatz der WMF am genannten Sonntag um 15 Uhr.

Am Gelände des ehemaligen Außenlagers, am Radweg an der Heidenheimer Straße hinter der Firma Odelo, sollen gegen 16 Uhr zwei Gedenktafeln enthüllt werden. „Es wird auch ein Stück Zaun des Lagers an dieser künftigen Gedenkstätte rekonstruiert“ verrät der Baptisten-Pastor. Dazu wurden extra aus den 1940er-Jahren stammende Betonpfosten von der Alb beschafft. Zudem werden die typischen Holzschuhe, die diese Zwangsarbeiterinnen tragen mussten, als Guss-Skulpturen an diese schreckliche Zeit erinnern. Matthias Lotz dankt in diesem Zusammenhang besonders Stadtarchivar Hartmut Gruber und den Heidelbergern, in deren Gießerei die Skulpturen entstanden sind.

Wer noch mehr wissen will, kann am Mittwoch einen Blick in das E-Paper oder in die gedruckte Ausgabe unserer Zeitung werfen. Dort gibt es einen Vorbericht und einen Kommentar.

Zwangsarbeit in Geislingen – Gedenken an die Opfer

 Ab dem Jahr 1941 wurden in Geislingen über 2000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, vorwiegend aus Osteuropa, eingesetzt. Die meisten von ihnen arbeiteten bei der WMF in Geislingen, viele aber auch in mittelständischen Unternehmen, Kleinbetrieben und in der Landwirtschaft. Nachdem die Zvvangsarbeiter anfangs in verschiedenen Unterkünften auf die ganze Stadt verteilt waren, wurde 1943/44 ein Barackenlager im Seebach an der Heidenheimer Straße gebaut. Von 83 Zwangsarbeiterinnen ist bekannt, dass sie in Geislingen ums Leben gekommen sind.

Ab dem Jahr 1980 wurde die Geschichte der KZ-Außenstelle von einem kleinen Kreis lokalgeschichtlich interessierter aufgearbeitet und die Forderung zur Errichtung eines Mahnmals erhoben, das nach heftigen Kontroversen 1984 auf dem Friedhof Heiligenäcker errichtet wurde.