Geislingen Erhitzte Gemüter beim B10-Infoabend

Seit Jahren quält sich der Verkehr durch Geislingen, was Autofahrer und Anwohner der Bundesstraße belastet. Abhilfe soll die neue B 10 bringen. Dass es bis dahin noch einige Hürden und auch einige Verlierer geben wird, ist klarer denn je.
Seit Jahren quält sich der Verkehr durch Geislingen, was Autofahrer und Anwohner der Bundesstraße belastet. Abhilfe soll die neue B 10 bringen. Dass es bis dahin noch einige Hürden und auch einige Verlierer geben wird, ist klarer denn je. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Angelina Neuwirth 20.06.2018
Eines Tages soll eine Umgehungsstraße den Verkehr der Bundesstraße an Geislingen vorbeileiten.

Bei der Informationsveranstaltung „Wie geht’s weiter mit der B 10?“ vergangenen Montag im Kapellmühlsaal der MAG war die Stimmung geladen. Der Andrang seitens der Bürger war so groß, dass viele von ihnen stehen mussten. Vor allem Bewohner der Gassenäckerstraße waren zahlreich erschienen, die vom Bau der Tunnels Altenstadt am Oberböhringer Berg betroffen sein werden.

Nach Grußworten der Landtagsabgeordneten Nicole Razavi, die auch den Abgeordneten Hermann Färber entschuldigte, Oberbürgermeister Frank Dehmer und Landrat Edgar Wolff, brachte Andreas Hollatz, Abteilungsdirektor im Regierungspräsidium Stuttgart, die Bürger mit einer ausführlichen Präsentation auf den neuesten Stand.

Bei der Fragerunde im Publikum herrschte reges Interesse. Peter Maichle lobte die Nähe Hollatz‘ zu den Bürgern, aber auch zur Bürgerinitiative „B 10 neu“, deren Vorsitzender Maichle seit einigen Jahren ist. Er stellte die Fragen danach, ob die Trasse am Oberböhringer Berg tatsächlich nahe den Häusern verlaufen soll, und wieso die B 466 bei den Y-Häusern später einmal über die noch zu bauende B 10 führen soll. Auf die zweite Frage erklärte Hollatz, dass sich die Straße mit stärkerem Verkehrsfluss unten befinden wird, um die Bewohner der Y-Häuser vor dem Lärm der Fahrzeuge zu schützen.

Zum Thema Tunnel Altenstadt am Oberböhringer Berg erwiderte er, die Pläne seien immer so gewesen, dass die Straße nah am Wohngebiet verläuft, und es gebe keine andere Möglichkeit dies zu ändern. Das sorgte für Unmut im Saal, vor allem unter den Bewohnern der Gassenäckerstraße. Dort kamen die Fragen auf, wie weit denn die Straße von den Häusern entfernt sein werde. Am engsten Punkt würde der Abstand zwischen Straße und Häusern 25 Meter betragen, rechnete Hollatz vor, betonte aber, dass die Anwohner „optimal vor Lärm geschützt“ würden, da sich ihre Häuser niedriger befinden als der Trassenverlauf sein soll und ein Lärmschutzwall angebaut würde. „Das hat den Namen Umgehungsstraße nicht verdient“, klagte Jürgen Meyer, der in der Gassenäckerstraße wohnt. „Nicht nur in diesem Bereich verläuft die Planung so nah an den Häusern. Auch im Seetalbach in Kuchen und bei den Y-Häusern wird es das Problem geben. Wenn ich eine zusätzliche Belastung schaffe, kann man das doch nicht Umgehungsstraße nennen!“

Auch die Fragen, ob es eine Geschwindigkeitsbegrenzung geben wird, und ob es nicht eine billigere Alternative zu den jetzigen Tunnelplänen gegeben hätte, kamen auf. Hollatz erklärte: „Ich habe nie verschwiegen, dass es auch schwierige Punkte gibt. Hier geht es darum, wie vielen Leuten geholfen wird und wie viele Leute im Rahmen des Gesetzes und zumutbar beeinträchtigt werden. Viele Bürger, die an einer Ortsdurchfahrt wohnen, werden davon profitieren, und auch die Schadstoffbelastung geht runter.“

Nur 80 km/h am Wohngebiet?

Zum Thema Geschwindigkeitsbegrenzung sagte er, dass er von einem Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde ausgehe, aber auch eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h durch die Nähe zum Wohngebiet möglich sei.

Weitere Anwohner der Gassenäckerstraße bemängelten, dass in der ursprünglichen Planung die Straße dem Wohngebiet nicht so nah kam. „Wichtig ist doch für Sie, ob Sie Lärm abbekommen oder nicht. Natürlich hören Sie einen Grundton, das will ich gar nicht verschweigen, aber dadurch, dass Sie unterhalb der Trasse wohnen, ist die Lärmbelastung nicht hoch“, sagte Hollatz.

Ein Meter kostet 40 000 Euro

„Wieso wird die Grünbrücke an der Oberböhringer Straße nicht um 200 Meter verlängert?“, wollte ein Besucher wissen. „Das wird der Bund nie verlängern, ein Meter kostet schon 40 000 Euro, wir wären bei 25 bis 30 Millionen mehr“, wiegelte Hollatz ab. Die Bewohner der Gassenäckerstraße hätten alle gewusst, dass die B 10 einmal an ihrem Wohnort vorbeilaufen wird, sagte er. Bei dem Infoabend wurde deutlich, dass die Bürger sich die größten Sorgen um den Tunnel Altenstadt am Oberböhringer Berg machen.

Ein weiterer wunder Punkt ist die Stelle, an der die B 10 unterhalb der B 466 verlaufen soll. In diesem Bereich schlägt ein Bürger einen Kreisverkehr vor: „Die Lkw müssten dort abbremsen, in den Kreisverkehr einfahren und dann zum Schildwachttunnel wieder den Berg hochfahren. Das würde zu einer hohen Lärm- und Schadstoffbelastung führen“, verdeutlicht Hollatz. Das Ziel der Anschlussstelle bei den Y-Häusern sei außerdem, Geislingen zu entlasten. „Verkehrsteilnehmer, von Bad Überkingen herkommend, wollen auf dem Weg nach Ulm auch nicht immer durch Geislingen fahren müssen. Damit fällt das Stauloch am Sternplatz weg“, erklärte der Abteilungsdirektor des Regierungspräsidiums.

„Ich verstehe die Sorgen der Leute aus den Gassenäckern. In Eislingen gibt es eine ähnliche Situation, wo auch die Häuser sehr nahe an der B 10 liegen, vielleicht sollten die Menschen sich dort mal umhören, wie sich die Lärmbelastung auswirkt“, schlägt ein weiterer Besucher vor. Aus dem Publikum kam ebenfalls die Frage auf, wie die Verkehrsführung aussehen würde, wenn der Verkehr bei den Y-Häusern ankommt und der Schildwachttunnel noch nicht für den Verkehr freigegeben ist. „Es müssen noch Lösungen gefunden werden; der Verkehr in Geislingen-West wird rausgenommen und vielleicht durch die Ortsdurchfahrt geführt, bis der Tunnel fertig ist. Wer aber nach Bad Überkingen will, fährt dann über die B 10 bis zur B 466“, überlegte Hollatz einen möglichen Lösungsansatz.

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