Film Erfrischende Schwaben-Komödie

Geislingen / Sabine Graser-Kühnle 02.01.2018
Zwei fast proppenvolle Kinosäle hat der Kinostart von „Do goht dr Doig“ dem Gloria-Kino beschert.

Während es für das Kinopublikum  mit schwäbischem Kleingebäck und Sekt, vor Filmbeginn gereicht von der Bäckerei Gansloser, ums pure Vergnügen ging, harren der Regisseur des Streifens, Michael Rösel, und Ulrike Barthruff, eine der Hauptdarstellerinnen, im Hintergrund aufgeregt auf die Reaktionen der Zuschauer.

Im Foyer blubbert am Freitag noch der Sauerteig der Geislinger Traditionsbäckerei in einer großen Teigschüssel vor sich hin, auf der Leinwand geht es dagegen schon zur Sache. Die schwäbische Komödie beginnt mit einer heißen Verfolgungsjagd. Dem rasanten Auftakt folgt ein vor Häme, Bedrücktheit und Zorn triefender Disput zwischen dem traditionellen Handwerksbäcker Laible, seinem Sohn, der die Bäckerei übernommen hatte, und dem, der den Familienbetrieb nun aufgekauft hat: Unternehmer Manfred Frisch. Das rasante Anfangstempo wird heruntergebremst, die Dinge nehmen nun, meist ganz nach dem Motto „no ned hudla“, gemächlich ihren Lauf, allerdings mit manch überraschender Wendung.

Die Handlung ist rasch erzählt: Der egozentrische Frisch will die Bäckerei erweitern und Arbeitsplätze im Dorf schaffen. Dazu bedient er sich der Einflussreichen im Ort und nutzt die Vetterleswirtschaft rücksichtslos für seine Zwecke. Nur der alte Bäcker Laible protestiert lautstark. Doch der junge Laible macht die Rechnung ohne den Vater und seine Ex. Die will den Betrieb zusammen mit drei Investoren übernehmen. Ein Plan muss her – auch, um dem Vater zu imponieren. Und so werden aus Feinden, na ja, nicht gleich Freunde, aber zumindest zieht man am gleichen Strang: Marga Laible die Bäckersfrau, der Schultes und die Dorffriseuse  machen mit Frisch gemeinsame Sache. Jetzt nimmt der Film  wieder kräftig Fahrt auf.

„Do goht dr Doig“ lebt von seiner herrlichen Situationskomik und dem spritzigen Dialogwitz, der freilich oft dem schwäbischen Dialekt geschuldet ist. Wohltuend authentisch ist der Dialekt, ein Anspruch der Schwaben unter der Schauspielcrew, wie Regisseur Michael Rösel hinterher sagt. Mit Winfried Wagner, Trudel Wulle, Walter Schultheiß und Ulrike Barthruff wartet der Film zudem mit Publikumslieblingen im Schwabenland auf, die einen Ruf zu verteidigen haben. Da wäre angestrengt nachgemachter, auch für Nichtschwaben klar verständlicher Dialekt fehl am Platz, sagt später Barthruff.

Michael Rösel und Ulrike Barthruff erleben am Freitag ein dankbares Publikum, das längst nicht nur bei den Pointen lacht, sondern sich an den spielfreudigen und gut aufeinander eingespielten Darstellern und Szenen ergötzt, die an den heimischen Backofen oder Dorfalltag erinnern. Herzliche Lacher findet etwa die Szene, als der großindus­trielle Bäcker Manfred Frisch (Simon Licht), der „Doig-Aff“, der von Backen keine Ahnung hat, sich von seinem Konkurrenten Laible (Winfried Wagner) in die Kunst des Brotbackens einweisen lässt.

Prasselnder Applaus am Ende des Films und zwei stolze Akteure vor dem Kinopublikum. „Wenn die Kinos immer so voll sind, wie heute, kann uns nichts passieren“, resümierte Ulrike Barthruff. Sie und Michael Rösel stellten sich den Fragen der Zuschauer. Und die erfahren etwa, dass der Produzent Frieder Scheiffele bei Bad Urach lebt, weshalb die Altstadt dort zum Drehort gewählt wurde. Hautnahen Kontakt zu den beiden Promis gibt es dann beim Verlassen des Kinos, wo Ulrike Barthruff von Autogrammjägern umringt ist.

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