Kommentar Entschuldigungs-Gutscheine sind albern: Ein Kommentar zur Bahn

Kathrin Bulling
Kathrin Bulling © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Kathrin Bulling 23.03.2017

Liebe Deutsche Bahn. Ich bin ein umweltbewusster Mensch, daher würde ich gerne regelmäßig auf mein Auto verzichten und stattdessen lieber mit dem Zug fahren. Was gestern Morgen passiert ist, hat mich jedoch erneut darin bestätigt, dass ich das besser sein lasse.

Gestern bin ich mal wieder mit dem Zug zur Arbeit gefahren. Der erste Termin des Tages stand um 9 Uhr in Eybach an. Wunderbar, dachte ich mir, da nehme ich den Zug um 8.12 Uhr in Salach, der um 8.28 Uhr in Geislingen ankommt – das reicht locker. Hätte es auch. Wäre es nicht schon mit einer zehnminütigen Verspätung losgegangen. Okay, das kann mal vorkommen, wir wollen nicht gleich schimpfen. Zwar wurden aus den zehn Minuten 14, aber zu diesem Zeitpunkt war ich noch wohlgemut. Das reicht schon noch.

Bis in Süßen die Stimme des Zugführers ertönte, dass wir aufgrund der Verspätungen überholt werden müssten, was 15 Minuten obendrauf bedeute. Und so saßen ich und meine Mitreisenden am ­Süßener Bahnhof, diverse Züge sausten an uns vorbei, und wir fuhren weiter – um 8.40 Uhr. Um 8.55 Uhr rollten wir schließlich in den Geislinger Bahnhof ein.

Mein Ärger mag manchem kleinlich erscheinen. Familienmitglieder und Freunde, die ­regelmäßig mit der Bahn fahren (müssen) und wöchentlich – und fast schon stoisch – von Zugausfällen, Verspätungen, Überholungen und übervollen Zügen erzählen, schmunzelten gestern bei meiner Schilderung auch ein bisschen. Ich halte eine 27-minütige Verspätung bei einer regulären Fahrtdauer von 16 Minuten aber schon für ziemlich sportlich. Und noch mehr ärgert mich, wenn ich auf https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/puenktlichkeit_personenverkehr.shtml lese, dass die Bahn Verspätungen bis zu 15 Minuten immer noch unter „Pünktlich“ einordnet. Eine Frechheit.

Tatsächlich geht es mir bei fast jeder Zugfahrt so: Verspätung, Überholung, Anschlusszug weg. Mir reicht es vollauf – mit dem Zug fahre ich nur noch, wenn es unbedingt sein muss.

Dass Sie, liebe Bahn, heute Entschuldigungs-Gutscheine verteilen, finde ich übrigens ziemlich albern. Und Bahnpendler, die Tausende von Euros im Jahr für ihr Ticket ausgeben, ­sehen das  sicher ähnlich. Bringen Sie stattdessen endlich Ihre Fahrpläne auf Vordermann und hören Sie damit auf, Ihre ­Kunden zu veräppeln.

Übrigens: Zu meinem Termin habe ich es natürlich nicht mehr rechtzeitig geschafft.

Danke, ­liebe Bahn!

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