Geislingen an der Steige Eleganz und feiner Humor

Mit dem Kammerorchester "I Virtuosi di Paganini" zu Gast in Geislingen: Der virtuose Geiger Ingolf Turban (Bildmitte).
Mit dem Kammerorchester "I Virtuosi di Paganini" zu Gast in Geislingen: Der virtuose Geiger Ingolf Turban (Bildmitte). © Foto: Rainer Lauschke
ULRICH KERNEN 23.04.2016
"I Virtuosi di Paganini" - so nennt Ingolf Turban, einer der führenden Geigenprofessoren in Deutschland, sein kleines Kammerorchester, mit dem er am Donnerstag in Geislingen gastierte.

Hinter fast allen von "I Virtuosi di Paganini" am Donnerstag im Kommunikationszentrum der WMF aufgeführten Werken stand der große Schatten Paganinis, der im 19. Jahrhundert mit seiner unerhört virtuosen Leichtigkeit zum Inbegriff des "Teufelsgeigers" wurde. In ihnen sollte natürlich die spieltechnische "Zauberei" des Solisten bestaunt werden.

Ingolf Turban wurde diesem gewaltigen Anspruch souverän gerecht. Sein Anspruch ging aber weiter: Er veredelte den mitunter recht schlichten musikalischen Gehalt dieser Bravourstücke durch Eleganz und feinen Humor, dem jegliche Verbissenheit angesichts der aberwitzigen Schwierigkeiten fremd war. Er verfügt über einen blühenden, feinsinnig-variablen Ton und eine breite Palette an Artikulationsvarianten. Dabei wagte er immer wieder, in den "ewigen Schnee" heikelster Anforderung vorzustoßen.

In "I Palpiti" von Paganini sind Variationen die Form, in denen das Können des Solisten nacheinander abgerufen wird. "La Ronda de Lutins" (Gnomenreigen) von Antonio Bazzini war ein "Fünf-Minuten-Sektkorkenstück", wie Turban in seiner launigen Einführung angekündigt hatte. Die "Caprice de concert" Opus 9 von Henry Vieuxtemps entpuppte sich als ein "Paganini im Westentaschenformat", eine köstliche Parodie, sehr delikat dem staunenden Publikum präsentiert. Alle diese drei Solostücke waren Arrangements (Holger S.-L. Frey) wohl von Versionen für Klavier und Solovioline. Der Orchesterpart musste sich dann allerdings auf Harmoniewechsel und Rhythmusfiguren beschränken, eine alles in allem recht entsagungsvolle Aufgabe; denn das eigentliche Geschehen spielte sich anderswo ab. Die "Virtuosi di Paganini" taten dies ohne Fehl und Tadel, konnten aber "eigenen Klang" und einen "gefestigten klanglichen Charakter" , wie im Programmblatt angekündigt, nicht beweisen: Das wünscht man sich noch!

Zwei Werke ragten heraus: Zum einen das Konzert für Violoncello a-moll von Robert Schumann in einer Fassung für Streichorchester. Diese Reduktion machte das Werk intimer und ersparte es dem Solocello, sich gegen ein großes Orchester behaupten zu müssen, was immer mit Verlusten verbunden ist.

Die ausgezeichnete Solistin Raphaela Gromes genoss diesen Vorteil und mischte ein durch alle Register gehendes Cantabile hinzu. Das federte zwar manche der für Schumann typischen Skurrilitäten ab, ließ aber in Duos mit dem Orchester und der ersten Geige herrliches Dolcissime aufleuchten. Nur an wenigen Stellen erschien der Orchesterpart zu dünn, wenn man die Bläser dann doch vermisste. Das abschließende "Duo brillant" von Vieuxtemps verband die beiden Solisten zu doppelter Virtuosität, Gesanglichkeit und Grazie: Ein gesteigerter Genuss, bei dem man nirgends das Gefühl hatte, dass es sich auch um ein "schweres" Stück handelte. Das schaffen nur Könner!