In Martin Huebers Hinterkopf hockt schon seit geraumer Zeit ein gewisser Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 bis 1791) drin. „Ich finde, man geht hier in Geislingen nicht gut mit ihm um“, sagt er. Viel zu oft steht bei Schubart-Darstellungen die Tatsache im Vordergrund, dass dieser dem Wein und den Frauen nicht abhold war. Er selbst sieht Schubart, den seine ersten Berufsjahre als Schulmeister, Musikdirektor und Organist zwischen 1763 und 1769 nach Geislingen verschlugen, als eine Art Multitalent, war er doch auch noch Komponist, Pianist und Poet, einer der ersten politischen Journalisten in Deutschland und Musikpublizist und schließlich Direktor der Hofmusik in Stuttgart.

Der Wahl-Geislinger Hueber hat in der Vergangenheit immer wieder seine Kontakte spielen lassen, die er als Profimusiker geknüpft hat, und interessante ­Menschen nach Geislingen geholt. Für eine Schubart-Veranstaltung schwebte ihm auch etwas ganz Besonderes vor. Schließlich hatte er auf der Musikhochschule in Stuttgart Frieder Reininghaus kennengelernt, aus dem ein internationaler Kulturkorrespondent, Musikkritiker und Buchautor geworden ist. Unter anderem hatte dieser für den SWR2 einige „Musikstunden“ zu Schubart gemacht. Hueber konnte seinen alten Bekannten davon überzeugen, zu einem Vortrag nach Geislingen zu kommen und holte noch einen gemeinsamen Freund ins Boot: Jan Herrmann, ausgebildeter Opernsänger. Die drei hatten in den späten 1970er-Jahren eine Schallplatte aufgenommen: „Unterwegs“ – Reise-Lieder und Eisenbahnstücke aus der Zeit 1830–1849.

Reininghaus hat sich in der Zwischenzeit nochmal „aktuell sachkundig“ gemacht, wie er es ausdrückt. Denn in den vergangenen Jahren sei viel über Schubart geforscht worden. Er wird Herrmann auch selbst auf einem elektrischen Klavier begleiten. Vor allem soll es in der Veranstaltung zur „Ehrenrettung für einen Außenseiter“ um den Autor von Liedern gegen das Söldnerwesen und für die Freiheit gehen.

Die Veranstaltung, die – als vierte im Bunde – Geislingens Stadtarchivar Hartmut Gruber eröffnen wird, ist als erste Veranstaltung von Huebers Kultur-im-Gewölbe-Reihe geplant worden. Es wird nun auch die Erste sein, die nicht mehr im Gewölbe stattfindet. Passenderweise läuft in der Galerie im Alten Bau noch die Weihnachtsausstellung des Kunst- und Geschichtsvereins, die sich diesmal Schubart widmet. So werden sich Reininghaus und Hermann in einer anregenden Atmosphäe wiederfinden.

Frieder Reininghaus macht neugierig auf „seinen“ Schubart, indem er feststellt: „Je länger ich mich mit ihr beschäftigt habe, desto faszinierender finde ich diese Figur.“ Es sei ihm wichtig, sich an solche „Leuchttürme“ zu erinnern, und er verspricht, dass sein Vortrag durchaus unterhaltsam sein wird.

Info Die Veranstaltung „Ehrenrettung für einen Außenseiter“ findet am Freitag, 25. Januar, in der Galerie im Alten Bau in Geislingen statt. Beginn 20 Uhr. Karten gibt es nur an der Abendkasse.

Gründung der Schubart-Gesellschaft in Aalen


Eine Tagung in Aalen, wo Schubart als Sohn eines Pfarrvikars und Lehrers aufwuchs, beschäftigt sich am 22. und 23. Februar mit „C.F.D. Schubart und die Französische Revolution“.

Diese Veranstaltung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Stuttgarter Universität, Institut für Literaturwissenschaft, und der Stadt Aalen. Schubart und sein Werk wird in Vorträgen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven betrachtet werden. So soll unter anderem Schubarts Platz in der Literaturgeschichte neu bewertet werden.

Im Jahr von Schubarts 280. Geburtstag soll am Freitag, 22. Februar, im Rahmen der Tagung im Rathaus Aalen die Schubart-Gesellschaft gegründet werden. Der Festakt beginnt um 20 Uhr.