Passion Eindrückliche Konzert-Erlebnisse

Geislingen / Ulrich Schlecht 03.04.2018

Obwohl keine der großen Passionen aufgeführt wurde, kam am Karfreitag eine stattliche Zahl von Besuchern in den Chorraum der Geislinger Stadtkirche, um eine Passionsmusik der eher leisen Töne zu erleben. Durch ihr außerordentliches Können sorgten die drei Ausführenden, Sopranistin Monika Mauch, Lautenist Hugh Sandilands und Thomas Rapp an der Orgel, für ein intensives Einfühlen in die Themen Angst, Schuld, Klage, Mitleid, Trost.

Exemplarisch hierfür wurde bereits der Beginn mit dem Klagelied „Muss der Tod denn nun doch trennen was uns ganz untrennbar scheint?“ von Dietrich Buxtehude. In ruhigem Grundgestus und mit langen Linien, die genügend Zeit zum Mitempfinden ließen, wurde diese „fried- und freudenreiche Hinfahrt“ ge­schildert. Monika Mauch bot ­Legato-Gesang mit großem Atem und sorgte durch sparsam eingesetztes Forte oder Verzierungen für die Hervorhebung von Affekten; Hugh Sandilands mit der ­Barocklaute – mit zweitem Wirbelkasten für profunde Basstöne – und Thomas Rapp an der Truhenorgel begleiteten aufmerksam und vermochten in einem ausgedehnten meditativen Zwischenspiel die Spannung hochzuhalten.

Zu einem eindrücklichen Erlebnis machte die Sopranistin mit ihrer auch im Piano weit tragenden Stimme eine Lamentation zum Gründonnerstag, wozu Johann Rosenmüller „Ich bin ein elender Mann“ aus den Klageliedern des Jeremia vertont hatte. Wunderschön geriet auch die „Canzonetta Spirituale sopra alla nanna“ von Tarquinio Merula. Aus einem Zweiton-Motiv der Laute entwickelte sich mit späterem Hinzutritt der Orgel ein langes komponiertes Crescendo, das ein Wiegenlied zu einer Art Dramolett mit wieder sanft verebbendem Ausgang werden ließ.

Auch solistisch passten sich die Instrumentalisten gut ins Geschehen ein. Hugh Sandilands nutzte das markante Ostinato zur bezwingenden Wiedergabe einer Passacaglia von Johann Hieronymus Kapsberger, Thomas Rapp spielte Buxtehudes Choralpartita „Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not“ und wechselte zur großen Orgel für das Choralvorspiel „O Lamm Gottes unschuldig“ von Johann Sebastian Bach.

Weitere gehaltvolle Vorträge, darunter drei Lieder aus dem Schemelli-Gesangbuch, schlossen sich an, ehe beim Abendhymnus von Henry Purcell „Now that the sun hath veiled his light“ durch eine Chaconne-Grundierung für Beruhigung gesorgt und mit einem Halleluja auf Ostern ausgeblickt wurde. Es brauchte dann lange, bis sich die Zuhörer vom Bann der höchst eindrucksvollen Darbietungen lösen konnten.