Auslandsaufenthalt Ein Tanz vor 500 Chinesen

Annemarie Kurz (Mitte) hat in China viele Rituale gelernt – so auch einen Tanz in der Firma ihres Gastvaters.
Annemarie Kurz (Mitte) hat in China viele Rituale gelernt – so auch einen Tanz in der Firma ihres Gastvaters. © Foto: ak
Geislingen / SWP 08.01.2018
Die künftige GZ-Praktikantin Annemarie Kurz war zwei Monate im Reich der Mitte.

Am Flughafen in Frankfurt bin ich ganz ungerührt aufgebrochen. Erst als ich dann in Shanghai gelandet bin, habe ich gemerkt, was ich gerade mache: Zwei Monate China! Ich konnte kaum ein Wort Chinesisch und was ich über die Schule gehört hatte, hat mich auch ziemlich verunsichert. Aber wie sollte ich auch positiv und ohne Sorgen nach China reisen, wenn einem jeder Bekannte erzählt, wie schrecklich das riesige Land doch sei und die meisten haben meine Entscheidung nicht nachvollzogen.

Als ich dann aber von Shanghai nach Zhengzhou in meine Gastfamilie kam, hat sich alles übers Wochenende geändert. Denn obwohl meine Familie genauso gut Englisch konnte wie ich Chinesisch (so gut wie gar nicht), haben wir doch schnell einen Draht zueinander gefunden. Die Kommunikation haben wir am Anfang dann übers Handy gemacht, aber ich habe mit meinem Gastvater oder meiner Schwester oft gelernt. Davon haben beide Seiten profitiert. Meine Gastfamilie war sehr freundlich und hilfsbereit. Mit meinem „Vater“ habe ich oft Fernsehen geschaut. Auch habe ich ihm „Uno“ und „Mensch ärgere dich nicht“ beigebracht. Mit meiner „Mutter“ war ich gerne einkaufen und mit meinen beiden „Großeltern“ habe ich mich immer beim Essen unterhalten.

Schon nach ein paar Tagen nahm mich mein „Vater“ in seine Firma mit. Dort wird die traditionelle chinesische Kultur hochgehalten und man hat mir gleich einen Tanz beigebracht, welchen ich am nächsten Tag vor 500 Leuten präsentiert habe. Das Lied, auf welches wir getanzt haben, besingt China als große Familie. Ich habe an diesem Tag viel Neues gelernt und gewisse Rituale und Verhaltensweisen besser verstanden.

Was die Schule betrifft, habe ich mir sehr, sehr viele Sorgen gemacht… alle unbegründet! Gleich vom ersten Tag an hat man mich in der Klasse aufgenommen und ich wurde nur so mit Fragen bombardiert.

Die Schule in China hat viele Regeln. Klar, die für Ausländer sind nicht so strikt. Wir durften zum Beispiel unser Handy im Unterricht benutzen, um Wörter nachzuschlagen. Ich habe es aus Solidarität zu meinen Klassenkameraden aber nicht getan und ich glaube, dass sie das ganz gut fanden. Außerdem habe ich auch immer beim Marschieren mitgemacht, weil das dazu gehört. Das gibt der Klasse ein Gefühl von mehr Einheit.

Während ich da war, hatte meine Schule zwei Sporttage. Ich habe an ihnen teilgenommen und fünf Disziplinen gewählt. Dafür hat mich meine Klassenlehrerin zu den besten zwölf Schülern gehängt. Man muss wissen, dass Fotos der zwölf besten Schüler einer jeden Klasse vor dem jeweiligen Klassenzimmer hängen – hier bestätigt sich also ein Vorurteil: Chinesische Schüler stehen unter enormem Leistungsdruck.

Schule von 6.40 bis 19.30 Uhr

 Meine Schultage waren von 6.40 bis 19.30 Uhr. Dabei hatte ich von 7.50 bis 17.55 Uhr Unterricht (natürlich mit Mittagspause). Abends habe ich auf meine Schwester gewartet, um mit ihr nach Hause zu gehen.

 Trotz all den Hausaufgaben und dem Lernen hat mich ein Klassenkamerad nach Deutschunterricht gefragt. Ich habe ihm zugesagt. Mein Gefühl war, dass es sehr schwer sein wird für ihn, aber er hat sich als richtiges Talent herausgestellt und sehr schnell gelernt. Einmal hat er mich vergessen und am nächsten Tag hat er mir dafür eine Strafarbeit abgegeben, die er sich selbst gesetzt hat! Da bin ich ganz schön erschrocken vor dieser Selbstdisziplin.

 Meine Lehrer haben mich alle sehr gemocht, obwohl ich kein Chinesisch gesprochen habe. Meine Klassenlehrerin hat sogar etwas Englisch für mich gelernt, damit sie sich mit mir unterhalten kann. Als ich gefragt habe, wo diese Zuneigung herkomme, hieß es, weil ich mich so gut anpasse. Auch wenn ich mich nicht am Unterricht beteiligen konnte, weil ich nichts verstanden habe, habe ich immer gelernt und mich still verhalten. Diese Anpassung hat sowohl meinen Lehrern als auch meinen Mitschülern imponiert.

 Jetzt ist bestimmt auch noch das Thema Essen interessant. Ein Hinweis: Chinesen essen keine Hunde oder Katzen! Natürlich gibt es bestimmte Besonderheiten wie Hühnerfüße, aber das hat jede Kultur. Zum Frühstück gibt es etwas Warmes – wie Nudeln oder gebratenes Gemüse. Zum Trinken gibt es oft Porridge oder auf Nachfrage auch heißes Wasser.

Infokasten
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel