Geislingen an der Steige Ein Stuhlkreis für mehr Mitwirkung

Geislingen an der Steige / ISABELLE JAHN 21.04.2016
Der BPB-Präsident kam am Mittwoch nach Geislingen. Mit Kreis- und Stadtjugendring und Jugendgemeinderat diskutierte er über politische Beteiligung an Schulen. <i>Mit Bildergalerie.</i>

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) schlägt die Beine übereinander und nimmt seine Brille ab. Zwischen Thomas Krüger und seinem Publikum aus Kreis- und Stadtjugendring und Jugendgemeinderat (JGR) dampft Kaffee in einer Tasse. In einem kleinen Raum des Geislinger Stadtjugendrings kommt am gestrigen Dienstagvormittag Wohnzimmer-Stimmung bei einem weniger gemütlichen Thema auf: Politikverdrossenheit als Aufgabe der politischen Bildungsarbeit. "Das soll keine Einweg-Veranstaltung sein. Ich möchte mit Ihnen ins Gespräch kommen", kündigt Krüger an.

Die Gäste rücken mit Krüger und der Göppinger SPD-Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens zu einem Stuhlkreis zusammen. Außer den JGR-Mitgliedern sitzen keine Schüler in der Runde. "Kaum ein Schüler kennt den Landrat. Politik auf kommunaler Ebene interessiert wenige", leitet Thomas Franz, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Göppingen, die Diskussion ein. Eine große Hürde sieht Franz im blockierenden Verhalten von Rektoren und Lehrern, das eine Zusammenarbeit erschwere.

Kai Hummel, Mitglied des Jugendgemeinderats, berichtet von den Problemen bei der Durchführung der U18-Wahl kurz vor der diesjährigen Landtagswahl: Lehrer an Geislinger Schulen hätten die Aktion auf ein paar Klassen und wenige Tage beschränkt. Eine ihrer Sorgen sei die Unterrichtszeit gewesen, sagt der 18-Jährige. Die Schule erfülle ihren "Auftrag als Multiplikator" nicht, klinkt sich Holger Schrag ein, der den Stadtjugendring in Geislingen leitet. "Sind die Lehrer falsch ausgebildet?"

Die Bundesbehörde erkenne das Problem der "zwei Reviere", antwortet Krüger. Er schlägt vor, Vorhaben wie die U18-Wahl rechtzeitig über das Bildungsministerium anzukündigen. Auch Baehrens findet es wichtig, das Bewusstsein für das Thema etwa bei der Kultusministerkonferenz zu schärfen.

Von den Schülern und Schülervertretern wünscht sich Schrag mehr Hartnäckigkeit und "Feuer". Krüger schließt sich der Forderung an: "Die Chance der Jugendbeteiligung liegt darin, kess an ein Thema heranzugehen." Saskia Sickert ist Schülervertreterin an der Lindenschule und JGR-Mitglied. Die 14-Jährige fühlt sich mit den Aufgaben alleine gelassen: "Die Klasse denkt, ich mache das schon." Diese Einstellung kennt Heike Baehrens noch aus ihrer Schulzeit: "Das Gefühl fängt früh an. Kaum ist ein Klassensprecher gewählt, lehnen sich die anderen zurück."

Wie die BPB die politische Beteiligung in Deutschland anschiebt und ermöglicht, stellt Krüger in einer Präsentation vor. Ein Projekt ist der Wahl-O-Mat, durch den sich Bürger spielerisch mit den Wahlprogrammen der Parteien beschäftigen. Bei Fernsehsendungen wie "Sido geht wählen" vor der Bundestagswahl 2009 setzen sich Prominente mit politischen Inhalten und deren Vertretern auseinander. Mit solchen Aktionen animiert die BPB laut Krüger junge Menschen, wählen zu gehen.

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