Jubiläum Ein sozialer Mittelpunkt im Dorfleben

Schalkstetten / Ernst Häge 06.06.2018

Den Auftakt zum Backhausfest bildete ein Erntebittgottesdienst im Hof des Schulzenbauers, zu dem Pfarrerin Maren Pahl rund 200 Besucher begrüßen  konnte. Im Mittelpunkt der kirchlichen Feier stand die  Landwirtschaft, die das kleine über Jahrhunderte hinweg bis heute geprägt hat. In ihrer Predigt appellierte die Seelsorgerin, die deutsche Landwirtschaft nicht ständig zu kritisieren. Der Böhmenkircher Bundestagsabgeordnete Hermann Färber, selbst Landwirt,  berichtete von einer Afrikareise, die ihn sehr nachdenklich gemacht habe: „Wenn dort in drei Jahren so viel Regen fällt wie bei uns in wenigen Wochen, ist man zur Armut verdammt. Es wächst ja nicht viel“, sagte Färber und erinnerte  an „unseren Wohlstand, wo jährlich pro Person 82 Kilogramm gute Lebensmittel vernichtet werden.“ Da die Haushalte inzwischen nur noch elf Prozent des Einkommens für die Ernährung ausgeben müssten, fehle es auch an Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte.

„Unterbauer“ Karl Bühler aus Waldhausen erläuterte den Zweck der Kollekte: Sie war für den Notfonds des Bauernwerks bestimmt, mit dem in Bedrängnis geratene Bauernfamilien unterstützt werden.  Für die musikalische Umrahmung der Erntebittstunde sorgte der Posaunenchor unter der Leitung von Dr. Glück.

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Ortsvorsteher Ulrich Münkle erinnerte an die 175-jährige Geschichte des Backhauses. Ursprünglich hätten die Schalkstetter es wegen der Brandgefahr mit weitem Abstand zu den Häusern errichten sollen. Doch die Älbler hielten sich nicht an die Verordnung und bauten ihr Backhaus mitten ins Dorf. Die zentrale Lage entsprach auch der zentralen Rolle des Backhauses, das nicht nur der Versorgung mit dem wichtigsten Lebensmittel diente, sondern bald auch zum sozialen Mittelpunkt im Dorf wurde.  Im Backhaus habe man immer das Neueste erfahren und auch darüber spekuliert, „wer mit wem“ und ,,wann es denn wohl so weit wäre“, berichtete Ulrich Münkle. ,,Backhäuser erfüllen eine wichtige Rolle im Dorfleben. Diese Tradition darf nicht untergehen“, forderte der Ortsvorsteher.

Auch für Amstettens Bürgermeister Johannes Raab ist das Backhaus mehr als nur ein Ort, in dem man Brot und Kuchen backt. Es sei  eine Art Mehrgenerationstreff, lobte Raab, bevor zum Fest die erste Dinnete aus dem Ofen geholt wurde.

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