Salonmusik Ein sinnliches Erlebnis

Hohes Niveau und Spielleidenschaft: Die Stuttgarter Saloniker warten mit einem musikalischen Feuerwerk auf.
Hohes Niveau und Spielleidenschaft: Die Stuttgarter Saloniker warten mit einem musikalischen Feuerwerk auf. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Geislingen / Sabine Graser-Kühnle 12.01.2018

Eigentlich sollte ihr guter Ruf als hervorragende Interpreten beliebter Salonmusik der Klassik und der Moderne den „Stuttgarter Salonikern“ weit vorauseilen. Aber irgendwie ist der auf ihrem Weg nach Geislingen hängen geblieben. Schon mehrfach haben die Musiker in der Vergangenheit das Geislinger Publikum begeistert, so auch jetzt beim Neujahrskonzert in der Jahnhalle, trotz, oder vielleicht, erst recht, wegen der wenigen Zuhörer.

Die Musiker, allen voran Leiter und Moderator Patrick Siben, liefen zur Höchstform auf, die Zuhörer zollten es mit Bravorufen gleich beim ersten Walzer „Wien bleibt Wien“ und am Ende mit stehenden Ovationen. Kaum treffender dürfte Sibens Standardbegrüßung gewesen sein, als am Mittwoch in der Jahnhalle: „Herzlichen Dank, dass Sie gekommen sind, sonst wären wir ja alleine da.“ Sprach‘s, warf die Schöße seines Fracks nach hinten und legte am Flügel los.

Fast untertrieben das Versprechen der Musiker für das Neujahrskonzert mit einem musikalischen Feuerwerk aufzuwarten: Flott wogten die Walzer im Dreivierteltakt, spritzig die Overtüre zu Offenbach‘s Opera Buffa „Orpheus in der Unterwelt“, die mit dem berühmten Gassenhauer, dem Cancan, flammend endete.

Spätestens jetzt wurde deutlich, was Salonmusik bedeutet:  Elf Bläser, acht Streicher sowie Pauken und Schlagzeug sind die Originalbesetzung der Offenbachoper. Die Stuttgarter Saloniker liefern die Overtüre zu acht: zwei Violinen, Cello und Kontrabass, Klarinette, Trompete, Posaune sowie Patrick Siben am Flügel.

Nicht nur die Orchesterbesetzung ist in der Salonmusik komprimiert, sondern meistens auch die Werke, insbesondere Opern und Operetten. Denn diese großartige Musik wollten Komponisten und Musiker nicht nur in einzelnen großen Konzertsälen aufführen, sondern ihr Ruf sollte bis in die kleinen Bühnen und gar Wohnzimmer bürgerlicher Häuser gelangen.

Dass die Stuttgarter Saloniker nur  Originalbearbeitungen, oft kurz nach den Premieren entstanden, spielen, macht ihre Konzerte umso authentischer. Dazu gesellt sich das hohe Niveau und ihre pure Spielleidenschaft: Musizieren der Musik wegen, auch das kam bei den Zuhörern in der Jahnhalle an. Ob man vor dem geistigen Auge die gerüschten Röcke leicht bekleideter Cancan-Tänzerinnen mit hoch schwingenden Beinen, oder den Schlittschuhläufer einsam seine Bahn samt Pirouetten auf dem Eis laufen sieht, die Musik der Stuttgarter Saloniker ist ein sinnliches Erlebnis.

Die acht Musiker musizieren wie aus einem Guss – nur einmal ließen sie sich von der schelmischen Moderation Sibens aus dem Konzept bringen: Nämlich beim „schwäbischsten aller Walzer, dem Donauwalzer von Johann Strauß“. „Hören Sie den Kuckuck“, schmunzelte Siben und machte sein Publikum lautstark an jeder „Kuckuckstelle“ auf den Ruf des Vogels aufmerksam.

So geriet dieser Kuckucksruf anfangs etwas aus dem Rhythmus. Die Zuhörer verziehen es, jubelten den Musikern am Ende des Stücks begeistert ihren Beifall zu.

Ihre instrumentale Kunst bewiesen die Musiker des Salon­orchesters in zahlreichen Soli, bei der kleinen Besetzung waren die zahlreich.

Selbst in der Pause pflegten die Musiker ihre Gute-Laune-Impulse, stießen im Foyer der Jahnhalle mit ihren Gästen auf das neue Jahr an. Locker kam man mit ihnen ins Gespräch, die danach auf der Bühne ihr Publikum wieder restlos begeisterten.

Mit der Petersburger Schlittenfahrt ebenso, wie mit Scott Joplins „Entertainer“ und – ganz neu im Programm – dem Habanera „La bella cubanera“ von Jose White. Zum Atem anhalten schön die Streicherpassage, mitreißend der feurige zweite Teil.

Für Patrick Siben ist nach diesem Geislinger Debüt des Neujahrskonzerts der Stuttgarter Saloniker klar: „Wir kommen wieder – und Sie bringen einfach weitere Gäste mit, dann wird die Jahnhalle mit ihrer tollen Akustik voll.“

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