Für den 1958 geborenen Michael Fitz, den man als Schauspieler aus vielen TV-Produktionen her kennen könnte, ist Musik zu machen Notwendigkeit und Bedürfnis zugleich. Sein musikalisches Schaffen reicht bis in die frühen 1980er Jahre zurück. Auch singt er nicht nur, sondern ist Gitarrist, Texter und Songschreiber. Seit etwa 2005 schreibt er auf Bayerisch und präsentiert seine Stücke in reduzierten Klangbildern, die im Wesentlichen von akustischen Gitarren getragen werden. Im instrumental zurückgenommenen Rahmen wirken die privaten Texte und Alltagsbeschreibungen noch intimer. Mit vier unterschiedlich besaiteten und gestimmten Gitarren trat der technisch äußerst versierte Gitarrist und Sänger Fitz am vergangenen Donnerstag bei der Rätsche auf. Im Zentrum des Programms standen seine „bayerischen“ Stücke.

Die Texte und Melodien wurden von prägenden Pickings und markanten Akkordfolgen getragen, die Unterschiedliches anklingen ließen, Spanisches und Folkiges. Der Hang zu bleibenden Melodien, die liebevoll im Dialekt gefasst werden, erinnerte ein wenig an den Schweizer Stephan Eicher, wobei Fitz roots-orientierter, erdiger, reduzierter, weniger chansonartig agierte. Entspannt, augenzwinkernd, lässig und folkig, weniger folkloristisch und dabei das Herz und Hirn erwärmend, so erreichten die Songs das begeisterte Publikum in der gut besuchten Rätsche.

Textlich spielten Außen- und Innenansichten eine Rolle; die Texte arbeiteten geschickt mit überraschenden und nachdenklich stimmenden Wendungen. Einige  blieben trotz ihres beschreibenden Ansatzes bildhaft und rätselhaft genug, um sie  auch auf andere Bereiche übertragen zu können. Andächtig und in gebannter Stille lauschte das Publikum den Songs und Texten.

In denen ging es zum Beispiel um eine persönliche und private Art der Willkommenskultur („Was I Bin“), um Risiken und Intuition („Aufs Eis“), die nötige Gegensätzlichkeit in Beziehungen („Schleidersitz“), den eigenen Umgang mit der privaten Angst vor der Angst („Hintam Zaun“) oder etwa darum, ob man gleichzeitig Beobachter und Beobachteter sein kann („Jetzt Auf Gestern“). Diese   inspirierenden Gedanken wurden in eine melancholische bajuwarisch-amerikanische Songkultur gegossen. Durch zugewandte Ansagen, die oft im Plauderton geschickt vom einen Song zum anderen überleiteten, wurden die Zuschauer im besten Sinne unterhalten.

Dabei ging es um den Narzissmus der Künstler, der nun auf seltsame Weise auf bestimmte Politiker übergegangen zu sein scheint, um die Situation von Singles im Angebotsbereich,  prägende Männerbilder aus Western oder um das Verlangen manch eines Publikums nach lustigen Liedern, die er jedoch nicht liefern könne. So ging ein Abend, der Entertainment, Musik und Nachdenkenswertes auf unaufgeregte und selbstverständliche Weise verband, zu Ende.