Kommentar Kathrin Bulling: „Fakten auf den Tisch!“

Geislingen / Kathrin Bulling 07.09.2018
Die Geislinger Stadtverwaltung und der Gemeinderat müssen in Sachen Michelberg-Gymnasium endlich alle Fragen beantworten, fordert GZ-Redakteurin Kathrin Bulling.

Über die Krisenkommunikation der Geislinger Stadtverwaltung in Sachen Michelberg-Gymnasium kann man nur den Kopf schütteln. Da war am 24. August bekannt, dass ein Teil des MiGy einsturzgefährdet ist, und es brauchte noch geschlagene zwölf Tage und anonyme Hinweise, bis Oberbürgermeister Frank Dehmer gegenüber der GZ offiziell bestätigte, was längst schon in der Stadt herumging: Im naturwissenschaftlichen Bereich der Schule herrscht Lebensgefahr, dort darf sich längst keiner mehr aufhalten. Der Öffentlichkeit davon erzählt hätten OB Dehmer und Schulleiter Sämann laut anonymen Quellen am liebsten erst am kommenden Montag, exakt 18 Tage nach Bekanntwerden. Nur auf Nachfrage kam noch am Mittwochabend ein Pressegespräch zustande.

Diese Taktik des Verheimlichens und Hinauszögerns ist nur allzu bekannt aus der Vergangenheit – etwa, als es im Frühsommer um das desolate Brandschutzkonzept des MiGy ging.

Den Verantwortlichen scheint nicht klar zu sein, welche Außenwirkung dieses Verhalten hat. Für die immer neuen Schlagzeilen aus dem MiGy hat keiner mehr Verständnis: Die Bürger fragen zurecht, wie solche Pfuschereien geschehen konnten, ohne dass dies der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat auffiel – und ob hier leichtfertig mit Steuergeldern hantiert wurde. Die Umlandgemeinden sind stocksauer, weil sie für die Kostensteigerungen nicht den Kopf hinhalten wollen.

OB Dehmer und die Gemeinderäte müssen sich jetzt eine ganze Menge Fragen gefallen lassen: War es damals wirklich unumgänglich, dass man Architekt Höfler beauftragte? Ist eine Schule das richtige Projekt, an dem solche innovativen Konzepte ausprobiert werden sollten? Hat sich das Stadtbauamt mit der Aufgabe übernommen? Warum wurde keine professionelle externe Bauaufsicht hinzugezogen, als immer neue haarsträubende Mängel, Fehler und Kostensteigerungen bekannt wurden?

Die Gemeinderäte sitzen in einem Boot: Sie haben 2014 damals ihren Segen für das Projekt gegeben. Schweigen sie deshalb fast auf ganzer Linie? Dehmer dagegen musste als frischgewählter OB wohl oder übel mitziehen – von der gewählten ­Sanierungsform war er nie überzeugt. Umso unverständlicher ist deshalb, dass er jetzt nicht mit Nachdruck die Aufklärung betreibt.

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