Leitartikel Michael Rahnefeld zum Verhalten von Verkehrsteilnehmern Ein KOMMENTAR von Michael Rahnefeld

Michael Rahnefeld, CvD, stellvertretender Redaktionsleiter GZ, Geislinger Zeitung, Porträt, Freisteller
Michael Rahnefeld, CvD, stellvertretender Redaktionsleiter GZ, Geislinger Zeitung, Porträt, Freisteller © Foto: unbekannt
Geislingen / Michael Rahnefeld 18.08.2018

Auf der Landstraße zwischen Merklingen und Nellingen wird der Fahrbahnbelag saniert, sie ist gesperrt. Ein Lkw-Fahrer ignoriert die Sperrung, schanzt über einen Haufen Schutt und steht mit aufgerissener Ölwanne im Maisfeld. Nur wenige Stunden später macht ein Autofahrer dieselbe Erfahrung, auch er hält sich nicht an das Durchfahrtverbot. Die gegenwärtig weiträumig ausgeschilderte Sperrung der B 10 im Bereich der ­Orts­­durchfahrt Kuchen wird von Lkw-Fahrern quasi täglich ignoriert. Überwiegend osteuropäische Brummi-Lenker zwängen sich mit ihren Fahrzeugen sogar noch an Abschrankungen vorbei, um ja auf der gewählten Route zu bleiben. Straßenschilder zählen da nicht. Das Argument, diese Fahrer würden eventuell die Ausschilderung nicht verstehen, gilt nicht. Verkehrsschilder sind europaweit fast gleich, das ergibt sich aus dem Wiener Übereinkommen über Straßenverkehrszeichen von 1968. Zudem sind diese Brummi-Fahrer täglich auf den Straßen Europas unterwegs, das bedeutet, ihnen sind Regeln und Vorschriften im Ausland bekannt. Wenn es auf für Lkw gesperrten Umleitungsstrecken zu Problemen kommt, dann ist das kein Versehen, sondern die Folge von geplantem Handeln. Wenn Mindestabstände auf der Autobahn von Lkw-Fahrern nicht eingehalten werden, dann ist das gewollt. Das Risiko, dabei gestellt zu werden, ist relativ gering. Wirklich verfolgt werden die Übeltäter nur selten und direkt ertappt und zur Kasse gebeten noch seltener. Die Anarchie auf den Straßen setzt sich zunehmend durch. Das Handy-Verbot am Lenkrad kennt zwar jeder, aber keiner schert sich darum. Rettungsgasse? – Was ist das?

Wer täglich mit dem Fahrzeug unterwegs ist, kann vermutlich ein Lied davon singen. Es wird bei Gegenverkehr oder rechts überholt, die Vorfahrt erzwungen und über Rotlicht zeigende Ampeln gedonnert. Geparkt wird, wo gerade Platz ist, ob’s Verbots- oder Hinweisschilder gibt – was soll’s.  „Wer bremst verliert“, steht auf manchem Fahrzeugheck. Das Ergebnis: Todesopfer bei innerstädtischen Autorennen.

Parallelen zu den allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungen sind durchaus zu erkennen. Bestimmte Spielregeln, die jahrzehntelang galten, werden nicht mehr eingehalten, den Respekt vor Ordnungskräften gibt’s ohnehin nicht mehr, „Mad Max“ lässt grüßen – nur noch der Stärkere überlebt, mittlerweile auch im Straßenverkehr.

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