Konzert Ein kammerkleines großartiges Ensemble

Wann immer sie es wollten, konnten es die Musiker von Opportunity mit bewundernswerter Leichtigkeit tun: die dargebotenen Stücke zu Glanz und Größe erheben.
Wann immer sie es wollten, konnten es die Musiker von Opportunity mit bewundernswerter Leichtigkeit tun: die dargebotenen Stücke zu Glanz und Größe erheben. © Foto: Stefan Renner
Geislingen / Christine Bauer-Renner 09.01.2018

Zum Erstaunen über das Können der drei Musiker von Opportunity gesellte sich im Lauf des Abends beim Rätsche-Publikum in Geislingen Respekt und Vergnügen: Respekt davor, mit welcher Leichtigkeit das Trio sein Können in den Dienst der ausgewählten Stücke anderer Künstler stellte, die es interpretierte, und das Vergnügen über die so souveräne wie humorvolle, uneitle Art der Präsentation.

Fast schlicht wirkte schon die Ausstattung der Bühne mit zwei hohen Hockern, auf denen mit dem fünfsaitigen E-Bass „gaz“ und mit Hut und akustischer Gitarre Axel Nagel Platz genommen hatten. In der Bühnenmitte saß unglamourös und stilvoll Marie Fofana auf und an Cajon und Trommel, umgeben von den Fragmenten eines Schlagzeugs. Schon in den Eingangsstücken wurde aber klar, zu welchem Glanz und welcher Größe dieses kammerkleine Ensemble die dargebotene Musik mit einem Wimpernschlag erheben konnte, wann immer es das wollte.

Die Erste, die sich als Leadsängerin mit geschulter, vom Jazz gefärbter Stimme von großer Leuchtkraft präsentierte, war Marie Fofana. Die Rhythmusarbeit übernahm zunächst ganz selbstverständlich die Gitarre, dann der geradlinig gespielte Bass. Gestochen klar und kraftvoll ertönte gleich auch der mehrstimmige Harmoniegesang der Bandkollegen. Dann sang Axel Nagel „Blue Suede Shoes“ zum locker getupften „Walking“ Bass, ergänzt von  reduziert wie zielgerichtet eingesetzter Percussion, so dass die Melodiestimme eigene Wege der Interpretation erkunden konnte. Der neu gedoppelte Begleitgesang wurde kraftvoll zur zweiten Stimme.

Mit launigen Ansagen zwischen den Stücken wechselte jeweils die Verteilung der melodieführenden Stimme. Jeder der Künstler machte sich mit seiner eigenen stimmlichen Färbung und mit eigenem Charakter die Version des von ihm präsentierten Stückes zu eigen: „gaz“ konnte reibeisenrau und rockig klingen, Fontana setzte die Klarheit ihrer Stimme in lauten wie auch in zurückgenommenen Partien gleichermaßen „soulful“ ein, Nagel füllte sowohl die Rolle des Crooners wie des Soulsängers aus. Gemeinsam gewannen sie ungeheure Kraft in mehrstimmigen Passagen, aus denen sich hin und wieder überraschend auch ein solistischer Part oder ein kecker Einwurf eines Einzelnen schälen durfte.

Überhaupt war dieser Abend geprägt von einem grundlegenden Respekt: einerseits der Musiker vor den jeweiligen Möglichkeiten („opportunities“) der anderen – auch an den virtuos gespielten Instrumenten –, der zu einer Vervielfachung dieses gebündelten Könnens führte; zum anderen war sehr lebendig der Respekt vor der Begegnung mit der ausgewählten Musik zu spüren. Voller Achtung dachte das Trio durchaus meisterliche, wenn auch nicht zwingend bekannte Kompositionen vor allem aus der amerikanischen Roots- und Rockmusikliteratur neu, beschleunigte Mittelteil, betonte Strophenfragmente durch harmonische Verbiegungen oder belebte Refrains, die auch in den Originalversionen oft mehrstimmig glänzen, durch eigene „Chorsätze“ neu.

Beachtlich auch die Texte. Im klar artikulierten Gesang kamen sie eigenartig prägnant zur Geltung.

Hier und da nutzten die Männer an den Saiteninstrumenten ihre elektronischen Effektgeräte und erreichten damit einen mächtigeren Klang. Auch dieser bezog sich aber auf den jeweils aktuellen Song, womit plötzlich klar war, welche auch technischen Möglichkeiten diese Drei noch hätten.

Gegen Ende des Abends standen noch ein paar Kabinettstückchen wie das „Nachspielen“ einer Plattenaufnahme aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts samt Knistern und Nadelsprüngen auf dem Programm. Wenn auch mit viel Clownerie wurde damit doch noch einmal deutlich, wie die intensive Arbeit an und mit der Kunst voriger Generationen auf überzeugend schlichte Weise von der Neigung zur Oberflächlichkeit in unserer Zeit befreit.

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