Geislingen Schutzbereich für Zauneidechsen im Zillerstall

Der Reptilienschutzzaun steht schon, er wurde in den Wochen vor Ostern aufgestellt und hat eine Länge von etwa 800 Metern. In der Innenfläche von etwa 1350 Quadratmetern sollen Zauneidechsen vorübergehend einen geschützten Lebensraum finden. 
Der Reptilienschutzzaun steht schon, er wurde in den Wochen vor Ostern aufgestellt und hat eine Länge von etwa 800 Metern. In der Innenfläche von etwa 1350 Quadratmetern sollen Zauneidechsen vorübergehend einen geschützten Lebensraum finden.  © Foto: Michael Rahnefeld
Geislingen / Michael Rahnefeld 04.04.2018
Im Zillerstall entsteht ein Ersatzhabitat für Zauneidechsen. Die anstehenden Bauarbeiten für die Waldorfschule setzen diese Schutzmaßnahmen voraus.

Der Leser am Telefon regt sich furchtbar auf: „Die spinnat doch, die bauat da im Zillerstall an Zau für d’Kreda. Was des wieder koscht.“ In der Tat, es wird einiges kosten, was da seit ein paar Wochen gleich am Eingang des Zillerstalls auf einer großen Freifläche bergseitig der Zillerstallstraße entsteht. Ungefähr 800 Meter Zaun sind bereits gezogen, das ist allerdings kein Krötenzaun, sondern die Begrenzung eines sogenannten „Ersatzhabitats für Zauneidechsen“. Und die Stadt lässt dieses Reservat für die Echsen und Salamander nicht aus Jux und Tollerei anlegen, sondern weil sie damit europarechtliche gesetzliche Vorgaben einhält, erklärt die Umweltbeauftragte der Stadt Geislingen, Sonja Pfau.

Worum geht’s genau? Auf dem Gelände will die Freie Waldorfschule Sankt Michael demnächst bauen. Baubeginn ist eventuell bereits im Herbst.  „Im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan ‚Schule im Zillerstall’ ist auch der besondere Artenschutz nach Paragraf 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) abzuarbeiten“, sagt Sonja Pfau. Eingehende Untersuchungen im Rahmen des Bebauungsplanes ergaben, dass sich  Zauneidechsen auf diesen Flächen tummeln. Das zwingt die Stadt zum Handeln, und zwar in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. „Es muss vermieden werden, dass diese Tiere zu Schaden kommen oder ihr Lebensraum vernichtet wird“, erklärt die Umweltbeauftragte weiter und verweist auf ähnliche Fälle entlang der Neubaustrecke von Stuttgart 21. Auch dort müssen Zauneidechsen geschützt oder umgesiedelt werden, was die Bahn rund 15 Millionen Euro kosten wird. Wie hoch die Kosten für das rund 1350 Quadratmeter große Ersatzhabitat im Zillerstall ausfallen, kann Sonja Pfau heute noch nicht sagen. Immerhin ist dieses Gärtle für die Echsen nicht nur mit dem Schutzzaun gesichert, sondern es wurden dort auch Steinhaufen, Sandinseln, Reisighaufen und Wurzelstubben als sogenannte Strukturelemente modelliert, damit sich die Tiere im umzäunten Gelände wohlfühlen, ungestört bleiben und nicht vertrieben werden.

In den nächsten Wochen, so kündigt Sonja Pfau an, würden Fachleute die Eidechsen auf dem gesamten Baugelände einfangen und im Ersatzhabitat wieder aussetzen. Dazu werden die Fachleute kleine Schlingen verwenden, ähnlich einem Mini-Lasso, um die Tiere beim Fang nicht zu verletzen. Denn Eidechsen sind erfahrungsgemäß sehr schnell und kaum mit der Hand zu fangen.  In gefährlichen Situationen werfen die oft in hellem Grün schillernden filigranen Reptilien ihren Schwanz ab. Auch das soll vermieden werden. Sind sie einmal in der Schutzzone, können sie vorerst nicht ins Baufeld zurückwandern. Ein zusätzlicher Bauzaun zwischen Habitat und Baustelle soll Beschädigung des Echsengartens während der Bauzeit verhindern. Sonja Pfau unterstreicht immer wieder: „Dies ist keine freiwillige Leistung der Stadt Geislingen, wir sind dazu gesetzlich verpflichtet.“ Es sei das erste Mal in so großem Stil, weshalb die Umweltbeauftragte gespannt ist, wie die ganze Aktion vollends abläuft. Im Übrigen befasst sich die Stadt derzeit mit Natura 2000, dazu weilten jüngst Vertreter des Regierungspräsidium in Geislingen.

Ein Kommentar zu diesem Thema finden Sie in unserem E-Paper am Donnerstag!

Managementplan Flora - Fauna - Habitat für das Gebiet Eybtal

Natura 2000 ist ein Schutzgebietsnetz auf Grundlage der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) und der Vogelschutzrichtlinie, das sich über alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union erstreckt. In ihm sollen Lebensräume und Arten von gemeinschaftlichem Interesse geschützt und für die Zukunft bewahrt werden. Eines dieser Schutzgebiete ist das FFH-Gebiet „Eybtal bei Geislingen“ mit einer Fläche von 1838 Hektar.  In Baden-Württemberg sollen die ausgewiesenen FFH- und Vogelschutzgebiete vorrangig durch Vereinbarungen mit den Landnutzern gesichert werden. Voraussetzung  hierfür sind Managementpläne (MaP), in denen die Vorkommen der Lebensraumtypen und der Lebensstätten der Arten parzellenscharf erfasst und die erforderlichen Erhaltungs- und wünschenswerten Entwicklungsmaßnahmen dargestellt werden.

Mit der Erstellung des MaP für das FFH-Gebiet 7324-341 „Eybtal bei Geislingen“ soll jetzt begonnen werden. Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung wurden die Vertreter der betroffenen Gebietskörperschaften (Landkreis und Kommunen), Institutionen und Interessenvertretungen (beispielsweise Forstkammer oder Verbände wie Bauern-, Naturschutz- und Sportverband) jüngst vom Regierungspräsidium Stuttgart über die Ziele des Plans, das Verfahren der Planerstellung und den vorgesehenen zeitlichen und organisatorischen Ablauf informiert. Geislingens OB Frank Dehmer begrüßte dazu die Gäste in der Kapellmühle, teilt die Geislinger Stadtverwaltung mit.