Pferdemarkt Ein Festtag für alle Pferdefreunde

Geislingen / Jochen Horndasch 13.02.2018
Gehandelt wird beim Geislinger Pferdemarkt zwar nicht mehr, dafür werden aber die schönsten Rösser von einer fachkundigen Jury bewertet.

Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, doch Mütze, Schal und Handschuhe waren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ein Muss. Im Gegensatz dazu fühlten sich die Hauptdarsteller des 318. Geislinger Pferdemarkts rundum pudelwohl. Denn die Wohlfühltemperatur von Schwarzwäldern, Arabern, Freibergern, Shettys, Tinkern und Co. reicht locker bis minus zehn Grad. 120 Warm- und Kaltblüter sowie die Ponys und Kleinpferde zeigten sich am Dienstag gut drei Stunden lang vor der TVA-Halle in Altenstadt von ihrer besten Seite.

Pünktlich um 9 Uhr warteten sie auf ihren Auftritt. Die Einzelprämierung war angesagt. Unter der Moderation von Konrad Ehlers und den kritischen Blicken der Wertungsrichter wurden die im Schritt und Trab vorgeführten Vierbeiner bewertet. Die Bewegungen in den verschiedenen Gangarten, der Körperbau, der Ausdruck der Augen, die Stärke von Hals und Muskeln sowie der Pflegezustand spielen dabei eine wichtige Rolle. Dafür gibt es Punkte, Schleifchen, Pokale und Preise.

Einer der Stammgäste beim Pferdemarkt ist Simon Köpf aus Unterböhringen, der mit drei seiner insgesamt sechs süddeutschen Kaltblutpferde anreiste. Schon als Kind sei er zusammen mit seinem Vater, dem Wirt des Gasthauses Hirsch in Unterböhringen, auf den Pferdemarkt gekommen. Diese Tradition behält er bei. Nicht nur bei der Einzelprämierung führte er seine gut 800 Kilogramm schweren Vierbeiner vor.  Zwei davon mussten beim anschließenden Gespannfahren nochmals ran. Ausgestattet mit noblen Geschirren mit polierten Messingrosetten, Glöckchen und Dachsdecken zogen sie eine Schnapsbrennerei auf vier Rädern.

Ein vergleichsweise neues Gesicht war Leonie Hiller aus Weidenstetten, die mit ihrem Freund Markus Guter und ihrem Vater sowie ihrer Freiberger Stute Evita an der Prämierung als auch am Kutschefahren teilnahm. Vor knapp einem Jahr hat sie ihren Kutschführerschein gemacht und ist seither auf vielen Fahrturnieren unterwegs.

Auch der 70jährige Erwin Authaler aus Merklingen ist ein ständiger Gast des Pferdemarkts und seit Jahrzehnten mit von der Partie. Seine beiden Kaltblüter setzt er nicht nur zum Kutsch- und Schlittenfahren ein. Zum Holzrücken würden sich die schweren Pferde hervorragend eignen.

Jürgen Banzhaf, Besitzer eines Pferdehofs in Unterböhringen und passionierter Distanzreiter sowie seine beiden Töchter Carolina und Sophia präsentierten zwei edle Vollblut-Araber. Eine davon, die 17-jährige Zuchtstute Abrakadabra, sei trächtig und würde schon bald ein Fohlen erwarten, informierte er.

Mit Ann-Christin Leeser aus Urspring zeigte sich erneut ein altbekanntes Gesicht auf dem Geislinger Pferdemarkt. Leeser hat sich als Gewinnerin der Mannschaftseuropa-Meisterschaft im internationalen Fahrsport einen Namen gemacht. Mit ihrer zehnjährigen Holländer Stute Dora Bella sowie der elfjährigen Oldenburger Stute Samba Queen glänzte sie nicht nur bei der Einzelprämierung. Auch im Gespannfahren machte sie ein- und zweispännig eine hervorragende Figur.

Neben den Großpferden mit mehreren hundert Kilogramm Lebendgewicht zeigten auch die kleinen was in ihnen steckt. So wie das sechsjährige, nur 80 Kilogramm schwere und 70 Zentimeter hohe Mini-Shetty Popcorn, das ein goldenes Schleifchen und einen Pokal holte. Es war nicht nur mit seinen beiden Besitzern Erwin und Marion Bauer vom Tierparadies aus Reichenbach/Fils angereist, auch seine Eltern, Pepps und Lucy, durften mit nach Geislingen. Insgesamt 20 Gespanne drehten ihre Runden, wobei Ernst Hagmeier, ehemaliger Berufsschullehrer und passionierter Kutschfahrer sachkundige Erläuterungen zu den geschichtsträchtigen Wagen lieferte. Ein aus Amerika stammender Wagen aus dem Jahre 1886, den ein brauner Schwarzwälder zog, erregte besonderes Aufsehen. Bei diesem mit Blattfedern ausgestatteten Gespann saß Besitzer Ulrich Schweizer von den Eselhöfen bei Mühlhausen nicht wie üblich auf dem Kutschbock, sondern ganz entspannt neben seiner Begleiterin auf einer gepolsterten und mit Leder bezogenen Sitzbank.

Bestände aus dem ersten Weltkrieg zeigte Helmut Friedl, der in Bühlenhausen bei Berghülen ein Kutschen- und Wagenmuseum betreibt. Er drehte mit einem schweren Wehrmachtswagen, Baujahr 1914, mit großen Holzrädern und Achsen aus Stahl ein paar Runden.

Ein Urgestein des Pferdemarkts ist seit rund 40 Jahren Herbert Sauter, Senior-Chef vom gleichnamigen Pferdehof in Deggingen. Mit zwei Warmblut-Pferden und einer Mylord-Kutsche hatten sich Sauter und sein Freund Rolf Pfäffle frühmorgens von Deggingen aus auf den Weg zum Pferdemarkt gemacht. Nach eineinhalb Stunden hätten sie wohlbehalten ihr Ziel erreicht und sich in den Reigen der anderen Fahrer eingereiht. Und nach einer Wurst würde es erneut mit zwei Pferdestärken vorgespannt wieder nach Hause gehen. Diesem Vorbild folgten auch viele hungrige Besucher des Geislinger Pferdemarkts  und strömten nicht nach Hause sondern in die umliegenden Kneipen. Doch anstelle von Wurst gab es dort traditionell Kutteln in allen Variationen.

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