Geislingen an der Steige Ein Besuch, der die Angst vor einem Tabuthema nimmt

ULRIKE HILBMANN-FITZ 17.02.2016

Die beiden Selbsthilfegruppen Leben-d-ich trotz Krebs und Frauenselbsthilfe nach Krebs haben sich im Geislinger Haus der Zeit des Bestattungsunternehmens Maichle getroffen zu einem informativen Besuch. Um Besucherinnen die Angst vor dem Thema Sterben und Tod zu nehmen, begann dieser Nachmittag in gemütlicher Runde bei Kaffee und Kuchen.

Bereits hierbei kamen einige Fragen, aber auch lockere Sprüche und veraltete Vorstellungen auf, die Firmenchef Markus Maichle zum Anlass nahm, um über sein Unternehmen zu informieren. Die Unternehmerfamilie sieht es als ihre Aufgabe an, über diesen letzten Abschnitt, den Endpunkt des Lebens aufzuklären, um darauf vorbereitet zu sein und auch vorgesorgt zu haben. Ebenso sollte man laut Maichle bereits zu Lebzeiten über das Sterben und alles was damit zusammenhängt sprechen und nachdenken.

Der Firmenchef erzählte zudem von der Ausbildung zum Bestatter und Thanatopraktiker (Einbalsamierer) - einem Berufsbild, über das keiner der Anwesenden näher Bescheid wusste.

Weil bei Todesfällen die Hinterbliebenen angesichts ihrer Trauer oft nicht in der Lage sind, sich über finanzielle Dinge Gedanken zu machen oder die Beerdigung zu organisieren, ist es laut Maichle sinnvoll, sich schon lange vorher über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Bestattung zu informieren. Es gebe Vorsorgemöglichkeiten, durch welche den Hinterbliebenen die Last der Entscheidung genommen werden könne. Maichle nannte beispielsweise ein Treuhandkonto zu Lebzeiten, was für die von einem Todesfall Betroffenen eine finanzielle Erleichterung bringe und unliebsame Überraschungen verhindere.

Die zurzeit gefragteste Bestattungsform ist die Feuerbestattung, sie macht laut Maichle 90 Prozent aus. Zunehmend gefragt seien aber auch besondere Formen wie Seebestattung oder im Friedwald unter einem Baum. Zudem seien im Ausland Bestattungen möglich und würden immer mehr Zuspruch finden. So sei es in der Schweiz erlaubt, die Asche des Verstorbenen an beliebigen Orten zu verstreuen - auf einer Wiese, von einem Berg, in einem Fluss. Oder man dürfe die Asche an einem Familienfels vergraben, der dann die Inschrift trage. Gerade diese Sonderformen führten zu einer lebhaften Diskussion und Gesprächen. Seit der Änderung des Bestattungsgesetztes 2014 seien auch in Deutschland wesentlich mehr Dinge erlaubt im Zusammenhang mit einer Bestattung, erläuterte Maichle, der nach eigenem Bekunden überrascht und angetan war von der Offenheit, mit der Frauen beider Selbsthilfegruppen diese heikle und meist tabuisierten Themen angingen. Zum Schluss sahen die Besucherinnen noch die Räumlichkeiten des Hauses der Zeit, das Transportfahrzeug, außerdem die diversen Ausstattungen von Särgen - von der persönlichen Innenausstattung bis zur Bemalung des Sarges mit eigenen Motiven - sowie den Behandlungsraum, in dem auch Unfallopfer wieder ein würdevolles Antlitz erhalten. Außerdem erklärte Maichle das Einbalsamieren. Dabei berichtete Maichle immer wieder über seine Einsätze in Katastrophengebieten. Alle Teilnehmerinnen waren über die Art und Weise wie Herr Maichle das Thema Sterben und Tod näher brachte sehr begeistert.