Ausbildung Ein Beruf für Fans von Mathe und Chemie

Manuel Keiper und Verena Ax an einem der Galvano-Bäder bei der Geislinger Firma Schlötter. Die beiden haben Oberflächenbeschichter gelernt – und haben dies noch keine Sekunde bereut, im Gegenteil.
Manuel Keiper und Verena Ax an einem der Galvano-Bäder bei der Geislinger Firma Schlötter. Die beiden haben Oberflächenbeschichter gelernt – und haben dies noch keine Sekunde bereut, im Gegenteil. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Claudia Burst 21.07.2018

Verena Ax und Manuel Keiper haben beide den Beruf „Oberflächenbeschichter“ gelernt – und sind sehr zufrieden mit ihrer Berufswahl. „Ich finde meinen Beruf spannend. Jeden Tag gibt es was Neues, das ich noch nicht gesehen habe“, berichtet Manuel Keiper. Der 26-Jährige hat von 2009 bis 2012 seine Ausbildung bei der Max Schlötter GmbH &Co. KG in Geislingen gemacht, seitdem ist er in der Muster-Galvanik tätig. Dort besteht seine Aufgabe darin, die täglichen Herausforderungen der Kunden zu deren Zufriedenheit zu lösen.

„Wenn die Oberflächenbeschichtung, die der Kunde will, nicht richtig haftet oder nicht gleichmäßig auf dem Produkt aufliegt oder nicht glänzt oder nicht dick genug ist – dann sind wir in der Muster-Galvanik gefordert, eine Lösung zu finden, mit der der Kunde glücklich ist“, erzählt Keiper – und schildert damit auch seinen Aufgabenbereich. Genau das ist es, was ein Oberflächenbeschichter – früher Galvaniseur – macht: Er sorgt mit einer Oberflächenbeschichtung dafür, dass Kundenprodukte schöner aussehen, nicht rosten, länger halten oder leitfähig werden.

Dabei gibt es Produkte mit galvanisierten Oberflächen in den unterschiedlichsten Bereichen der Industrie und des täglichen Lebens. Oberflächenbeschichtung ist eine hochkomplexe Aufgabe, die viel mit Chemie zu tun hat. Dass der Beruf nicht mehr Galvaniseur heißt, liegt daran, dass Oberflächenbeschichtung inzwischen auch ohne Strom von außen möglich ist – und daher auch Kunststoff beschichtet werden kann. „Duschköpfe zum Beispiel“, sagt Stefanie Geldbach, die Geschäftsführerin von Schlötter.

Weder Keiper noch seine Kollegin Ax hatten diesen Beruf früher auf dem Schirm. Keiper lernte ihn beim Realschul-Praktikum kennen – und war sofort begeistert. „Da hängt man was rein ins Chemiebad – und wenn es rauskommt, sieht es gut aus. Das hat mich fasziniert“, sagt er. Die Faszination ist geblieben, momentan macht Keiper seine Meisterschule nebenher.

Verena Ax stieß auch eher zufällig auf den Beruf: „Ich hatte mich eigentlich für den Beruf Industriemechaniker damals in meiner Heimat Hanau beworben. Der Geschäftsführer der Firma dort hat mir aber den Beruf Oberflächenbeschichter präsentiert und mir ein paar Tage Praktikum angeboten“, erzählt die 25-Jährige: „Danach war ich überzeugt.“

Es sei vor allem die Vielseitigkeit, die ihr an dem Beruf gefallen habe, berichtet Ax. „Ich habe als Azubi sowohl in der Handgalvanik gearbeitet als auch beim Abwasser und im Labor“, sagt Ax. „Beim Abwasser“ bedeutet, dass sie mit dafür verantwortlich war, das Abwasser so zu neutralisieren und zu entgiften, dass es entsorgt werden kann, ohne die Umwelt zu schädigen.

Im Service-Labor von Schlötter ist Ax seit vergangenem Jahr tätig. Dort forscht und experimentiert sie täglich an den unterschiedlichen Elektrolyten – diese sind für Beschichtungen notwendig –, um herauszufinden, wie sie diese für den jeweiligen Kunden optimieren kann. „Man lernt immer dazu und macht jeden Tag was anderes“, sagt auch sie.

Wer sich um einen Ausbildungsplatz zum Oberflächenbeschichter bewirbt, der sollte auf jeden Fall Interesse an Chemie und Mathe haben. „Wir müssen schon ziemlich viel rechnen. Oberflächen oder Volumen der Produkte zum Beispiel“, erklärt Keiper. Geschäftsführerin Geldbach freut sich über gute Hauptschüler als Bewerber genauso wie über Realschüler oder Gymnasiasten. Je nach Vorbildung kann sich ein Oberflächenbeschichter nach erfolgreichem Ende seiner dreijährigen Ausbildung zum Meister oder zum Techniker weiterbilden oder sogar „Oberflächentechnik“ oder „Werkstofftechnik“ an der Hochschule in Aalen studieren.

Bei der Berufswahl an Alternativen denken

Selten hatten junge Menschen so gute Startbedingungen für ihr Berufsleben wie jetzt. Fachkräfte mit einer Ausbildung und aufbauenden Qualifizierungen sind auf dem Arbeitsmarkt extrem gefragt und haben ebenso gute Karrierechancen wie mit einem Studium. Insgesamt gibt es rund 350 Ausbildungsberufe – und in nahezu allen werden Nachwuchskräfte gesucht. Es lohnt sich, neben den „Top 10“ der beliebtesten Ausbildungsberufe auch die nicht so bekannten anzuschauen und attraktive Alternativen für sich zu entdecken. In der Serie stellen wir einige von ihnen vor.

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