Konzert Dramaturgisch packende Einheiten

Stellen die Liedtexte in passenden Kostümen vor: die beiden Schauspieler Alexandra Kamp und Ron Spiess.
Stellen die Liedtexte in passenden Kostümen vor: die beiden Schauspieler Alexandra Kamp und Ron Spiess. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Geislingen / Von Sabine Graser-Kühnle 03.05.2017

Der SWR3 steht für Songs in den Charts und solche, die die Audiobühnen der Welt eigentlich nie verlassen. Oft ist es die Musik, einerlei welches Genre, die die Zuhörer begeistert, vielfach sind es aber auch die Texte wert, genauer hinzuhören. Eine Aufgabe, der sich Moderator und Regisseur Ben Streubel seit mehr als 20 Jahren verschrieben hat.

Streubel lässt ausgesuchte Liedtexte aufwendig ins Deutsche übersetzen, längst nicht nur sinngemäß, sondern darum bemüht, die Kernaussage aufzudecken. Dabei entlarve sich manch erfolgreicher Song als inhaltslos und banal; andere, von denen man das kaum glauben möchte, seien besonders tiefgründig, berichtete er dem Publikum am Freitag in der ausverkauften Geislinger Jahnhalle. Dies bewies er mithilfe des Schauspielerduos Alexandra Kamp und Ron Spiess.

Die Lieder packen sie in szenische Darstellungen, das Spiel, die Songs aus dem Off und der live dazu gesprochene Text sind zur dramaturgisch packenden Einheit verwoben. Die Kulisse bilden großformatige stimmige Bilder, die im Hintergrund eingeblendet werden. Derweil Streubel über Hintergründe der jeweiligen Stars und deren Songs plauderte, zogen Alexandra Kamp und Ron Spiess das Publikum in der rappelvollen Jahnhalle mit ihrem Spiel von Beginn an in ihren Bann.

Songs, wie Maria Mena‘s „I don‘t wanna see you with her“ erlauben in dieser Lyrix-Show eine ganz neue Perspektive dieses Liedes über eine gescheiterte Beziehung. Das Darstellerduo stellte, anders als im Song, die Gefühle aus der Sicht beider Partner dar. Sichtbar ergriffen das Publikum.

„Auf diese, unsere Art, erhalten die Zuschauer einen Zugang zum Song, sie erkennen Situationen, die sie selbst schon erlebt haben, leiden oder freuen sich mit, sie kommen also aus ihrer Zuschauerrolle heraus und spielen selbst mit“, erklärte Streubel im Backstage-Interview den Anspruch seiner Lyrix-Show.

Weniger berührend, dabei umso erheiternder gestalten die Akteure auf der Bühne Songs, deren Inhaltslosigkeit sie entlarven. Etwa mit „shake it off“ von Taylor Swift. „Es gibt Titel, die kann man in fünf Sekunden komplett umsetzen“, witzelte Streubel und Alexandra Kamp im Tutu und Prinzessinenkrönchen tanzte den Text: alle erdenklichen Formen des Schüttelns. Mit ihrer Persiflage erntete sie begeisterte Bravorufe aus dem Saal.

Doch Lyrix wäre nicht die SWR3-Show, enthielte sie nicht auch Musiklegenden.  Diese Nummer war einer der Höhepunkte der Show: Der erste Hit des als deutschsprachig bekannten  Rocksängers, dem englischen „The river“, den der Autor exklusiv für SWR3 ins Deutsche übersetzt hatte, wie Streubel darlegte, und teils eingeblendet originale Zitate von Udo Lindenberg. Ron Spiess Darstellung war bravourös.

So wechseln sich Emotionen und Heiterkeit, warmherziges Schauspiel und eine amüsante Moderation, die Zeit verflog und eh man sich‘s versah waren zwei Stunden um. Die erklatschte Zugabe schließlich war das eigentliche große Finale: Eine Hommage an Freddy Mercury, Frontmann der einstigen britischen Kultrockband „Queen“. Im Minimusical entführte die SWR3 Lyrixshow die Zuhörer in das bewegte Leben und die großartige Musik dieses Popstars. Und noch einmal gelang in der Show das Kunststück, die Gäste hinter die Kulissen einer Musikervita blicken zu lassen: Die Dramaturgie deckte auf, wie sehr der 1991 verstorbene Mercury sein Leben in seiner Musik sowie seinen Songtexten verarbeitet hatte.

Seit zehn Jahren tourt Streubel damit durch‘s Land – und immer wieder begeistern er und sein Team die Menschen. Auch in Geislingen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel