Geislingen an der Steige Drängende Fragen der Kirche besprochen

OTTMAR DÖRRER 27.11.2012
Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen, diskutierten Kirchengemeinderäte der katholischen Gesamtkirchengemeinde Geislingen in einer Klausur.

Mit dem Dialog- und Erneuerungsprozess, den Bischof Gebhard Fürst im Frühjahr 2011 eröffnet hat, sucht die Diözese Rottenburg-Stuttgart Wege, der Glaubens- und Vertrauenskrise, die durch die Missbrauchsskandale in der Kirche ausgelöst wurde, zu begegnen. In zahlreichen Gremien und Veranstaltungen sind die Katholiken im Land aufgerufen, ihre Anfrage und Forderungen an die Kirchenleitung zu formulieren und Vorschläge zur Weiterentwicklung im Glauben zu erarbeiten. Für die Kirchengemeinderäte der vier katholischen Kirchengemeinden Geislingens war dies Anlass, sich am vergangenen Samstag zu einer Klausursitzung zu treffen.

Der Weinstock als Sinnbild für Jesus Christus und die Kirche gab den Impuls für die Fragen, welche wertvollen Früchte der christlichen Gemeinschaft besonderer Pflege bedürfen und welche vertrockneten Reben abgeschnitten gehören. In offener und fröhlicher Gesprächsatmosphäre erarbeiteten die Frauen und Männer zahlreiche Brennpunkte. Fünf vertieften sie.

Bedenklich stimmten viele Teilnehmer der Klausurtagung die mangelnde Beteiligung von Familien und Jugendlichen am kirchlichen Leben. Die kirchliche Haltung zur Rolle der Frau stieß auf große Kritik ebenso wie die verkrusteten, hierarchischen Strukturen in der Kirchenleitung. Der Klärung bedarf nach Ansicht der Diskussionsteilnehmer das Verhältnis von Laien und Geweihten, unter anderem in Bezug auf die liturgischen Dienste. Wie die Weitergabe des Glaubens und seine Verwurzelung im Leben besser gelingen können, war eine weitere Frage, die häufig gestellt wurde.

Themen, die angesprochen wurden, aber nicht weiter vertieft werden konnten, waren zum Beispiel die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit und die Weiterentwicklung der Seelsorgeeinheit in Geislingen.

Deutlich wurde in der Diskussion, dass längst nicht alle Anliegen im Verantwortungsbereich von Gemeinde oder Diözese liegen, wie z.B. die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern. Die Bedürfnisse der Jugendlichen in der Kirche sollen nach Wunsch des Dekanats Göppingen-Geislingen 2013 Themenschwerpunkt sein. Damit sind alle Kirchengemeinden aufgerufen, mit den Heranwachsenden in Dialog zu treten.

Was die Fragen zur Leitungsorganisation der Kirche und zum Verhältnis von Laien und Geweihten angeht, können die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils so wie die Richtlinien für deren Umsetzung Antworten geben, so die Überzeugung der Tagungsteilnehmer. Deshalb lädt die Planungsgruppe "Dialog" am 9. Januar zu einer Folgeveranstaltung ein, bei der Fragestellungen dazu präzisiert werden sollen. Diese sollen dann als Grundlage für weitere Aktivitäten der Gesamtkirchengemeinde dienen.

Alle erarbeiteten Anliegen sollen als Anstoß für den Erneuerungsprozess an die Diözesanleitung weitergeleitet werden.