Geislingen an der Steige Dixielandmusik im Gewölbekeller Burr

Das "Comedian Jazz Quintett", mit Klarinettist Manfred Schütt im Vordergrund, spielt besonders gerne Arrangements der "Hot Five".
Das "Comedian Jazz Quintett", mit Klarinettist Manfred Schütt im Vordergrund, spielt besonders gerne Arrangements der "Hot Five". © Foto: Sabine Graser-Kühnle
SABINE GRASER-KÜHNLE 22.06.2015
Die Zwanziger sind lebendiger denn je: Das "Comedian Jazz Quintett" holte die Musik jener Ära in den Gewölbekeller Burr in Geislingen. Zu hören gab es gepflegte Dixielandmusik auf hohem Niveau.

Der New-Orleans-Jazz der Schwarzen, so, wie ihn die Weißen einst aufgegriffen und über die amerikanischen Südstaaten hinaus berühmt gemacht haben: Das ist Dixieland und Creole Jazz, jene Musik, der sich das "Comedian Jazz Quintett" verschrieben hat: Die Klarinette meist als melodischer Gegenpart zu Trompete und Posaune. Jedes Instrument hat trotz zahlreicher Soli seinen festen Stand in den Werken, und selbst die Rhythmusgruppe, hier Kontrabass (Hansi Schuller) und Tenorbanjo (Martin Schempp) wissen sich hervorzuheben. Nicht selten komplettiert die Gesangstimme als weiteres Instrument das Musikensemble.

Insbesondere die einstige Studioband "Hot Five" mit Louis Armstrong hat es dem Ensemble angetan. Außer in den Tonaufnahmen gab es damals keine gemeinsamen Konzerte dieser Band. Das geschieht nun, rund 90 Jahre später, wenn das "Comedian Jazz Quintett" einige Originalarrangements zwischen seinen eigenen, fein geschliffenen Bläserarrangements des 20er-Jahre-Jazz' im Repertoire hat.

Posaunist Martin Hueber, Organisator der Reihe "Kultur im Gewölbe" nahm als Moderator die Gäste in Zeiten zurück mit, in denen Musiker für verhältnismäßig kleine Gagen alles gaben. Etwa die "Hot Five": "Abends spielten sie verteilt in den Clubs und früh morgens waren sie schon wieder als Band fit im Tonstudio."

Dass das "Comedian Jazz Quintett" aus fünf Profimusikern besteht, ist kennzeichnend für die hohe Qualität des Spiels. Pures Vergnügen ist es, den mit Herzblut agierenden Musikern zuzusehen und ihrer Musik zu lauschen. Wie im nahezu vollen Gewölbekeller Burr, in dem das Publikum nicht mit Zwischenapplaus geizte.

Zum Schwelgen "Darktown Strutter's ball" mit seinen melodischen Klarinettenläufen - ein erstes Stück von Schwarzen, das dank weißer Musiker über New Orleans hinaus bekannt wurde. Wie Streicheleinheiten für die Seele wiederum die weichen Klänge von Trompete (Hans-Peter Ockert) und Klarinette (Manfred Schütt) beim "Westend Blues". Mit dem beliebten "Tiger Rag" schickte die Band das Publikum wohlgelaunt in die Pause. Im zweiten Set jagte ein musikalischer Leckerbissen den anderen: Der "Basin Street Blues", in dem die Finger des Klarinettisten über die Klappen rasten. Größte Begeisterung entlockte Martin Hueber mit Orys "Creole Trombone", geprägt von flirrenden Lippenglissando und knackigen Tonketten in atemraubendem Tempo der Zugposaune.