Verwaltung Rücktritt: Ungewissheit in Amstetten ist vorbei

Im März 2011 war die Welt in Amstetten noch in Ordnung: Kämmerer Karlheinz Beutel (links) gratuliert seinem Chef Jochen Grothe zum dritten Wahlerfolg.
Im März 2011 war die Welt in Amstetten noch in Ordnung: Kämmerer Karlheinz Beutel (links) gratuliert seinem Chef Jochen Grothe zum dritten Wahlerfolg. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Amstetten / Ralf Heisele und Stefan Bentele 13.10.2017
Der Rücktritt von Bürgermeister Jochen Grothe wird in Amstetten mit vielfach Erleichterung aufgenommen.

Ob beim Bäcker oder in der Metzgerei: Das vorzeitige Ausscheiden von Bürgermeister Jochen Grothe war am Freitag das beherrschende Thema in Amstetten. Selbst einige  Rathausmitarbeiter haben erst aus der Zeitung erfahren, dass ihr Chef Ende des Jahres seinen Stuhl räumt.  „Einige waren schon perplex“, berichtete Kämmerer Karlheinz Beutel. Nur er und sein Kollege Manfred Werner sowie die beiden stellvertretenden Bürgermeister Heinrich Schmohl und Werner Meyer wussten Bescheid. Grothe hatte Anfang des Monats seinen Kämmerer und den Ortsbaumeister von dem Antrag auf vorzeitige Entlassung aus dem Beamtenverhältnis informiert.  Beutel: „Wir haben versucht dichtzuhalten, weil wir ja nicht wussten, ob der Antrag angenommen wird.“  Erst am Donnerstagabend wurden die Räte und Mitarbeiter per Mail unterrichtet.

Jochen Grothe selbst sieht sich nicht mehr in der Lage, das Amt eines Bürgermeisters auszuüben. „Für die Amstetter tut es mir leid, dass ich meine Amtszeit nicht voll durchziehen kann“, sagte der 52-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aufgrund meines Krankheitszustands bitte ich um Verständnis für meine Entscheidung.“  Grothe geht davon aus, bis Ende des Jahres nicht mehr ins Rathaus zu kommen. Derzeit ist er wieder zwei Wochen krankgeschrieben. Sollte es ihm nicht besser gehen, werde das so weitergehen, bis er seinen Resturlaub antreten kann. Zukunftspläne hat er noch keine. „Ich weiß ja nicht, wie es mit mir weitergeht.“

Auch in der Postagentur an der Hauptstraße diskutierten die Kunden am Freitag über den Rücktritt Grothes. Nicht wenige hätten die Nachricht „mit Erleichterung“ aufgenommen, sagte Geschäftsinhaber Dieter Wohlfahrt. „Jetzt wissen die Amstetter wenigstens, wo sie dran sind“, fasst der ehemalige Gemeinderat die Stimmung zusammen. Durch die Krankheit des Bürgermeisters sei in der Vergangenheit doch vieles blockiert gewesen, meinte Wohlfahrt und nannte als Beispiel das Chaos mit den Schulcontainern. Wie berichtet, wird die  Gemeinschaftsschule saniert und erweitert, weshalb die Schüler und Lehrer für die nächsten 18 Monate in ein  Containerdorf umziehen mussten. Der ursprünglich anvisierte Standort auf einer Wiese bei der Firma Lederer scheiterte, weil ohne den Bürgermeister der erforderliche Pachtvertrag nicht zustande kam. Erst auf den letzten Drücker wurde ein neuer Standort auf dem Sportplatz bei der Aurainhalle gefunden.  Versuche, den Bürgermeister telefonisch oder per Mail zu erreichen, seien  erfolglos gewesen, sagte der erste stellvertretende Bürgermeister, Heinrich Schmohl, in der jüngsten Ratssitzung.

Erleichtert reagierte der zweite stellvertretende Bürgermeister, Werner Meyer, über den Rücktritt. „Ich bin froh,  dass es nicht noch ein Jahr so weitergeht“. Hätte Grothe  bis zum Ende seiner Wahlperiode im März 2019 gewartet, „wäre die Hängepartie für Amstetten nicht gut gewesen“.

Werner Meyers Blick richtet sich nach vorne. Im Amstetter Gemeinderat müssten jetzt die Weichen für das kommende Jahr gestellt und die Bürgermeisterwahlen organisiert werden. Die Wahlen sollen voraussichtlich im März stattfinden. Bis dahin werden Meyer und Schmohl weiterhin die Verwaltung leiten. Für Meyer ist die Doppelbelastung als Lehrer und „Ersatz-Schultes“  nichts Neues: „Wir machen das ja schon länger.“

Eine mutige Entscheidung

„Die Nachricht hat uns alle überrascht“, teilte Jochen Ogger, Bürgermeister der Nachbargemeinde Lonsee, von einer Dienstreise aus schriftlich mit. Es sei eine „mutige und auch konsequente Entscheidung, die Respekt verdient“, und: „Für Amstetten endet eine Zeit der Ungewissheit“.

Die Zusammenarbeit mit dem Amstetter Bürgermeister in den vergangenen zehn Jahren hat Ogger als positiv empfunden: Man pflege wegen der vielen Berührungspunkte mit der Nachbargemeinde ein sehr gutes und offenes Verhältnis. „Auch persönlich achte und respektiere ich meinen Kollegen. Er wird uns auf jeden Fall fehlen.“

Für die Zukunft ist der Lonseer Bürgermeister überzeugt, dass die Vakanz in Amstetten bis zur Einsetzung eines Nachfolgers gut gemeistert wird. „Amstetten hat eine sehr gute Verwaltung, einen engagierten Gemeinderat und ein starkes bürgerliches Engagement.“