Friedhof Neue Bestattungsformen auch in Nellingen gefragt

So soll das Modul auf dem Nellinger Friedhof einmal aussehen: Hinten die Stelen und davor die Baumgrabstätte. Fotomontage: Firma Weiher
So soll das Modul auf dem Nellinger Friedhof einmal aussehen: Hinten die Stelen und davor die Baumgrabstätte. Fotomontage: Firma Weiher © Foto: Firma Weiher
Nellingen / RALF HEISELE 13.10.2016
Neue Bestattungsformen sind im Kommen: Die Gemeinde Nellingen braucht eine weitere Stelenanlage und legt eine Baumgrabstätte an.

Der Trend ist eindeutig: Auch in Nellingen finden immer weniger Verstorbene in den klassischen Reihengräbern ihre letzte Ruhe. In den vergangenen Jahren sind laut Bürgermeister Franko Kopp rund 80 Prozent der Toten in Urnen bestattet worden – in kleinen Gräbern oder in Stelen. Für Letztere gibt es derzeit nur noch vier freie Plätze. „Die alternativen Bestattungsformen nehmen immer mehr zu“, sagte der Schultes am Dienstagabend bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Gemeinderat auf dem Friedhof. Auch auf dem Land ändert sich das klassische Familienbild. Die Angehörigen hätten immer weniger Zeit, sich um die Pflege der Gräber zu kümmern.

Um für die Zukunft gewappnet zu sein, hat sich die Gemeinde mit der Freiburger Firma Weiher einen kompetenten Partner ins Boot geholt. Deren Fachberater Stefan Lubowitzki erläuterte dem Gremium ein neues Konzept hin zu einem parkähnlichen Friedhof. „Dieser soll nicht nur ein Ort der Toten sein, sondern auch ein Raum für die Lebenden“, sagte der Berater.

Und wie sieht der Plan konkret aus? Die Firma will einen bislang noch als Gräberfeld ausgewiesenen Teil im Süden des Friedhofs umwandeln in einen Bereich mit Urnenstelen und einer Baumgrabstätte. Die Stelen sollen Platz für bis zu 40 Urnen bieten und wie die bisherigen Anlagen aus zwei oder drei übereinanderstehenden Würfeln aus Granit bestehen. Die Kammern sollen aber nicht mit Schrauben verschlossen werden, sondern mit Magneten, um ein böswilliges Aufschrauben zu verhindern. Außerdem soll der Granit nanoversiegelt werden und damit pflegeleichter sein als das bisherige Material. Rund um die einzelnen Stelenanlagen wird auf dem Boden Platz geschaffen, um Blumen oder Gestecke abzulegen.  Die Stelen sollen am südlichen Rand des Feldes vor den bestehenden Hecken installiert werden, mit gepflasterten Zugängen von den Wegen.

Das Baumgräberfeld schließt sich im Norden an. Im Mittelpunkt steht ein noch zu pflanzender Baum, um den herum in einem Radius von 2,5 Metern 15 Gräber in Röhren in der Erde eingelassen werden. Jedes Grab fasst bis zu zwei Urnen und wird mit einer Platte aus Bronzeguss (mit Namensschildern) ebenerdig verschlossen. Bei Bedarf könnten weitere Gräber in einem zweiten Ring angelegt werden.

 Das neue Modul auf dem Nellinger Friedhof ist offen angelegt. Dennoch soll es auch einige „private Räume“ bieten, wie Lubowitzki erläuterte. Aus diesem Grund soll zwischen der Stelenanlage und dem Baumgräberfeld ein Sichtschutz aus Pampagras entstehen, um die beiden Sitzbänke vor den Stelen abzuschirmen.  Dadurch will Lubowitzki einen „intimen Trauerraum“ schaffen, der sehr wichtig sei.

 Im Gemeinderat ist das Konzept gut angekommen.  „Mich hat das System überzeugt“, sagte Bürgermeister Kopp. Bruno Wanderer sprach von einem „richtigen Weg“ und Herbert Bühler freute sich über das neue Angebot der Baumbestattung. Einstimmig fasste das Gremium den Grundsatzbeschluss für das neue Konzept. Im nächsten Schritt berechnet die Verwaltung nun die Kosten und bereitet auf dieser Grundlage die notwendige Satzungsänderung vor. Die Gebühren sollen später einmal die Kosten voll decken.