Eybach / Treffelhausen Die Idylle hautnah erlebt

Eybach / Treffelhausen / SABINE ACKERMANN 01.09.2012
Interessantes über naturnahe Waldwirtschaft, Mühlenzauber und Fischzucht erfuhren die Teilnehmer beim Sommer der VerFührungen im idyllischen Roggental - Planwagenfahrt und leckere Forelle inklusive.

Stets einen Ausflug wert ist das idyllische Roggental. Umso mehr, wenn der Sommer der Ver-Führungen seinem Namen alle Ehre macht und die rund 20 Teilnehmer bei fantastischem Wetter Planwagenfahrt und Besichtigung der Oberen Roggenmühle nebst Fischzucht so richtig genießen können.

Zuerst rührt Gottfried Schön für seinen luftigen Arbeitsplatz fleißig die Werbetrommel. "Am 21. Dezember 1995 wurde das Eybtal als ökologisch hochwertiges Naturschutzgebiet ausgewiesen", verrät der Revierförster, während die erste Gruppe mit zwei Pferdestärken namens Maggy und Nancy und auf vier Rädern die Gegend genießt. Ob über Nutzung und Pflege des Schluchtwalds im Felsental, spannende Geologie mit Karsterscheinungen, Quellen, Bäche, Klingen, Feuchtwiesen, Waldlebensräume oder den Besonderheiten aus der üppigen Tier- und Pflanzenwelt, recht unterhaltsam und kurzweilig weiß der Waldhüter die "Reisenden" zu informieren. "Neben den etwa 400 Tierarten erstaunt immer wieder die abwechslungsreiche Flora und Fauna, von denen mittlerweile zahlreiche Pflanzen und Tiere auf der Roten Liste stehen. Außerdem wachsen hier 500 Gefäßpflanzenarten, wobei Moos-, Flechten- sowie Pilzgewächse diesbezüglich noch nicht einmal untersucht wurden", erzählt Schön und ergänzt: "Allein auf einer Fläche von 170 Hektar verstecken sich 130 Waldbiotope."

Der Revierförster schaut nicht nur im Wald nach dem Rechten. Er wird auch keinesfalls müde, die Teilnehmer für die Natur zu sensibilisieren. Freilich nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit (s)einer gehörigen Portion Humor - den er selbst beim sagenumwobenen Mordloch beibehält. Schenken manche der Legende Glauben, dass dort in schon lange vergangenen Tagen ein Wilderer den Eybacher Förster ermordet und versteckt haben soll, ist es - gemessen an den 4320 Metern - für andere ganz nüchtern die zweitlängste Höhle der Schwäbischen Alb.

Wieder am Ausgangspunkt bei der Oberen Roggenmühle angekommen, erwartet Mühlenbesitzer Martin Seitz seine Gäste und schildert gelassen die auffällig windschiefen Gegebenheiten seines historischen Zuhauses: "20 Zentimeter Diagonalgefälle in jedem Zimmer, mal eben Schrank, Tisch oder Stuhl hinstellen ist nicht." 1371 erbaute Graf Hansen von Rechberg die Mühle, 1535 ging sie an die Reichsstadt Ulm. In der Zeit von 1600 bis 1857 wechselten sieben Besitzer, bis Georg Köpf als letzter Roggenmüller 59 Jahre lang den Mühlenbetrieb aufrecht erhielt. 1949 erwarb der Günzburger Anton Seitz das gesamte Anwesen und funktionierte es zur Gaststätte um. Seit 2000 betreiben Martin und Irene Seitz in vierter Generation die Obere Roggenmühle. Anschaulich plaudert Seitz über seine Kindheitserlebnisse in und um die Mühle. "20 Pfennige kostete 1954 die Übernachtung auf alten Feldbetten, inklusive Frühstück und Plumpsklo und Licht von der einzigen Glühbirne gab es nur, wenn das (extrem laute) Wasserrad lief." Obwohl in seinem Jugendzimmer mangels Öfen schon mal die Getränke einfroren, schwärmt der 50-Jährige von den alten Zeiten. Erst ab 1982 versorgte eine Turbine das Haus zusätzlich mit Strom, zuvor musste man den Eisschrank ausstecken, wenn man fernsehen wollte.

Wahrscheinlich hätten die Teilnehmer noch lange zuhören können, doch hinter der Mühle warten die Fischteiche auf die Besichtigung. Und in diesen schwimmen ausschließlich Speiseforellen eines Jahrgangs. Im Rauch hängen gut und gerne 1000 Fische mit einem Gewicht zwischen 280 und 300 Gramm - bis das erreicht ist, können schon mal drei Jahre vergehen. "Früher haben wir selbst gezüchtet, doch das war viel zu arbeitsaufwendig und zeitintensiv. Mittlerweile kaufen wir die drei bis vier Zentimeter große Brut", erklärt Martin Seitz. "Das Alter der Forellen spielt beim Geschmack keine Rolle. Ein Fisch schmeckt so wie das Wasser ist".

Nachdem die Gäste viel über die Teichbewohner erfahren haben und auch beim Fischen dabei sein durften, lagen die fangfrischen Forellen keine 30 Minuten später zart und leicht gebräunt auf ihren Tellern. Spannend, interessant, lustig sowie lecker - waren sich die Teilnehmer über diesen vielseitigen Tag im Roggental einig.

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