Geislingen/Nürtingen Die HfWU will mehr Professorinnen

In Deutschland ist nur rund jede fünfte Professur mit einer Frau besetzt. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen erfüllt zwar den Schnitt, der Gleichstellungsbeauftragten Isabel Acker ist das aber zu wenig. Sie möchte mit Förderprogrammen mehr Frauen in die Lehre holen.
In Deutschland ist nur rund jede fünfte Professur mit einer Frau besetzt. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen erfüllt zwar den Schnitt, der Gleichstellungsbeauftragten Isabel Acker ist das aber zu wenig. Sie möchte mit Förderprogrammen mehr Frauen in die Lehre holen. © Foto: dpa
Geislingen/Nürtingen / SWP 18.01.2018
Die Gleichstellungsbeauftragte Isabel Acker der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt möchte mehr Frauen in der Lehre.

Bei den Professuren sei der Frauenanteil noch immer sehr gering, heißt es im aktuellen Gleichstellungsbericht der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). In Deutschland ist nur rund jede fünfte Professur mit einer Frau besetzt.

Die HfWU erfülle zwar den Schnitt, wolle sich aber darauf nicht ausruhen. „Wir brauchen mehr Professorinnen“, fordert die Gleichstellungsbeauftragte Professorin Dr. Isabel Acker. „Und um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir vor allem mehr Bewerberinnen.“

Mit Mentoring Frauen fördern

Eine der Maßnahmen, um qualifizierte Frauen auf den Beruf aufmerksam zu machen und sie dorthin zu begleiten, ist das „CoMenT“-Projekt „Traumberuf Professorin“. Dabei handelt es sich um ein Verbundprojekt mit sechs Hochschulen im Land (siehe Infokasten). Die Abkürzung stehe für Coaching-, Mentoring- und Trainingsprogramm für mehr Frauen in Führungspositionen, teilt Acker mit. Für das Mentoring werden Tandems gebildet: Eine Mentorin oder ein Mentor, also Professorinnen oder Professoren, betreuen eine hoch qualifizierte, meist promovierte Frau aus der Wirtschaft.

Gleich in der ersten Runde hätten an der HfWU zwei Tandems zusammengefunden, so Acker. Insgesamt werde es drei Runden geben, jeweils mit einer Laufzeit von einem Jahr. Es sei schön, dass die HfWU an dem Projekt teilnehme; dieses werde sicher helfen, mehr Frauen für eine Professur zu gewinnen.

Isabel Acker, die selbst Professorin an der Fakultät für Wirtschaft und Recht ist, ist insgesamt zufrieden mit den Erfolgen der Gleichstellung im vergangenen Jahr. Auch Gleichstellungsreferentin Margit Wirth-Vogt freut sich über die aktuellen Entwicklungen. Sie ist seit über 20 Jahren an der HfWU tätig und sagt: „Die Gleichstellung nimmt zunehmend Fahrt auf.“ Dies sei nicht zuletzt Rektor Professor Dr. Andreas Frey zu verdanken, der das Thema auf vielen Ebenen intensiv unterstütze.

Eine Stärke der HfWU ist laut Isabel Acker und Margit Wirth-Vogt der hohe Anteil von Studentinnen – bei den Bachelorstudiengängen seien dies 54 Prozent. Zum ersten Mal ist auch jeder zweite Masterstudent weiblich.

Weitere Themen der Gleichstellungsarbeit waren 2017:

■ Seit kurzem gibt es den Gleichstellungspreis für Abschlussarbeiten, der dazu dient die Studenten für das Thema zu sensibilisieren. Ausgezeichnet werden ­Bachelor-, Master- und Promotionsarbeiten, die qualitativ herausragend sind und ein für die Geschlechter- oder Genderforschung relevantes Thema bearbeiten.

■ Dank des novellierten Mutterschutzgesetzes gelten die Bestimmungen des Mutterschutzes nun auch für Studentinnen. Acker: „An der HfWU hatten wir schon lange individuelle Beratungen und Lösungen bei dem Thema, etwa durch die Prüfungsausschüsse.“ Nun werde das Ganze verbindlich. Ein „Runder Tisch Mutterschutz“ kümmert sich um die Umsetzung des Gesetzes an der HfWU.

■ Derzeit wird der Internetauftritt zur Gleichstellung und zur Familienfreundlichkeit der HfWU verbessert. So sollen Hochschulangehörige in Zukunft beispielsweise schneller ersehen können, wohin sie sich im Fall von sexueller Belästigung wenden können.

■ Ein weiteres Projekt ist die Erstellung eines Leitfadens zur Familienverantwortung (Kinderbetreuung sowie Pflege von Angehörigen).

■ Im September trat die HfWU dem Best Practice-Club „Familie in der Hochschule“ bei.

Der Gleichstellungsbericht der Hochschule befasst sich auch mit dem aktuellen Jahr. Die HfWU werde sich für das Professorinnenprogramm 2018-22 bewerben, verkündet Acker. Bei diesem werden über eine Anschubfinanzierung Erstberufungen von Frauen auf eine Professur gefördert. ­Voraussetzung für die Aufnahme ins Förderprogramm sei ein sehr ­gutes Gleichstellungskonzept.

Im Mai beantragt die HfWU zum dritten Mal die Verleihung des sogenannten Total E-Quality-Prädikats. Dieses erhalten Organisationen, die sich um die Chancengleichheit verdient gemacht haben. Voraussetzung für das Prädikat ist eine Bestandsaufnahme bisheriger Aktivitäten und geplanter Weiterentwicklungen. Acker sieht keine großen Schwierigkeiten: „Wir haben in den vergangenen drei Jahren sehr viel gemacht und haben weiterhin gute neue Ideen für die Zukunft.“

Partnerhochschulen des Professorinnen-Projekts

Die HfWU arbeitet zusammen mit der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft, der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, der Hochschule für öffentliche Verwaltung und ­Finanzen Ludwigsburg, der Stuttgarter Hochschule der Medien sowie den Hochschulen Mannheim und ­Konstanz.