Im Schein vieler großer Kerzen erstrahlte die Geislinger Stadtkirche schöner denn je in festlichem Glanz, als sie beim traditionellen, stimmungsvollen Weihnachtsliedersingen am frühen Abend des ersten Weihnachtsfeiertags fast bis auf den letzten Platz besetzt war. Seit 1985 kommt eine längst sehr große Gemeinde zusammen, um, begleitet von der Stadtkapelle, gemeinsam bekannte Weihnachtslieder zu singen. Zum 19. und letzten Mal - vor ihrem Ausscheiden als Dekanin zur Jahresmitte 2014 - leitete Gerlinde Hühn dieses Benefizsingen zugunsten der GZ-Weihnachtsaktion "Gemeinsam gehts besser". In diesem Jahr kommen die Spenden der Besucher der Einrichtung eines Demenzgartens beim Samariterstift und der Anschaffung von Dienstkleidung fürs DRK zugute.

Die Dekanin und die Stadtkapelle hatten erneut traditionelle Weihnachtslieder für die große gemeinsame Singstunde ausgewählt - seien es Stille Nacht und O du fröhliche, seien es Maria durch ein Dornwald ging oder Zu Bethlehem geboren. Beschwingt und schnell intonierte die Stadtkapelle "Fröhliche Weihnacht überall", während sie zum Beispiel bei Leise rieselt der Schnee - das sie in langsamem Takt begleitete - die Endtöne der Liedzeilen lange ausklingen ließ.

Dekanin Hühn trug kurze Gedichte und Prosatexte rund um das Wunder der Weihnacht vor - von Schubart über Eichendorff bis Trakl und Bonhoeffer. Viele Beiträge rankten sich um die Symbolik des Lichts und des Sterns als Hoffnungszeichen in dunkler Nacht. Die Dekanin las die Weihnachtsgeschichte, sprach Gebete und erteilte den Segen. Und sie merkte an, dass viele Weihnachtslieder in Notzeiten entstanden seien. Letztlich seien sie Protestlieder gegen Ungerechtigkeit, Krieg, Hunger und Tod, sie seien die "in Noten gegossene Weigerung", sich mit dem Zustand der Welt abzufinden.

Applaus ernteten die Musiker der Stadtkapelle, die nicht auf der Empore, sondern für die Gemeinde sichtbar vor dem Chor Platz genommen hatten, mit drei stilistisch sehr unterschiedlichen Instrumentalbeiträgen. Getragen und sich vom Piano zum Forte steigernd, intonierte das Bläserensemble unter Leitung von Walter Popp Highland Cathedral; in einem Zwischenspiel kostete es die gefühlvolle Wiegenlied-Melodie von Guten Abend, gut" Nacht nach Johannes Brahms voll aus; zum Abschluss wurde die Stadtkapelle bei einem swingenden Medley bekannter amerikanischer Weihnachts- und Wintermelodien zur Bigband.