Engagement Die Arbeitsgruppen halten an ihren Plänen für Weiler fest

Unser Archivbild vom März zeigt Weilerner, die sich bei der Bürgerversammlung im Ödenturmsaal rege über die Entwicklung ihres Stadtbezirks austauschen. In sechs Arbeitsgruppen, die sich damals gebildet haben, setzen sie nun viele der Ideen um.
Unser Archivbild vom März zeigt Weilerner, die sich bei der Bürgerversammlung im Ödenturmsaal rege über die Entwicklung ihres Stadtbezirks austauschen. In sechs Arbeitsgruppen, die sich damals gebildet haben, setzen sie nun viele der Ideen um. © Foto: Markus Sontheimer
Weiler / Isabelle Jahn 06.06.2017
Die Weilerner treiben ihr Bürgerprojekt „Wir gestalten unsere Zukunft“ voran. Die AG Jugend richtet sich bereits einen neuen Treffpunkt ein.

Mehr als 100 Weilerner und damit knapp ein Sechstel aller Einwohner des Geislinger Stadtbezirks kamen im März in den Ödenturmsaal, um an der Zukunft ihres Heimatortes mitzuwirken (wir berichteten). Und auch knapp drei Monate später hält das Engagement für das Bürgerprojekt „Wir gestalten unsere Zukunft“ an: In sechs Arbeitsgruppen wird fleißig geplant, und die ein oder andere Idee wurde bereits verwirklicht, wie die Ortschaftsräte als Paten in ihrer jüngsten Sitzung berichtet haben.

„Die Jugend ist schon am allerweitesten“, erzählt Ortsvorsteherin Bettina Maschke von den Ergebnissen. Während überwiegend die „Großen“ den Jugend­treff beim Lindenhof nutzen, wollten die Zwölf- bis 15-Jährigen ein eigenes Refugium. Kurzerhand hat die AG Jugend einen Container aufgetrieben, der jetzt auf Vordermann gebracht und als Aufenthaltsraum eingerichtet wird, berichtet Maschke. Der steht in der Nähe des anderen Jugendtreffs, und alle gemeinsam nutzen die Grillstelle. „So haben die Jungen ihr eigenes Ding, bekommen aber Unterstützung“, sagt die Ortsvorsteherin.

Auch bei der AG Veranstaltungen geht’s voran: Anfang der Sommerferien soll die Baumallee beim Wagrain eingeweiht werden, die im vergangenen Jahr von der Kreisstraße 1441 Richtung Schalkstetten versetzt werden musste (wir berichteten). In Arbeit ist eine Tafel mit Fotos, die aufgestellt werden und an die Aktion erinnern soll. Bei einem Lagerfeuer sollen die Weilerner ungezwungen zusammenkommen, sich austauschen und Musik machen.

Neben weiteren Veranstaltungen plant die Arbeitsgruppe eine Märchen-Leserunde beim Ödenturm, kulturelle Veranstaltungen in einer Scheune und einen kleinen Weihnachtsmarkt. Zudem hat die Arbeitsgruppe ein Kaffee-Auto im Sinn, das bei Festen die Gäste mit Kaffee und Kuchen versorgt.

Auf unterschiedliche Art und Weise das Miteinander im Ort stärken will auch die AG Weiler. Obendrein soll der ländliche Charakter bewahrt werden: Schilder auf Streuobstwiesen sollen Bürger darauf aufmerksam machen, von welchen Bäumen und Sträuchern sie naschen dürfen. Die marode Hofstetter Hülbe soll ausgebessert werden.

Die Mitglieder der AG Wanderwege haben sich bereits zu zwei Wanderungen getroffen, um die Rad- und Wanderwege zu begutachten und zu protokollieren. „Jedes Mal sind alle gekommen“, lobt Bettina Maschke. An der gefährlichen Stelle unter dem Bismarckfelsen, an der die Steige verläuft, wurden bereits Verkehrsschilder aufgestellt. Auto- und Motorradfahrer werden auf Fußgänger hingewiesen und sollen besonders vorsichtig fahren. Müll ist ein weiteres Thema, mit dem sich die Arbeitsgruppe beschäftigt: Auf dem Wanderparkplatz will sie unter anderem Abfallbehälter für Hundekot-Tüten aufstellen.

An einem Anhalter-Bänkle ist die AG Soziales Miteinander dran. Von dort aus können Autofahrer wartende Fußgänger mitnehmen. Unter den Bürgern haben sich bereits Spender gefunden, jetzt wird nur noch nach dem geeigneten Standort gesucht. Die Idee soll noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Bettina Maschke ist überzeugt davon, dass so ein Mitfahr-Konzept funktioniert: „Das ist eine Weiler Tradition.“ Viele Autofahrer würden Schüler bereits jetzt aus Geislingen mitnehmen, die kurz vor der Steige stehen und keinen Bus erwischt haben.

Ein Schwarzes Brett im Alten Schulhaus dient für Aushänge unterschiedlicher Art: Wer zum Beispiel etwas verkaufen, kaufen oder verschenken möchte, kann dort einen Zettel aufhängen. Vor allem für ältere Menschen, die kein Handy oder kein Internet haben, sei das eine gute Alternative zu Verkaufsplattformen.

Während sich die genannten Projekte größtenteils gut finanzieren ließen, sei der geplante Dorfplatz ein größerer Brocken, sagt die Ortsvorsteherin – die Hoffnung lautet Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR). „Auch, wenn der Dorfplatz vielleicht noch nicht in zwei, drei Jahren realisiert wird, wollen wir schon planen“, sagt Maschke. Die AG Dorfplatz tendiere zu einem „kleinen und gemütlichen Plätzchen“ mit einem Brunnen. Das wichtigste sei, dass der Platz belebt werde. Die Ortsvorsteherin lobt, dass sich so viele Bürger beteiligen und sich zu Besprechungen treffen, obwohl das Projekt viel Geduld erfordert. Auch die Geislinger Stadtverwaltung unterstütze die Bürger in vielerlei Hinsicht. „Da zeigt sich Bewegung im Ort.“