Sanierung Der schiefe Turm von Geislingen

Geislingen / Stefanie Schmidt 16.06.2018

Pünktlich zum Hock hätte das Gerüst am Alten Rathaus eigentlich abgebaut werden sollen. In der letzten Phase der Sanierung sorgt der unerwartet schlechte Zustand des  Eckturms nun dafür, dass die Arbeiten noch bis Oktober andauern werden. Da Turm in den vergangenen  Jahrzehnten immer weiter gekippt sei, habe man vermutet, dass es mit dem Gebälk im Inneren nicht zum Besten steht, erläutert Stadtbauamtsleiter Karl Vogelmann. Das „gravierende“ Ausmaß des Schadens, sei dann aber doch eine böse Überraschung gewesen. Durch eindringendes Wasser  hat sich Holz angefangen zu zersetzen, an manchen Stellen haben sich Schimmel und Schwämme ausgebreitet.

Bevor  die Zimmerleute der Geislinger Firma Holzbau Stahl die Balken austauschen und alle Schäden beheben können, mussten  sie den Turm zuerst anheben und im wahrsten Sinne des Wortes wieder ins Lot bringen. An der Spitze habe sich der Turm 40 Zentimeter „aus dem Senkel“ geneigt und an der Basis sei er um zwölf Zentimeter abgesackt, erzählt Diplom-Ingenieur Martin Stahl.  In der vergangenen Woche wurden dazu mit Hilfe eines Krans zwei Rundholzstützen  an der Vorderseite des Gebäudes angebracht, die den Turm abstützen und seine Last sozusagen in den Boden leiten.

Die Hauptarbeit verrichten allerdings Winden und Spindeln, die die Zimmerleute an acht Stellen unter  den tragenden Balken an der Basis des Turms angebracht haben. Insgesamt drücken  sie das Gebälk mit  einer Kraft von über 50 Tonnen nach oben, erklärt Martin Stahl.  So wurde Turm in den vergangenen Tagen Stück für Stück wieder angehoben.  „Wir drücken etwa zwei- bis dreimal am Tag“, erläutert Stahl. Dazwischen muss sich das statische System immer wieder erholen und ein neues Gleichgewicht finden.  Dabei kommen nicht nur die Balken in Bewegung, sondern auch das Mauerwerk. „Inzwischen haben wir den Turm fast wieder ganz oben“, sagt Stahl.

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