Wetter Der Oktober: Zu kühl, zu trocken, zu trübe

Der Jakobsweg bei Gussenstadt. Von den Wiesen verziehen sich am Morgen die Nebelschleier, die Sonne lässt sich jedoch nicht sehen – ein häufiger Anblick im Oktober.  Foto: Jochen Weis
Der Jakobsweg bei Gussenstadt. Von den Wiesen verziehen sich am Morgen die Nebelschleier, die Sonne lässt sich jedoch nicht sehen – ein häufiger Anblick im Oktober. Foto: Jochen Weis © Foto: Jochen Weis
Raum Geislingen / Jochen Weis 02.11.2016

Gemeinhin wird dem Oktober das Attribut „golden“ angehängt. Wer in der Rückschau seine rosa Brille abnimmt, der kommt eher zu dem Schluss: Der Oktober war ein trüber Geselle. Woran lag’s? Der Deutsche Wetter-Dienst (DWD) bringt es in seiner Oktoberbilanz etwas sachlich-trocken, dafür treffend auf den Punkt: „Ein außergewöhnlich starkes Hochdruckgebiet blockierte im Oktober 2016 die Zugbahn atlantischer Tiefdruckgebiete nach Osteuropa. Diese blieben so meist über West- oder Mitteleuropa hängen. Während des ganzen Monats konnte damit, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wolkenreiche und meist kühle Luft einfließen.“

Für die hiesige Region bedeutet das dreierlei: Der Oktober war etwas zu kühl, und zwar mit einem Schnitt von 7,1 Grad um genau 0,8 Grad (Vorjahr 7 Grad). Der Oktober war wie die meisten Monate in diesem Jahr zu trocken, mit 56,1 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter regnete es lediglich 78 Prozent der sonst üblichen Menge (Vorjahr 30 Liter). Und last but not least: Der Oktober war viel zu trübe, bei 74,3 Stunden Sonnenschein schaffte der abgelaufene Monat nur 58 Prozent dessen, was sonst so den goldenen Oktober ausmacht (Vorjahr 62,9 Stunden). So hat es die Wetterwarte Stötten in ihrer Statistik festgehalten.

Nun soll der Oktober nicht völlig madig gemacht werden, es gab ja immerhin goldene Sprengsel. Nach einem hoffnungsvollen Start mit 18 Grad – übrigens der Monatshöchstwert – dümpelten die Temperaturen bis zur Monatsmitte im Bereich von 6 bis 10 Grad, ehe sie für drei sonnige Tage auf Werte von 14 bis knapp 16 Grad anstiegen. In diesen Zeitraum fällt zugleich der sonnenscheinreichste Tag des Monats, 9,7 Stunden waren es am 16. Oktober. Zum Monatsausklang ließ sich denn auch noch mal die Sonne für einige Tage blicken. Diesmal hielten die Temperaturen allerdings nicht mehr ganz Schritt, pendelten vielmehr zwischen 10 und 12 Grad.

Unterm Strich überwogen aber die trüben Tage, 17 an der Zahl gab es. Zum Vergleich: Nur neunmal schien die Sonne länger als vier Stunden, nur fünfmal länger als sechs Stunden und gar nur einmal länger als acht Stunden. Zudem waberte wieder ordentlich Herbstnebel durch die Lande, 18 Tage zählten die Stöttener Wetterbeobachter für die Region. Allen Sonnenanbetern sei zum Trost eines gesagt: In Baden-Württemberg mit seinen 80 Stunden Sonnenschein und selbst im Kreis Göppingen hatten es die Menschen noch ganz gut erwischt, für Deutschland lag das Monatsmittel bei nur 60 Stunden. Dafür war es dort am wärmsten, wo es die Süddeutschen eher nicht erwarten würden: Bei den Nordlichtern in Schleswig-Holstein und Hamburg mit jeweils 9,3 Grad Celsius. Die beiden Länder lagen damit um 0,7 Grad über dem Bundesdurchschnitt.

„Danielle“ bringt Regen

Dass der vergangene Monat wenigstens nicht ganz staubtrocken war, verdankt er einer regnerischen Woche zwischen dem 17. und 25. Oktober, als sich das Tiefdruckgebiet „Danielle“ über Deutschland breitgemacht hatte. Da fielen allein an vier Tagen knapp 36 der insgesamt 56 Liter – was nebenbei erwähnt zugleich dem Durchschnittswert für ganz Deutschland entspricht. Regenreichster Tag in der Region war der 17. Oktober mit 9,8 Liter.

Blickt man auf die Historie der Wetteraufzeichnungen in Stötten seit dem Beginn 1946, ist der abgelaufene Oktober weit weg von irgendwelchen Extremen. Beispiel Temperatur: 2001 schaffte der Oktober im Mittel bislang unerreichte 11,9 Grad. Am unteren Ende der Skala hält sich unverdrossen der Oktober 1974 mit 2,5 Grad. Bei den Niederschlägen klaffen die Pole noch weiter auseinander: Im Oktober 1998 regnete es und regnete es und regnete es, bis schließlich 254,7 Liter zusammenkamen. Im Oktober 1969 dagegen war schon Schluss bevor es richtig angefangen hatte: drei Liter an 31 Tagen – unangefochtener regionaler Minusrekord. Bei der Sonnenscheindauer schließlich ist der Oktober 1947 mit 209,5 Stunden bis heute unerreicht, ebenso der Oktober 1974 mit 23,4 Stunden.

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