Zahlreiche Besucher erhielten am Wochenende beim "Sommer der Ver-Führungen" auf Schloss Weißenstein spannende Einblicke in eine Welt, die dem menschlichen Auge ansonsten verborgen bleibt: Hierzu unternahm die Familie Kage mit Jung und Alt eine faszinierende Reise, bei der die Teilnehmer nicht nur allerhand über Mikrofotografie und Nano-Technologien erfuhren, sondern auch in die bezaubernden Welten von Insekten und Mikroorganismen hautnah eintauchen konnten.

Die Schönheit der vielfältigen Formen und Strukturen der Natur konnten dabei auf unterschiedliche Weise unter die Lupe genommen werden. Mithilfe von Stereo-Mikroskopen war es beispielsweise möglich, die Schuppen eines Schmetterlingflügels zu betrachten oder die glitzernde Schönheit kleiner Erzwespen zu entdecken. Völlig aus dem Häuschen waren die Besucher allerdings von dem Blick in ein Facettenauge einer Fliege.

Mit acht Jahren habe er bei seinem Onkel erstmals den Blick durch ein golden lackiertes Mikroskop geworfen und sein erstes Präparat von einzelligen Pflanzen in Händen gehalten, erzählte Manfred Kage den gespannt lauschenden Teilnehmern der Führung. "Von den einzigartigen Formen war ich vollkommen begeistert", berichtete er. Der gebürtig aus Delitzsch stammende Mikrofotograf erzählte, wie er später als Junge zunächst mit einem geliehenen Mikroskop den "Hausgarten und die Küche unsicher" gemacht habe, bevor er sich im Alter von zwölf Jahren ein eigenes Mikroskop gebastelt und sich hierfür die einzelnen Bauteile im vom Krieg zerstörten Stuttgart mühsam zusammengesucht habe.

Bei soviel tüftlerischem Geschick, ist es nicht weiter verwunderlich, dass später auch einige Erfindungen im Bereich der Mikrofotografie auf sein Konto gingen: Während der gelernte Chemotechniker 1957 den "Polychromator" entwickelte, mit dem es ihm möglich war, Aufnahmen mit den verschiedensten Farbvariationen zu gestalten, gelang es ihm 20 Jahre später die bis dahin schwarz-weißen Bilder eines Rasterelektronenmikroskops erstmals in Farbe zu präsentieren.

1960 gründete Kage das "Institut für wissenschaftliche Fotografie", das bereits seit Jahren im Schloss Weißenstein beheimatet ist. Mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Frau Christina, seiner Tochter Ninja-Nadine und deren Lebensgefährten Oliver Gerstenberger widmet sich Kage dabei der Aufgabe, die bezaubernden Details der Mikrowelten mit modernster Technik in Filmen und kunstvollen Fotografien festzuhalten.

Einen Eindruck über die faszinierenden Ergebnisse erhielten die Besucher dabei nicht nur über eine beeindruckende Multi-Media-Show, sondern auch bei einem Gang durch die Bildergalerie, bei dem die Ver-Führten natürlich weit mehr als nur die Welt der Insekten zu Gesicht bekamen: Neben kunstvollen Mikrofotografien von Kristallen, zogen die Besucher unter anderem auch die Aufnahmen von winzigen botanischen Details in Bann. Ein wahres Highlight erwartete die Teilnehmer zudem im Mikrotheater, wo lebende Kleinstorganismen wie rote Mückenlarven, Wasserasseln, Wasserflöhe oder auch Muschelkrebse mit einer Live-Vorführung derart "genau unter die Lupe" genommen wurden, dass die Zuschauer sogar den Blutkreislauf einer Wasserassel beobachten konnten.

Natürlich gab es auch allerlei Informationen rund um das märchenhafte Schloss Weißenstein. "1241 wurde die ursprüngliche Burg der Ritter von Weißenstein erstmals erwähnt", erklärte Ninja-Nadine Kage der Besuchergruppe. Im 14. Jahrhundert seien dann die Grafen von Rechberg in den Besitz der Burg gekommen, die später das Schloss bauten, erfuhren die Zuhörer in der Schlosskapelle, die im 15. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt und in den vergangenen Jahrhunderten zweimal renoviert wurde. "Einmal im barocken Stil und einmal im neugotischen Stil", informierte die Tochter von Kage. Ihr Vater habe das Schloss 1971 erworben, erzählte sie. "In einem solchen Gebäude zu leben und zu arbeiten ist schön, aber auch eine große Aufgabe", betonte die Diplom-Biologin.

Immer wieder seien Renovierungsarbeiten erforderlich und in naher Zukunft stünden nicht nur Arbeiten an der Kapelle an, sondern es sei in den nächsten Jahren auch geplant, den überdachten Kirchgang mit einem Restaurator wieder begehbar zu machen. "Der Kirchgang ist eine echte Rarität und existiert in dieser Form wohl nur viermal in Deutschland", erläuterte die Gästeführerin.

Schon ver-führt?