Geislingen an der Steige Der Aufschrei fehlt

Lässt seine Grübchen spielen und verbreitet gute Laune: Uwe X. war am Sonntag bei der Volksmission Geislingen zu Gast. Foto: Claudia Burst
Lässt seine Grübchen spielen und verbreitet gute Laune: Uwe X. war am Sonntag bei der Volksmission Geislingen zu Gast. Foto: Claudia Burst
Geislingen an der Steige / CLAUDIA BURST 01.04.2014
Das war kein Konzert zum Abschalten und sich einlullen lassen: Der Liedermacher und Pastor Uwe X. packt tiefgründige Gedanken in Liedtexte und rüttelt damit seine Zuhörer auf - in Geislingen hatte er 90 Gäste.

Er scheint sich selber nicht allzu ernst zu nehmen. Uwe Schäfer, der gemeinsam mit Jojo Wolter am Sonntagabend im Gottesdienstraum der Geislinger Volksmission als Liedermacher Uwe X. auftrat, lachte viel, ließ seine Grübchen spielen, verbreitete gute Laune. Seine Message lautet: Gib jetzt bloß nicht auf. Es lohnt sich zu kämpfen. Für sich und für andere einzutreten.

Aber obwohl der Mann mit dem grauen, zum Schwanz zusammengebundenen Haaren Pastor ist, predigt er nicht. Er erzählt von alltäglichen Dingen, die jeder kennt und packt das Groteske darin in Worte, die er singt. Mit ausdrucksstarker Stimme und vor allem mit Leidenschaft. Dabei geht es etwa um Menschen, die "ihre Meinung zu etwas sagen, von dem sie keine Ahnung haben". Oder um den Selbstwert "Wir sind als Unikate geboren - viele liegen als billige Kopien im Sarg."

Als er jedoch "das Thema, das mich gefunden hat" anprangert, sind keine Grübchen mehr zu sehen, da schafft es der 50-Jährige nicht mehr, Humor durchblitzen zu lassen. "Es gibt kein anderes Thema, das mich fassungsloser oder wütender macht als Kinderprostitution", sagt er und sagt mit rheinischer Direktheit: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich da kotzen will!" Kinderprostitution gebe es nicht nur in Afrika und in Asien, das gebe es mitten in Deutschland oder im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. "Und der Aufschrei der Medien fehlt - weil es Leute aus jeder Bevölkerungsgruppe sind, die das tun!"

Darum wirbt Uwe Schäfer bei jedem Konzert um Unterstützer für seine Initiative "SchlussStrich e.V.", mit der er bereits bestehenden Projekten gegen Kinderprostitution in Deutschland finanziell den Rücken stärkt. "Klar ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt er und bemüht den jüdischen Talmud mit dem Zitat: "Wer eine Seele rettet, rettet die ganze Welt". Auch dazu singt er das passende Lied - es dauert eine Weile, bis der Beifall dazu einsetzt. Die Menschen sind betroffen.

Aber er wird dann wieder fröhlich, dankt seinem Herrn im Lied dafür, dass er glauben kann, überlegt, warum mancher "eigentlich" was tun will aber das Leben meist "uneigentlich" daher kommt. Wichtig ist, das kommt rüber, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Der Beifall ist groß am Ende, und Uwe X. verkauft einige seiner CD, mit denen er "SchlussStrich" unterstützt. Seine Message kam an.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel