wahlkreis:Geislingen (10) Der 24-jährige René Niess aus Salach will für Die Linke in den Landtag

René Niess vor der Helfenstein Klinik Geislingen
René Niess vor der Helfenstein Klinik Geislingen © Foto: Markus Sontheimer
MICHAEL RAHNEFELD 19.02.2016
René Niess ist der jüngste der Kandidaten im Wahlkreis Geislingen. Für die Partei "Die Linke" will er in den Stuttgarter Landtag gewählt werden, wohl wissend, dass seine Chancen gering sind. Sein Credo: Mehr Gerechtigkeit.

Er ist jung, er ist klug und er ist sehr strebsam. Nicht nur, was seine eigene Bildung angeht, sondern auch, wenn es um Gerechtigkeit in der Gesellschaft geht. Und er ist freundlich, offen und ehrlich. Als Junge aus einer Arbeiterfamilie müsste René Niess eigener Aussage nach eigentlich Mitglied in der SPD sein, "wenn diese Partei noch die Werte und Interessen der Arbeitnehmer vertrete", sagt er schmunzelnd. Aber Schröder und Müntefering haben die SPD ruiniert, so wandte sich der junge Mann, der schon während der Schulzeit politisch interessiert war, den Linken zu. Dass diese Partei fast 26 Jahre nach der Wende mit dem Stigma als Nachfolgeorganisation der SED leben muss, macht ihm wenig aus. "Als ich geboren wurde, gab es keine Mauer und keine SED mehr. Ich bin in dieser Partei, und ich bin von den inhaltlichen Dingen und dem Parteiprogramm überzeugt", sagt Niess. Weil er sich durch seine Ausbildungszeit nach Geislingen hingezogen fühlt, kandidiert der junge Mann, der Schul- und Berufsausbildung mit sehr guten Noten und Preisen absolviert hat, im Wahlkreis 11 Geislingen.

Von der großen Politik ist René Niess, der noch ein Masterstudium anhängen will, bislang völlig unbeleckt. "Durch das Praxissemester war es mir möglich, mich auf den Wahlkampf vorzubereiten". Wobei sich der Wahlkampf vorwiegend auf den Plakatwänden, auf Flyern und an Infoständen abspielen wird. Am 24. Februar stellt sich Niess aber auf dem Podium in der Rätsche bei einem Diskussionsabend für die Jung- und Erstwähler vor. Und am 4. März will er auf Einladung des Gewerbevereins Gruibingen im Gasthof "Krone" ebenfalls den Wählern Rede und Antwort stehen.

Und was ist nun seine Politik, für die sich der junge, ledige Mann künftig stark machen will? Klar, soziale Gerechtigkeit, Umverteilung, denn die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Im Angesicht von Altersarmut, in die diese Gesellschaft seiner Ansicht nach ungebremst hineinschlittert, spricht sich der Linke-Kandidat für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Und von Arbeit, so sagt er sehr dezidiert, sollte man würdevoll leben können. Jegliche Art von Ausbeutung lehnt er ab. Dass gerade auf diesem Gebiet viele seiner Vorstellungen eigentlich genau das Klientel betrifft, das sich jetzt der AfD zuwendet, findet der junge Mann jammerschade. "Jahrelang haben wir den Leuten aufgezeigt, dass etwas schief läuft", bedauert er.

Runtergebrochen auf die politische Arbeit im Ländle nennt Niess als erstes die Verkehrspolitik. "Es kann nicht sein, dass es günstiger ist, mit dem Auto nach Stuttgart zu fahren", stellt er überzeugend klar. Der Metropolexpress nach Geislingen ist für ihn quasi selbstverständlich. Verfügbarkeit von Nahverkehr und Fahrpreise sind sein Thema, der Ausbau der B 10, möglichst umweltfreundlich, steht genauso oben auf seiner Agenda wie der Ausbau der A 8 am Albaufstieg. "Barrierefreiheit an einem Bahnhof setze ich eigentlich voraus". Wie überhaupt viele Dinge, um die es zu kämpfen gilt, für den jungen Kandidaten eigentlich selbstverständlich sein sollten. Das Eindämmen von Verkehr beispielsweise, was sich zumindest teilweise durch regionale Produkte bewerkstelligen lasse. Bei der Bildung tendiert er zur Gemeinschaftsschule, kostenloses Mittagessen und Kindertagesstätten strebt er genauso an wie gebührenfreie Kitas. Die Bildungschancen insgesamt müssten verbessert werden und unser Gesundheitssystem dürfe nicht auf Profit ausgelegt sein. Ein klares Bekenntnis legt Niess zum Erhalt der Geislinger Helfenstein-Klinik ab und zum sozialen Wohnungsbau, bei dem es starke Defizite gebe, vor allem auch im Blick auf die Flüchtlingsproblematik.

Wir stellen die Kandidaten in Porträts vor:

Montag, 15.02. Nicole Razavi CDU
Dienstag, 16.02. Sascha Binder SPD
Mittwoch, 17.02. Eckhart Klein Grüne
Donnerstag, 18.02. Armin Koch FDP
Freitag, 19.02. René Niess Linke
Montag, 23.02. Willy Kotzbauer AfD
Dienstag, 24.02. Herbert Krüger ALFA

Zur Person: René Niess

Geboren: 1992 in Göppingen

Wohnt in: Salach

Schule: Realschulabschluss 2008 an der Dr.-Engel-Realschule Eislingen

Ausbildung: Chemielaborant bei der Firma Schlötter Galvanotechnik in Geislingen, einjähriges Berufskolleg in Göppingen an der Öde, Abschluss mit Fachhochschulreife

Studium: Beginn eines allgemeinen Chemiestudiums mit Schwerpunkt Analytik im Wintersemester 2013/14 an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Aalen, derzeit Praxissemester bei Unicore Galvanotechnik in Schwäbisch Gmünd

Politik: Anfang 2013 Eintritt in die Partei "Die Linke", dort Tätigkeit als Webmaster, im Dezember 2013 Wahl in den erweiterten Kreisvorstand; seit November 2014 Kreisbeauftragter seiner Partei für politische Bildung.

Privat: Kampfsport Jiu Jitsu beim TV Holzheim

SWP