Umwelt Den Bienen drohen viele Gefahren

Experte Alexander Guth informiert Studenten über die aktuellen Möglichkeiten beim Schutz von Bienen.
Experte Alexander Guth informiert Studenten über die aktuellen Möglichkeiten beim Schutz von Bienen. © Foto: HfWU
Udo Renner 19.05.2017

Ob die Zahl der Bienenvölker zu- oder abnimmt, ist regional sehr unterschiedlich. Ein auftretendes Bienensterben kann verschiedene Ursachen haben: die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, ein Fehlverhalten der Imker, Überzüchtung oder Parasiten. Dies erfuhren die Besucher einer Informationsveranstaltung beim Bieneninformationszentrum der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU).

Alexander Guth, Referent vom Landesverband Württembergischer Imker, berichtete bei den Lehr- und Versuchsgärten der HfWU auf dem Hofgut Tachenhausen bei Oberboihingen über aktuelle Erkenntnisse zur Nahrungsversorgung und beim Pflanzenschutz, über die Bestäubungsleistung der Bienen und das Erkennen und korrekte Handeln bei Bienenschäden. Gekommen waren rund hundert Besucher, insbesondere aus der Landwirtschaft und der Imkerei. „Nicht jedes Bienensterben ist automatisch auf die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln  zurückzuführen“, erläuterte Guth.  Unsachgemäßes Vorgehen der Imker, die Varroa-Milbe oder die Überzüchtung der Völker, so die Erfahrung des Bienensachverständigen, seien ebenfalls oft Gründe für einen Rückgang der Bestände.

Bei Verdacht auf Bienenschäden durch Pflanzenschutzmittel erkannt sollte zuerst ein Bienensachverständiger hinzugezogen werden. Dieser beurteilt die Situation vor Ort und verständigt die Behörden, zum Beispiel das  Landratsamt. Dieses veranlasst und leitet die weiteren Maßnahmen ein, um mögliche Verursacher der Vergiftung zu finden.

Es sei nicht der Honig, der die Biene so unverzichtbar macht für unsere Gesellschaft, sondern ihre Bestäubungsleistung. 80 Prozent der Obst-, Beeren- und Gemüsepflanzen sind von der Bestäubung durch Honigbienen abhängig, so Guth. Der finanzielle Wert der Leistung der Honigbienen werde weltweit auf über 300 Milliarden Euro geschätzt. Für eine dauerhafte Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sind die Insekten damit unersetzlich – und ihr bestmöglicher Schutz unabdingbar.

Wie der sichergestellt werden kann, dazu stellte der Bienenexperte mehrere Möglichkeiten vor. Unverzichtbar sei Futterquellen im Rahmen von sogenannten Greening-Maßnahmen zu schaffen. Dies kann mit dem Anbau von Zwischenfrüchten wie Ackerbohnen oder Senfpflanzen oder dem Anlegen von großflächigen Bienenweiden und Blühstreifen an Ackerrändern mit vielseitigem Blühangebot geschehen. Eine sehr gute Möglichkeit sei auch der Umstieg beim Anbau von Energiepflanzen von derzeit überwiegend Mais zur Silphie, einer langblühenden, mehrjährigen und bienenfreundlichen Pflanze. Penibles Einhalten der Vorgaben beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und der Einsatz von speziell behandeltem Saatgut seien für die Gesundheitserhaltung von Honigbienen ebenfalls unerlässlich..

Die Initiatorin des Bieneninformationszentrums an der HfWU, Professorin Dr. Barbara Benz, sieht in der Veranstaltung einen gelungenen Auftakt für eine Kommunikationsplattform zwischen Imkern und Landwirten. Wer sich für das Thema interessiert, für den ist das Informationszentrum beim Hofgut Tachenhausen mit Bienenlehrpfad, zahlreichen Informationstafeln und einem Imkereimuseum ein lohnendes Ausflugsziel.