Demenz Demenzkranken auf Augenhöhe begegnen

Die angehenden Altenpfleger an der Geislinger Emil-von-Behring-Schule lernen, wie sie am besten mit Demenzerkrankten umgehen. Die Grundlagen sind Respekt und Wertschätzung.
Die angehenden Altenpfleger an der Geislinger Emil-von-Behring-Schule lernen, wie sie am besten mit Demenzerkrankten umgehen. Die Grundlagen sind Respekt und Wertschätzung. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / Celina Sautter Angelina Neuwirth 13.11.2017

Claudia Rösinger hat sich ein Erlebnis in ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin besonders eingebrannt: Da gab es diese alte, demenzkranke Dame, die stets verschlossen war – bis zu dem Moment, als sie Rösinger um eine Umarmung bat.

Solche schönen Momente bereitet die angehende Altenpflegerin den ihr anvertrauten Senioren besonders gern. An der Geislinger Emil-von-Behring-Schule (EvB) bekommt sie das nötige Rüstzeug für die Arbeit mit Pflegebedürftigen. Zur Ausbildung gehören Fächer wie Pflege, Psychiatrie und Alltagsgestaltung.

Ein Thema, das durch die steigende Zahl Betroffener immer größere Bedeutung gewinnt, ist die Versorgung von Menschen mit demenzieller Erkrankung. „Das Thema Demenz zieht sich durch die gesamte Lehre und findet sich in allen Bereichen“, erklärt Psychiatrielehrer Georg Siehler. Für die Ausbildung an der EvB bedeutet dies, dass die Schüler nicht nur viel Theoretisches über Demenzerkrankungen erfahren – seien es Diagnosemöglichkeiten oder Krankheitsbilder –, sondern auch in praktischen Übungen lernen, wie sie mit Erkrankten am besten umgehen. Habe man eines begriffen, sei die Herangehensweise nicht so sehr schwierig, sagt Siehler: „Da die kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen zurückgehen, muss man versuchen, sie emotional zu erreichen.“

Erinnerungsarbeit kann helfen, also Gespräche über Vergangenes, die der Betreuer anstößt. Solche leichten Impulse sollen dem Betroffenen helfen, sich zu öffnen. Der Schlüssel zu den Erinnerungen: Emotionen.

Die angehenden Altenpfleger müssten darauf achten, die Erkrankten auf ihrem Stand der Beeinträchtigung abzuholen, sagt Pflegelehrerin Angelika Miller. Das heißt, in kurzen Sätzen zu sprechen, deutlich und langsam. Dass es Erkrankte gibt, die nicht mehr reden können oder wollen, kennt Azubi Claudia Rösinger: „Es gibt viele, die nicht mehr reden. Aber wenn sie ein Lied hören, dann singen sie mit.“ Auch mit Gerüchen gelinge es, dass sich die Menschen öffnen – der Geruch von Kernseife kann etwa an die frühere Hausarbeit erinnern und ein Gespräch anstoßen. Gute Erfahrungen machten auch Pflegeheime, die Besuche von Therapiehunden anbieten. Denn Tiere werten nicht, genau wie Kinder, und helfen den Betroffenen, sich zu öffnen.

Felix Beyer, der wie Claudia Rösinger im zweiten Ausbildungsjahr ist, hat erlebt, wie die Erwähnung von Kindern und Enkelkindern die Tore im Gehirn öffnen kann – eine von ihm betreute Seniorin fing auf diese Weise plötzlich wieder zu sprechen an. Beyer arbeitet auf einer ambulanten Station, die Patienten in der Tagespflege betreut.

Durch gezielte Rückfragen und ein wenig Geduld kann ein interessantes Gespräch zwischen Pfleger und Patient entstehen. „Man muss aber auch wissen, wann man sich selber aus der Situation nehmen muss, um besser damit umzugehen“, meint Claudia Rösinger. Wenn ein Patient beispielsweise einen Satz dauernd wiederhole, sei es sinnvoll, sich kurz zurückzuziehen und durchzuatmen, bevor man ungeduldig etwas erwidere. „Gesagtes kann man nun mal nicht zurücknehmen“, erläutert die Auszubildende. Ihre Lehrerin Angelika Miller fügt hinzu: „Von den Patienten kommt insgesamt sehr viel Dankbarkeit und Wertschätzung zurück. Wichtig ist von unserer Seite aus, ihnen Respekt und Akzeptanz entgegenzubringen.“

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