Geislingen Demenzkranke besser verstehen

Demenzkranke so gut wie möglich in den Alltag einbinden – das ist einer der Punkte, auf die Christine Metzger hinweist. Das kann zum Beispiel beim Kochen sein, wie das gestellte Foto zeigt.
Demenzkranke so gut wie möglich in den Alltag einbinden – das ist einer der Punkte, auf die Christine Metzger hinweist. Das kann zum Beispiel beim Kochen sein, wie das gestellte Foto zeigt. © Foto: Fotolia
Geislingen / Angelina Neuwirth 10.07.2018
Christine Metzger spricht im Geislinger Samariterstift über Demenz und erklärt, wie Angehörige von Erkrankten mit den Veränderungen umgehen können.

Eine Angehörige hat letztens erzählt, dass ihre Mutter Pfannkuchen machen wollte. Es war alles da, was sie dafür gebraucht hat – Eier, Mehl, Milch – und dann hat sie alles in den Wasserkocher gegeben.“ Wenn Christine Metzger von ihrer Arbeit erzählt, dann wird aus dem schwammigen Wort „Demenz“ ein Mensch, der so gerne noch ein bisschen leben will, aber von den einfachsten Dingen verwirrt ist. Mit dem Vortrag will Metzger, die das „Projekt Demenz“ der Diakonie Ulm betreut, im Geislinger Samariterstift Basiswissen zu der Krankheit vermitteln.

„Projekt Demenz“ bietet eine Selbsthilfegruppe für Betroffene an sowie Sprachcafés für Angehörige, die den Austausch mit anderen suchen, denen es ähnlich wie ihnen geht. Dass die Menschen sich gegenseitig dabei helfen können, die Eigenheiten ihres Angehörigen zu verstehen und damit umzugehen, ist ein positiver Nebeneffekt, erklärt Metzger. Sie nannte ein Beispiel: Der an Demenz erkrankte Ehemann beschwert sich, weil er abends so gern noch ein Stück Schokolade essen will, aber seine Frau der Meinung ist, dass nach dem Zähneputzen nichts mehr gegessen wird. Die Meinung einer anderen Gruppenteilnehmerin: „Lassen Sie ihn doch einfach noch ein Stückchen haben.“ Bei der nächsten Gesprächsrunde berichtete die Ehefrau, dass es jetzt keine Diskussionen mehr vor dem Schlafengehen gibt, und der Ehemann so viel Schokolade bekommt wie er will.

Metzgers Vortrag ergänzt das Programm der Ausstellung „Demensch“, die im Geislinger Café Sonnenschein im Samariterstift gastiert. Das Ziel der Expertin ist auch, die Angst vor der Krankheit zu nehmen. „Ein Demenzkranker beißt im Normalfall nicht und ist auch nicht ansteckend“, sagt Metzger zu Beginn und untermauert das durch ihre vielen Anekdoten aus der Selbsthilfegruppe und dem Sprachcafé.

Als Demenz definiert die Weltgesundheitsorganisation eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses, der Orientierung und vieler anderer Dinge, die im Bereich des Verstands ablaufen. Das kann unterschiedlichste Ursachen haben: Auf einer Grafik verdeutlicht Metzger den Besuchern, dass nur wenige Demenzkranke unter Stoffwechselkrankheiten, gravierenden Vitamin-Mängeln, Tumoren oder Depressionen leiden, die ihre Krankheit auslösen. Viel größer ist der Prozentsatz derer, die unter Alzheimer-Demenz leiden, oft in Verbindung mit Gefäßerkrankungen. Dabei ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis gestört, erklärt Metzger. Begünstigt wird eine Demenz-Erkrankung durch Alter, Gefäßerkrankungen oder überhöhten Alkoholkonsum. Vorbeugen kann man, indem man sich regelmäßig bewegt, gesund ernährt, soziale Kontakte pflegt und geistig fit bleibt.

Der Verlauf von Demenz ist je nach Erkrankung und Patient individuell: Sie beginnt meist schleichend, manche Symptome zeigen sich erst nach vielen Jahren. Betroffene sind zunehmend auf Unterstützung und Pflege angewiesen. Metzger erklärt die drei Stadien, die sich vor allem durch gesteigerte Hilfsbedürftigkeit, Gedächtnis- und Verhaltensstörungen sowie Desorientierung ausdrücken. Im dritten, dem schwierigsten Stadium, kommen Inkontinenz und Bettlägerigkeit hinzu. Die Betroffenen leiden oft unter Schluckstörungen und sind anfällig für Infektionen.

Metzger zeigt auch Behandlungsmöglichkeiten auf und spricht den Umgang mit Erkrankten an. „Mit einem Dementen können Sie sich irgendwann nicht mehr richtig austauschen.“ Für pflegende Angehörige sei es deshalb wichtig, mit Bekannten in Kontakt zu sein, um auch Ansprechpartner zu haben. Für den Kranken sei es ebenfalls hilfreich, sozial eingebunden zu bleiben, und sich außerdem nützlich zu machen, etwa im Haushalt.

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