Porträt Das Wir-Gefühl stärken

Bürgermeister Johannes Raab im Atrium des Amstetter Rathauses. Seit über 100 Tagen ist der 31-Jährige im Amt: Arbeit hat er genug.
Bürgermeister Johannes Raab im Atrium des Amstetter Rathauses. Seit über 100 Tagen ist der 31-Jährige im Amt: Arbeit hat er genug. © Foto: Claudia Burst
Amstetten / Claudia Burst 04.08.2018

Johannes Raab wusste, was ihn in Amstetten erwartet, als er sich auf den Bürgermeister-Posten bewarb. „Ich war über drei Jahre in der Kommunalaufsicht im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises tätig. Da kriegt man viel mit“, begründet der 31-Jährige. Er kannte also die Baustellen im Gesamtort – sowohl die tatsächlichen als auch die „Problemfälle“ wie etwa die schlechte Haushaltslage des Ortes oder die Querelen innerhalb des Gemeinderates.

Als Raab Ende des vergangenen Jahres in der Zeitung las, dass Jochen Grothe als Bürgermeister aufhören wollte, „da war das eine Bauchentscheidung von mir, mich hierher zu bewerben. Trotzdem.“

Es war gerade die Herausforderung, die den Diplom-Verwaltungswirt reizte. „Amstetten wurde in letzter Zeit unter seinen Möglichkeiten verwaltet. Das will ich ändern.“ Dank seiner beruflichen Erfahrungen als Leiter der Stadtkasse in Murrhardt, als Mitarbeiter in der Kommunalaufsicht sowie als Kämmerer im südbadischen Pfaffenweiler traute er sich diese Aufgaben zu, „Ich freue mich auf den Gestaltungsspielraum, den ich als Bürgermeister habe“, sagt er und fügt mit jungenhaftem Lächeln hinzu: „Klar, das ist arbeitsintensiv. Aber es ist zu schaffen.“

Johannes Raab charakterisiert sich selbst als ehrgeizig. Aber auch als Teamworker. „Ich nehme mich selbst nicht allzu wichtig“. Für ihn ist das eine Grundvoraussetzung für gute Zusammenarbeit sowohl mit den Rathausmitarbeitern, den Gemeinderäten als auch mit den Bürgern. „Um etwas auf die Beine zu stellen, müssen viele Zahnräder ineinandergreifen“, ist ihm klar.

Als Johannes Raab – selber Sohn eines Bürgermeisters – dann im April in Amstetten anfing, war sein erster Eindruck durchaus positiv. Vor allem von der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat war er „sehr angenehm überrascht. Das ist ein gutes Miteinander, ich bin hochzufrieden.“

Die schlechte Haushaltslage ist nur eine der Aufgaben, mit denen er jetzt täglich zu tun hat. Dazu kommen die Baustellen an der Lonetalschule, dem Kultur- und Begegnungshaus oder die Erschließung zweier Wohngebiete. Auch die technische und organisatorische Modernisierung der Verwaltung im Rathaus hat er bereits in Angriff genommen. „Außerdem habe ich die Themen Integration und gesellschaftliche Teilhabe von Migranten zur Chef-Sache gemacht. Das halte ich für extrem wichtig.“

Aber als eins der vorrangigsten Themen überhaupt bezeichnet der neue Bürgermeister das Wir-Gefühl im Ort. „Das fehlt. Sowohl für die Einzelteile Amstettens als auch für den Gesamtort mit den Teilorten. Das muss unbedingt besser werden, wir gehören zusammen.“

Übers Knie brechen geht da nicht, dessen ist sich Johannes Raab bewusst. „Da müssen wir strategisch und ergebnisoffen in die nächsten 15 Jahre denken“, sagt er. „Das verlangt umfassende Diskussionen und Bürgerbeteiligung. Sonst geht gar nichts“, ist Raab sich bewusst. Erst kürzlich traf er sich mit Bräunisheimer Bürgern. „Das war ein intensives Miteinander. Ich fand es klasse – vor allem hat mich das funktionierende Dorfleben beeindruckt. Wie die Leute einander wahrnehmen und gegenseitig helfen, wenn Not am Mann ist.“

Den Kontakt mit Gemeindeentwicklungs-Büros hat er ebenfalls bereits geknüpft, hat Vorgespräche geführt, im Herbst stellen sich in Frage kommende Unternehmen dem Gemeinderat vor. „Ich will Voraussetzungen schaffen, die das Zusammenwachsen möglich machen. Die Intention am Ende muss aber von den Leuten oder den Vereinen kommen.“

Raab hat nach seiner Wahl im März seine Stelle als Kämmerer in Pfaffenweiler gekündigt, hat dort bis 13. April gearbeitet, zog am 14. April nach Amstetten um und fing am 16. April mit seiner neuen Arbeit an. „Diese 108 Tage bis jetzt waren sehr arbeitsintensiv. Und ausgesprochen spannend“, stellt er lachend fest.

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