Der Geislinger Werner Gass kennt die Fußball-Branche aus dem Effeff. Selbst einst Profi, hat er nach wie vor engen Kontakt zu seinem Haus- und Hofclub, dem VfB Stuttgart. Als Kenner der Materie verfolgt er die Entwicklung des Profifußballs mit einer gewissen Sorge. Gerade der jüngste Skandal um Bayern-Profi Franck Ribéry und dessen Eiertanz um das vergoldete Steak stößt ihn vor den Kopf. „Natürlich kann man einen solchen Vorfall nicht pauschalisieren und alle Profis über einen Kamm scheren“, sagt er, „aber dummerweise sind genau diese wenigen, die sich so verhalten, das Problem.“

Unseliger Hang zur Selbstdarstellung

Konkret bedeutet das: So mancher Weltklasse-Fußballer habe einen unseligen Hang zur Selbstdarstellung, zum Protzen – wie eben Ribéry. Oder Pierre-Emerick Aubameyang von Arsenal London, der auf Boliden steht und einen seiner Lamborghini hat vergolden lassen. „Das Schlimme daran ist, dass solche Fußballer kein Maß und Ziel mehr kennen beim Geld“, sagt Gass. „Wer monatlich 200 000 bis 300 000 Euro überwiesen bekommt – ein Betrag, für den normale Menschen jahrelang arbeiten müssen – der verliert leicht die Bodenhaftung.“

Gass: „Sie kennen die Realität nicht“

Dabei könne man den Leuten, die im System Fußball groß geworden sind, nicht einmal einen großen Vorwurf machen. „Sie kennen die Realität nicht, in der jemand täglich arbeiten geht und sich sein Ticket fürs Stadion mühsam zusammensparen muss.“ Aber eben diese Fußballer, diese extrovertierten paar Prozent, seien die großen Idole. „Jeder Nachwuchs­kicker sieht sie und sagt sich: Das will ich auch, es geht ja.“

Wenn schon bei den Superstars keine Vernunft waltet, sollte das zumindest bei ihren Clubs der Fall sein, sagt Gass. „Sie sind als Regulativ bei der Außendarstellung ihrer Profis gefordert.“

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