Vor drei Jahren haben das Geislinger Polizeirevier und das Ordnungsamt der Stadt damit begonnen, ein gemeinsames Sicherheitskonzept für die Fünftälerstadt umzusetzen. Dieses sieht regelmäßige Schwerpunktkontrollen im Stadtgebiet vor, um die „Sicherheits- und Ordnungsstörungen wie auch die Straftaten im öffentlichen Raum“ zu bekämpfen, wie es in der Zielsetzung heißt. Zwischenzeitlich schlägt dieses in der Kriminalstatistik voll durch. Im Vorjahr registrierte die Polizei für Geislingen in der Summe 1352 Straftaten, 28 weniger als noch im Jahr davor.

Mehr Sicherheit im öffentlichen Raum

Spürbare Rückgänge, erklärt Revierleiter Jens Rügner, verzeichnete die Polizei bei einfachem Diebstahl (293 Fälle/minus 28), bei den Rohheitsdelikten, also der Gewalt gegen Personen (219/minus 25) sowie bei Sachbeschädigungen (152/minus 12). Also genau jene Formen der Kriminalität, die sich „besonders stark auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen auswirken“, wie Rügner betont. Dass es objektiv gar nicht so schlecht ausschaut, zeigt die Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten umgerechnet auf 100 000 Einwohner. Die lag bei 4825. Zum Vergleich: Göppingen kam auf 6020, der Kreis auf 3722.

Verstärkte Kontrollen bedingen Holkriminalität

Fasst man alle Fälle von Straßenkriminalität zusammen, ergibt sich im Vergleich zu 2017 ein Rückgang von 244 auf 206. Schaut man auch hier allein auf die nackten Zahlen, erscheint das Ganz wie ein Pyrrhus-Sieg, schließlich hatte es zuvor noch einen wenngleich leichten Anstieg um 9 Fälle gegeben. Bei der Gesamtzahl aller Straftaten war der Anstieg von 2016 auf 2017 sogar deutlich, von 1269 ging es auf 1380 hoch. Doch in beiden Fällen spielen die Schwerpunktkontrollen eine Rolle. „Wenn mehr kontrolliert wird, werden mehr Straftaten aufgedeckt“, erklärt Rügner. Die Polizei nennt dies Holkriminalität. Beispiel Rauschgiftdelikte: 2016 lag die Zahl bei 50, im Folgejahr bei 119, zuletzt sank sie auf 114.

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Personell auf Kante genäht


Bestand 64 Mitarbeiter hat das Polizeirevier Geislingen, davon sind 60 Polizeibeamte.  Ein „gerade noch ausreichendes Maß“, wie Revierleiter Jens Rügner konstatiert, denn mit dieser Zahl liege man deutlich unter dem Haushaltssoll. Sieben Beamte fehlen zur Soll-Stärke. Zur Unterstützung haben die Geislinger noch drei so genannte Abordnungen oder Revierdienst-Unterstützungskräfte vom Göppinger Polizeipräsidium Einsatz, „um die Streifenstärke halten zu können. Es entsteht kein Sicherheitsdefizit“, wie Rügner ausführt. Was aber nur durch ein hohes Maß an Mehrarbeit und daraus resultierend an Überstunden möglich sei.

Ausblick Ob und wann sich die Lage bessern könnte, vermag Rügner nicht zu sagen. Zwar habe Innenminister Thomas Strobl eine große Einstellungsoffensive der Polizei angekündigt, je 1800 Anwärter will das Land in diesem und dem kommenden Jahr einstellen. Das Resultat, sagt Rügner, werde dann aber erst in zweieinhalb Jahren sichtbar sein.  „Die Situation wird sich in dieser Zeit für uns nicht verbessern. Wir sind froh, wenn sie sich nicht verschlechtert.“ Zumal auch auf das Geislinger Revier eine Pensionierungswelle zurollt. Dann werde die „RAF-Generation“ in den Ruhestand gehen (zu Hochzeiten des RAF-Terrorismus hatte die Polizei massiv Personal aufgestockt). „Wenn diese Kollegen gehen, bricht uns große Erfahrung weg.“