DAS GEISTLICHE WORT: Advent - eine besondere Zeit für unsere Seele und Sinne

SWP 01.12.2012

Die Adventszeit ist eine besondere Zeit für unsere Seele und für unsere Sinne. Sie ist gefüllt mit Erwartungen, mit Vorfreude und Vorbereitungen. Natürlich auch mit manchem Stress. Es ist eigenartig und auch immer wieder wunderschön, wie diese ganz eigene Zeit mich und wohl die Mehrzahl der Menschen in unserem Land in Beschlag nimmt.

Die vier Adventssonntage sind wie Stationen auf Weihnachten hin. An jedem Tag öffnen sich Türchen an den verschiedenen Adventskalendern. Jeder Tag bietet, wenn man möchte, eine Vorfreude auf Weihnachten. Vielleicht haben wir einen Adventskalender wie den "Anderen Advent", der für jeden Tag eine Doppelseite hat mit Bildern, einer Geschichte, einem Lied oder einem besonderen Gedanken zum Tag. Wobei dieser Kalender sogar bis zum Erscheinungsfest, dem 6. Januar, geht.

In der Adventszeit liegt Erwartung in der Luft. Advents- und Weihnachtsmärkte sind ebenfalls Wegstationen. Mit ihren eigenen Düften. Man schlendert. Stöbert ein wenig. Findet vielleicht ein kleineres oder größeres Geschenk. Trinkt einen Punsch oder Glühwein und probiert irgendeine Leckerei aus. Adventszeit ist eine Zeit für unsere Sinne. Daher auch eine Zeit des Backens und des Ausprobierens von Gutsle, Früchtebrot oder Stollen.

Erwartung liegt in der Luft. Der Ursprung dieser Erwartung liegt weit zurück. Ein neuer König wird kommen für Israel, haben die Propheten verheißen. So wie es auch der Prophet Sacharja getan hat mit seinen Visionen. Sie sprechen von einem neuen religiösen Repräsentanten. Ein Hirte sei er - und ein König, der ein Friedensreich schaffen wird. Davon redet der Prophet Sacharja in Kapitel neun Vers neun: "Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer."

Diese prophetische Erwartung von einem "neuen König" sehen wir als Christen auf Jesus Christus bezogen und erfüllt. Wenn auch in einer ganz anderen Weise, als dies die Menschen zunächst getan haben.

Im Adventslied "Macht hoch die Tür" wird dies besungen: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobtet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat."(EG 1, 1)

Da liegt Freude und Jubel in der Luft. Da kommt der Herr der Herrlichkeit. Nicht nur für einige wenige Menschen, sondern für die ganze Welt. Er bringt Heil und Leben mit, nicht Krieg und Zerstörung.

In der zweiten Strophe des Liedes kommt es schön zum Ausdruck: "Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsere Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat."

Bereits die Geburt Jesu in einem Stall war ganz anders als die Geburt von anderen Königen. In seinem Reden und Handeln geht es um Gerechtigkeit, um Vergebung und um neues Leben. Er ist für sie ein Helfer, wenn sie in seelischer oder körperlicher Not sind. Er spricht von dem barmherzigen Vater und ist selber barmherzig. Er wendet sich Menschen zu, die von der Gesellschaft ausgegrenzt sind. Und er spricht von einem zukünftigen Reich des Friedens und der Liebe, in dem es keine Tränen und den Tod nicht mehr gibt. Die Adventszeit erinnert an das Kommen Jesu vor 2000 Jahren und an sein erneutes Kommen.

Liebe Leserinnen und Leser, in der Adventszeit liegen Erwartung und Freude in der Luft. "Macht hoch die Tür" für diese besondere Zeit der Seele und der Sinne.

Georg Braunmüller ist evangelischer Pfarrer in Unterböhringen-Hausen