Wie in einer Zeitkapsel hat sich im Warenarchiv der WMF bewahrt, was vor Jahrzehnten die Wohnzimmer schmückte oder das Hantieren in der Küche revolutionierte. Über 10 000 Objekte aus der 165-jährigen Firmengeschichte des Geislinger Unternehmens umfasst die Sammlung.

Katalogisierung ist Herkulesaufgabe

Ein Mann hat zum Glück den Überblick: Heinz Scheiffele, der sich seit Ende der 1980er Jahre um das Archiv kümmert. Auch heute noch verbringt der 76-Jährige, der früher in der Produktentwicklung der WMF tätig war, zweieinhalb Tage in der Woche im Archiv. Seit sieben Jahren arbeitet er an der Katalogisierung der Sammlung – eine Herkulesaufgabe, bei der ihn seine Frau und der Kunsthistoriker Tim Heilbronner unterstützen. Etwa 2500 Objekte seien bereits katalogisiert, sagt Scheiffele. Das heißt, sie sind mit Foto und ausführlicher Beschreibung in einer Datenbank erfasst. Aber viele Kleinteile müssten noch erfasst werden, sagt Scheiffele und zeigt auf einen mannshohen Stapel alter Vertretermappen voller kleiner Ikora-Musterplättchen.

Von japanischer Technik inspiriert

Unter dem Stichwort Ikora lassen sich viele der auf den ersten Blick auffälligsten Objekte zusammenfassen. Geprägt wurde der Begriff von der 1927 gegründeten Neuen Kunstgewerblichen Abteilung (NKA), die sich für ihr „Ikora-Edelmetall“ von einer japanischen Patinierungstechnik inspirieren ließ. In den Regalen des Warenarchivs fallen sie sofort auf: Vasen, Schalen und Dosen aus Metall in den unterschiedlichsten Farbschattierungen, oft verziert mit graviertem, krakeliertem oder anderweitig aufwändig bearbeitetem Dekor aus Messing oder Kupfer. Ein wahrer Wirbel aus Farben und Texturen.

NKA war Alleinstellungsmerkmal der WMF

Pigmente wurden zum Färben des Metalls nicht verwendet, betont Scheiffele, sondern Metalloxide, elektrochemische Verfahren oder Feuerpatinierung. „Die NKA war ein Alleinstellungsmerkmal der WMF“, sagt er. „Keine andere Firma hat die Metallfärbung so beherrscht“, sagt er. Die Mitarbeiter der NKA entwickelten viele der innovativen Techniken selbst. Zu ihnen gehörte einst auch Heinz Scheiffeles Vater. Dieser habe selbst in seiner freien Zeit gedanklich noch an neuen Färbemethoden getüftelt, erinnert er sich. „Bei ihm war die Arbeit auch nach dem Feierabend noch nicht vorbei.“

Mehr über das WMF-Warenarchiv lesen Sie heute (23. Februar) auf einer Sonderseite in der GEISLINGER ZEITUNG und im E-Paper.

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