Tourismus Dampfloks geht die Puste aus

Nikolaus und Knecht Ruprecht steigen zwischen Amstetten und Oppingen ins Albbähnle. Diesmal ohne Dampf: Eine Diesellok zieht den Nikolauszug.
Nikolaus und Knecht Ruprecht steigen zwischen Amstetten und Oppingen ins Albbähnle. Diesmal ohne Dampf: Eine Diesellok zieht den Nikolauszug. © Foto: Korbinian Fleischer
Amstetten / Mit Korbinian Fleischer und Thomas Kiefer 08.12.2017

Eigentlich kommt der Nikolaus nur am 6. Dezember.  In vielen Familien finden die Kinder dann am Morgen ein kleines Geschenk und Süßigkeiten in ihren Stiefeln, die sie über Nacht vor die Tür gestellt haben.

Bei den Ulmer Eisenbahnfreunden (UEF) kam der Nikolaus schon am 2. und 3. Dezember. Und am kommenden Wochenende kommt er wieder – zumindest bei den Hobby-Eisenbahnern auf der Schmalspurbahn zwischen Amstetten und Oppingen. Die Nikolausfahrten von Amstetten nach Oppingen und Gerstetten sind meist schon weit im Voraus ausverkauft. So waren auch am Wochenende wieder rund 800 große und kleine Fahrgäste allein Richtung Oppingen unterwegs. Am kommenden Samstag sind die Züge wieder voll.

Dabei haben die UEF heuer mit einigen Problemen zu kämpfen. Normalerweise stehen Nikolaus und Fahrgäste in den Zügen auf der Museumsbahnstrecke unter Dampf. In diesem Jahr schwächeln aber gleich beide Dampfloks. Die große Tenderlok 75 1118 der Lokalbahn Amstetten-Gerstetten hat schon seit September einen Schieberschaden. Die Eisenbahnfreunde haben zwar längst von einer Spezialfirma in Eisenach eine neue Schubstange anfertigen lassen. Beim Einbau  stellte sich dann aber heraus, dass „die Stange nicht hundertprozentig passte“, wie UEF-Mitglied Korbinian Fleischer mitteilt. Da die Dampflok so nicht ihre volle Leistung aufs Gleis bringen kann, musste sie am Wochenende zwischen Amstetten und Gerstetten von einer angemieteten Diesellok der Baureihe 213 (V 100) „angeschoben“ werden. Dass die Dampflok zwar nicht zog, aber wenigstens „rauchte“, hat die Freude über den Nikolaus bei großen wie kleinen Fahrgästen indessen kaum geschmälert.

Die Kollegen vom Albbähnle kämpfen nicht nur mit defekten Schubstangen. Ihrer Schmalspurlok 99 7203 drohte komplett die Puste auszugehen. Mit der inzwischen 113 Jahre alten Lok ist auch ihr Kessel in die Jahre gekommen. Während die Eisenbahnfreunde sonst alle Reparaturen in Eigenregie erledigen, kann eine solche „Operation am offenen Herzen“ nur von Spezialisten durchgeführt werden.

Um Kosten zu sparen, haben die UEF’ler ihre Lok zumindest so weit zerlegt, dass der Kessel für die Reparatur frei liegt und zu einer Fachfirma nach Bruchsal gebracht werden kann. Wenn der Kessel wieder frisch vernietet auf die Alb zurückkommt, erhält die kleine Lok auch noch einen neuen Kamin. Den haben Auszubildende der Heidelberg Manufacturing GmbH eigens für die Albbähnler angefertigt. „Nicht aus Blech wie die meisten, sondern aus Guss“,  betont UEF-Mitglied Peter Schumacher stolz.

Da eine zerlegte Lok noch weniger ziehen kann als eine mit Lagerschaden, musste auch auf der Schmalspurbahn für die Nikolausfahrten eine Diesellok ran. Im Gegensatz zur 1300 PS starken V 100 hat das rumänische „Dieselrösslein“ der Albbähnler nur 180 Pferdestärken. „Deshalb haben wir am Wochenende vorsichtshalber nur zwei Personenwagen Richtung Oppingen dran gehängt. Die Dampflok schafft drei“, verrät Schumacher.

Info Pünktlich zum Saisonstart am 1. Mai soll die kleine Schmalspurlok wieder Richtung Oppingen dampfen. Für den Zusammenbau suchen die Eisenbahnfreunde übrigens noch Freiwillige. Wer mithelfen will: Weitere Infos gibt es bei Familie Biro ☎ (07331) 8787 oder unter www.albbaehnle.de

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